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Das Taschenmesser schmückt
unsere Passion für Pilze

Es ist das symbolische Gedächtnis unserer Pilzgänge

Ein Taschenmesser ist für jeden Pilzsammler unerlässlich. Wie das Gewehr zum Soldaten, so gehört es zum Pilzsammler. Es ist weit mehr als nur ein Gebrauchsgegenstand. Nämlich ein intimer, sehr persönlicher Begleiter bei unserer Pilzsuche. Für viele Jahre - vielleicht fürs Leben.




Ein Taschenmesser zum Pilze schneiden hat nicht mehr als das zu erfüllen, was es auch in allen anderen Arbeitsbereichen leisten sollte. Es muss angenehm in der Hand liegen, eine scharfe, gut handhabbare Klinge haben und solide und zuverlässig im Einsatz sein.

Es ist mir eine Schreckensvorstellung, mein Messer könnte in einem entlegenen Waldstück mitten in der Pilzernte seinen Dienst versagen. Nackt, hilflos, arbeitsunfähig wäre ich.



Preisgünstiges Nieto

Eine Mischung aus traditioneller Naturoptik und schnörkelloser, schlichter Form bietet dieses schöne Nieto-Messer aus der bekannten spanischen Messerschmiede.

Mit einem gezahnten Klingenrücken erfüllt es alle Ansprüche des Pilzsammlers - und das zu einem prima Preis von deutlich unter 20 Euro.







Taschenmessern fehlt eine Bürste zum Entfernen von anhaftenden Erdresten. Vor etwa zehn Jahren lernte ich Pilzfreund Harry aus Gilching/Obb. kennen, der deshalb stets einen gewöhnlichen Malerpinsel mit sich im Korb trug. Und zwar einen Rundpinsel. Den gibt es für etwa 2,50 Euro bis 6 Euro.

Das hat mich überzeugt und auch ich nehme seither während der Steinpilzzeit fast immer einen solchen Pinsel mit. Er hat sich besonders bei großhütigen Pilzen bestens bewährt, weil sich mit ihm Erde und Nadeln kräftiger, großflächiger und damit schneller abbürsten lassen.

Der Handel bietet heute Fachmesser für Pilzsammler an, also richtige Pilzmesser die in einfacher Version ab etwa 10 Euro zu haben sind. Es sind praktische, bedürfnisgerechte Messer.



Ein einfaches Schweizer Messer, das ich von meinem Pilz-Mentor Karl Berchtold aus Gauting geschenkt bekam, benutze ich mit am liebsten

Meine Messer-Sammlung für Pilze ist mir heilig

Viele Jahre habe ich ausschließlich mit konventionellen Taschenmessern gearbeitet. Noch heute benutze ich sie allzu gerne, obwohl ich auch richtige Pilzmesser einsetze. Ich besitze eine kleine Sammlung an Messern. An ihr hänge ich sehr. Sie hat für mich fast ausschließlich ideellen Wert.

Denn jedes einzelne meiner Messer für Pilze kann mindestens eine Geschichte erzählen, zu Kauf, Einsatz oder – glücklicherweise nur vorübergehendem – Verlust. Die Preisspanne meiner Messer reicht vom einfachsten 1,50 D-Mark-Plasteprodukt bis hin zum Schmuckmesser mit Bernsteinschaft für gut 55 Euro.

Das billigste mit Kunststoffgriff kaufte ich an einem urigen waldnahen Kiosk in Stolberg am Südostharz. Ich benutze dieses japanische Unikat mit am liebsten.

Es erinnert mich an die gesellige Stunde nicht nur mit dem Ladeninhaber. Dieses Beisammensein war verdienter Lohn für einen ausgezeichneten Steinpilz- und Maronenfund zusammen mit Peter Rohland aus Sangerhausen an einem Montagmorgen.




Dieses Laguiole-Taschenmesser in sanfter Wellenform gibt einen Einblick in die Spitzenklasse von Alltagsmessern. Heißt: jenseits der 100 Euro.

Die Messerschmiede in Süd-West-Frankreich zählt zu den renommiertesten der Welt. Alle Einzelteile werden in der Schmiede von Laguiole eigens handgefertigt. Jedes Messer ist ein Unikat, hat seine eigene Seele.

Laguiole ist das Messer der Zimmerleute. So mancher der Wandergesellen trägt stolz sein Laguiole bei sich, für das er in den ersten Monaten seiner Lehre auf anderes verzichtet hat.



Das Pilzmesser meines Großvaters

Vier meiner Messer sind Kleinode, die ich, wenn überhaupt, nur für ganz besondere Anlässe mit aus dem Haus nehme.

Dies ist erstens das Messer meines Großvaters, mit dem er bereits in den 20er Jahren Pilze in den Wäldern der westlichen Harz-Ausläufer schnitt. Zweitens sind es zwei Messer meines Vaters, ein rotes Solinger und ein blaues Maiwald-Messer.



Das Taschenmesser und die Taschenuhr mit kleinem Kompass meines Großvaters. Hiermit suchte er bereits Ende der 20er Jahre Pilze. Nachdem er aus anderer Gegend kam, musste er in den Wäldern um Kalefeld am Harz neue Pilzgründe erschliessen. 80 Jahre später, am 15. November 2009, schnitt ich mit seinem Messer die hier abgebildeten Austernseitlinge. Ich fand sie an einer altersschwachen Pappel in Leipzig-Connewitz.





Ein schlichtes Schweizer Messer ist das vierte. Dies schenkte mir mein bayerischer Pilzmentor Karl-Hermann Berchtold. Es liegt fantastisch in der Hand und ich benutze und hüte es dankbar.

Meine Messer-Kollektion hat ihren Ehrenplatz hinter Glas in einem Vitrinenfach mit Pilz-Literatur. Dieses Fach bildet den repräsentativen Mittelpunkt der gesamten Bibliothek. Es ist dekorativ wie eine Schmuckauslage, denn genau das ist für mich der Inhalt: Schmuck.




So schmücken Messer ganz verschiedener Form und Farben gut sichtbar meine Passion für Pilze. Gleichzeitig sind sie das symbolische Gedächtnis aller meiner Pilzgänge. Oder besser gesagt: fast aller.

Denn die Sammlung meiner Taschenmesser ist auch Ausdruck des Verlustes. Fehlt da nicht mein erstes Kinder-Taschenmesser in Rot, ein Mitbringsel aus Heidelberg? Und erst recht das extravagante Okuliermesser, das mein Vater in meiner frühen Kindheit natürlich auch als Pilzmesser benutzte.




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