Rohlands Pilztouren 32:
Funde vom 29.09.2015 - 02.10.2015



Rohlands Pilztouren 32




Alle Funde des Pilzberaters ab dem 08.02.2014:

Hier geht's zum Pilztagebuch von Peter Rohland





Das Jahr der Giftpilze geht weiter!

Vorsicht vor dem gefährlichen Giftschirmpilz!
Er bevölkert jetzt manchen Garten und tut so, als ob er Parasole oder Safranschirmling ist




Foto: Giftschirmpilze in verschiedenen Wachstumsphasen. Besonders mit aufgeschirmtem Hut (siehe vor allem das große Foto) hält sie mancher Pilzsammler für Safranschirmlinge oder gar für Parasolen. Es sind sehr giftige Pilze!

Rohlands Pilztouren 32



Peter Rohland schreibt am 2. Oktober 2015:

"Hallo Ihr Lieben,

gerade brachte mir eine Familie aus Leipzig Großzschocher aus dem Garten unter Fichte den äußerst gefährlichen Giftschirmpilz zur Beratung.

Er gehört weitläufig zu den bräunenden oder rötenden Schirmpilzarten, die allesamt recht häufig nicht vertragen werden. Nicht nur einmal war ich wegen dieses Pilzes mit der typischerweise deutlich gerandeten Knolle am Stiel in den Notaufnahmen der Krankenhäuser.

2015, das von mir so benannte Jahr der Giftpilze, macht seinem Namen also weiterhin alle Ehre. Also Finger weg von solchen Schurken im Pilzreich!

Peter Rohland aus Leipzig"

Rohlands Pilztouren 32


 2 Fotos: Ein wichtiges Merkmal von Giftschirmlingen ist ihre markant gerandete Knolle, ähnlich wie beim Gelben Knollenblätterpilz. (4 Fotos © Peter Rohland)



Peter Rohland auf Tour

Trotz Steinpilzen, Krausen Glucken und tausend Parasolen: Wir haben ein Rekordjahr der Giftpilze wie lange nicht mehr!




Foto: Ein tödlicher Giftpilz ist der Grüne Knollenblätterpilz. Alljährlich bedeutet sein Verzehr mindestens Krankenhausaufenthalte wenn nicht den Tod. Dieses Jahr ist er besonders häufig, und zwar nahezu in ganz Deutschland. Aber nicht nur er lauert in diesem Rekordjahr der Giftpilze! 


Peter Rohland schreibt am 29. September 2015:

"Hallo Ihr Lieben,

ich war heute zusammen mit Heinz-Wilhelm vom Pilzticker auf kurzer Giftpilztour. Und zwar deshalb, weil uns Aufklärung und Schutz der Pilzsammler sehr wichtig sind.

Ich möchte hier nachdrücklich einmal den Riesenrötling genauer vorstellen. Er ist ein stattlicher,  6-15 cm Durchmesser erreichender Pilz. Dass Maden eine Vorliebe für ihn haben, ist kein Zeichen seiner Harmlosigkeit: Er ist sehr giftig, hat schon Todesfälle verursacht. 

Bereits im Jugendstadium, aber auch im Alter, und hier besonders als Greis, hat er immer einen gelblichen Schimmer, und zwar auf dem Hut und in den rosa  Lamellen. Liebe Pilzfreunde, dreht ihn, er wird einen gelblichen Stich zeigen. Er riecht deutlich nach Mehl. Er kommt immer häufiger in der Stadt und erst recht in den Tagebaufolgelandschaften um Leipzig vor. Nach einigen Jahren Pause hat er dieses Jahr einen großen Auftritt.







Foto: Gewahrt Ihr den Gelbstich der Lamellen bei dem großen Riesenrötling rechts? Auf einer Uhr entspräche der Gelbschimmer der Zeit zwischen 19 Uhr und etwa 20.50 Uhr. Auch bei dem linken Exemplar ist der gelbe Schimmer links oberhalb der Mitte erkennbar. Ein sehr wichtiges Merkmal! Riesenrötlinge können tödlich sein. Sie sind Pilze des Spätsommers und des Herbstes. Die einzigen drei essbaren Rötlingsarten, der Blassbraune Schlehenrötling, der Schild- und der Aprilrötling, wachsen im Frühjahr.

Rohlands Pilztouren 32


Foto: Der Gelbstich, der die Riesenrötlinge auszeichnet, ist auch auf dem Hut erkennbar, wenn auch schwach, siehe der Pilz ganz links. Man muss Riesenrötlinge drehen und wenden, um das Gelb als sehr wichtiges Merkmal für ihre Gefährlichkeit zu erkennen.


Einen weiteren Pilz, den Spindeligen Rübling, der in einigen Pilzbüchern noch als essbar bezeichnet wird, will ich noch einmal anhand der von Heinz gefundenen Pilze mit gestellten Aufnahmen beschreiben.

Sein Hut sieht aus wie bei dem Gefleckten Rübling, das heißt, er ist gesprenkelt; der Stiel ist gummiartig-elastisch wie bei allen Rüblingen. Vor allem hat er, wie alle Rüblinge, eine spindelige Wurzel, die immer am Totholz andockt. Tückisch verheißt er in großer Kolonie an Stämmen, Stuken oder Baumwurzeln guten Ertrag,

Seinen Geschmack kenne ich nicht, aber man darf sich nicht verleiten lassen. Sollte er auch noch so gut schmecken - es endet zwangsläufig mit einem unplanmäßigen Aufenthalt im Krankenhaus.







Foto: Spindelige Rüblinge werden in der aktuellen Pilzliteratur fälschlicherweise immer noch als essbar oder verharmlosend als ungenießbar eingestuft. Liegt es an dem fröhlichen Braunton der jungen Pilze, der dem der Butterpilze ähnelt? Dabei sind diese Rüblinge erheblich giftig, sorgen fast immer für einen Aufenthalt auf der Intensivstation. Man beachte die langen Wurzeln, die an der Stielbasis spindelig gedreht sind.

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Foto: Die fleckigen Lamellen, beim ausgereiften Fruchtkörper auch die Hüte, sind ein typisches Merkmal des Spindeligen Rüblings. (5 Fotos © Peter Rohland)


Krankenhausaufenthalte wegen Pilzvergiftungen gab es dieses Jahr bereits genug! Denn auch die berüchtigten Pantherpilze treten massenhaft auf. Wie auch Grüne und Weiße Knollenblätterpilze.

Wir erleben ein Rekordjahr der Giftpilze, weshalb ich auch die Kollegen vom Giftnotruf mitlesen lasse.

Erst gestern wurde ich wieder einmal um 1.10 Uhr aus dem Bett geklingelt nach einer Vergiftung mit Grünen Knollenblätterpilzen. Nicht nur die angenehme Pilzberatung, sondern auch die Pflicht, in lebensbedrohlichen Situationen rund um die Uhr zur Stelle zu sein, ist das Los von uns ehrenamtlichen Pilzsachverständigen, wie ich es bin.

Ich habe im Laufe der Zeit gelernt, während der Pilzsaison unverkrampft ins Bett zu gehen. Am Anfang war das wirklich nicht leicht.

Liebe Pilzfreunde, lasst Euch dennoch nicht die Lust auf ein leckeres Pilzgericht nehmen. Ihr kennt die Pilze und wisst, was Ihr in den Korb legt. Aber seid bitte wachsam, auch und gerade dann, wenn Ihr schon lange unterwegs seid.

Es wünschen Euch allen volle Körbe Euer Peter Rohland und Heinz-Wilhelm aus dem altweibersommerlich schönen Leipzig."

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Allen Pilz- und Naturfreunden eine schöne Adventszeit

(Foto © Fotolia)

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