Grandioser Schopftintling!



Der Schopftintling (Coprinus comatus), im Handel immer öfter auch Coprinus genannt, ist geschmacklich ein Pilz der Superlative! Dazu weiter unten Ausführliches.

Da spielt es uns in die Hand, dass er zu den Frühaufstehern im Jahresverlauf der Pilze gehört. Manchmal gibt er sich bereits im April die Ehre. Bis in den November hinein hält er durch. Sein häufigstes Erscheinen in Mitteleuropa hat er im September.




Foto rechts: Typisch: Schopf-Tintlinge ziehen Insekten, wie hier zu sehen, unwiderstehlich an. Selbst im jungen Alter der Pilze scheinen sie bereits auf eine süße Mahlzeit von dem schwarzen Saft zu lauern.




Wer ihn in jungem Zustand findet, sollte diesen Vertreter aus der Familie der Tintlingsartigen (Coprinaceae) umgehend ernten.

Tipp!
Um seine Haltbarkeit für den Transport zu verlängern, dreht man den Stiel vorsichtig heraus. Stiele getrennt lagern. So überdauern die Hüte ein wenig länger. Die Stiele eignen sich ausgezeichnet, um ein edles, hoch aromatisches Pilzpulver herzustellen. Die Pilze zählen zu den besten Würzpilzen. Also unbedingt mitnehmen!

Tun wir es nicht, hat er sich im Handumdrehen selbst verputzt. Und das ist kaum übertrieben. Denn sobald dieser Pilz Fruchtkörper und Sporen gebildet hat, verfügt er auch schon über Enzyme, mit denen er sich selbst verdaut. Diesen Vorgang nennt man Autolyse (Selbstzersetzung).

Wer kennt nicht die unappetitlichen, schwarz zerfließenden Tintlinge, von denen schließlich nur noch ein tiefschwarzer, an den Gräsern klebender Brei übrig bleibt?




Auch Sabine begeistert sich für die köstlichen Schopftintlinge

»Ich habe heute eine ganze Menge Schopf-Tintlinge gefunden. Bei google war immer wieder zu lesen: »Wertloser Pilz«.

Nun war ich auf dieser Seite und habe Ihre Beurteilung zu diesem Pilz und Ihre Empfehlung gelesen, ihn zu essen. Ich habe sie mir gerade in der Pfanne zubereitet und bin echt begeistert. Danke für ihre tolle Erklärung!«

Sabine W. am 27. September 2017

Foto links: Eine kleine Waldlichtung voller Schopftintlinge.

(Archivfoto © Herbert/Pilzticker Bayern)



Ich ziehe Schopftintlinge Steinpilzen vor

Also auf zur Ernte, denn freuen darf man sich auf wahren Genuss: Schopf-Tintlinge zählen für mich zu den besten Pilzen überhaupt. Die Steinpilz-Fans mögen es mir nachsehen: Auf meiner Gourmet-Skala steht der Coprinus comatus dauerhaft vor Boletus edulis und seiner Verwandtschaft.

Soviel Ehre kommt nicht von ungefähr. Vergessen wir nicht: Dass Schopf-Tintlinge keine Marktpilze sind, liegt an nichts anderem als an ihrer schnellen Verderblichkeit. Im übrigen sind sie inzwischen als Pilzbrut im Handel erhältlich.

Und nicht nur in dieser Form. Das Pulver des Schopftintlings hält mit dem der besten Speisepilze mit und veredelt nahezu jedes Pilzgericht, vor allem Pfannengerichte. Da diese Pilze außerdem günstig auf den Blutzuckerspiegel einwirken, werden sie immer öfter auch als Heil- bzw. Vitalpilze gehandelt. Im Handel setzt sich zunehmend der Name Coprinus durch. Kapseln mit Coprinus-Pulver gibt es hier.

Wenn ich sie esse, weigere ich mich standhaft, sie auch nur mit geringster Beigabe geschmacklich zu behelligen. Pfeffer und Salz bleiben ihnen fern.

Leicht angeröstet, betört dieser Pilz mit angenehm milder und verblüffenderweise gleichzeitig kräftiger Note, in der unzeifelhaft ein Hauch von Spargel mitschwingt. Das trug ihm den volkstümlichen Namen "Spargelpilz" ein. Mit einem feinen Holzspieß direkt aus der Pfanne in den Mund: es ist das pure Schlaraffenland.

Völlig zurecht erhält er auf der Seite 123pilze.de die Schulnote 1.





Seine Stiele ergeben ein herrlich würziges Pilzpulver


Achtung! Beim Schopf-Tintling können bei gleichzeitigem oder nachfolgendem Alkoholgenuss vereinzelt leichte Vergiftungen auftreten. Es beschränkt sich allerdings fast immer auf relativ harmloses Unwohlsein. Bei Glimmertintlingen wirkt sich Alkoholverzehr schon heftiger aus, bei den tückischen Faltentintlingen plus Alkohol sind schwere Vergiftungen garantiert.

Der Schopf-Tintling ist ein "zivilisierter" Pilz. Er bietet sich uns auf Fettwiesen, an Wegrändern, in Gärten und Parks an. Und das - ein dreifach Hoch dem edlen Leckerbissen! - beinahe acht Monate im Jahr.


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