Der Karbolegerling: Ein giftiger Unschulds-
engel im oftmals blütenweißen Gewand



Der Karbolegerling oder Karbolchampignon

(Im Deutschen meinen die Gattungsnamen Champignon und Egerling das Gleiche und sind austauschbar)


Klasse: Agaricomycetes

UnterklasseAgaricomycetidae

Ordnung: Champignonartige oder Egerlingsartige (Agaricales)

Familie: Champignonverwandte oder Egerlingsverwandte (Agaricaceae)

Gattung: Champignons oder Egerlinge (Agaricus)

Art: Karbolchampignon oder -egerling (Agaricus xanthodérmus)


Foto: Die chromgelb angelaufenen Schnittstellen nahe der Stielbasis verraten den Übeltäter. Der Vorgang der Verfärbung ist schnell und deutlich. 




Der Karbolchampignon lockt uns gerne als blütenweißer Unschuldsengel. Geradezu so, als sei er ein köstlicher Weißer Anischampignon (Agaricus arvensis) oder ein Dünnfleischiger Anischampignon (Agaricus silvicola). Doch spätestens beim Braten oder Kochen sollten wir misstrauisch werden: widerliche Düfte nach Karbolgas oder Eisengallustinte steigen auf. 

So ist einmal eine üppige Pfanne, die meine Mutter in heller Vorfreude auf vermeintliche Anisegerlinge briet, unversehens auf unserem Misthaufen neben dem Hühnerwiem gelandet. Noch am nächsten Tag stank die Küche nach Karbolgas.


Foto: In aller Regel haben Karbolegerlinge einen hängenden Ring, den man noch oben verschieben kann. Hier ist er besonders stark ausgeprägt. Ihre Hüte sind nicht immer reinweiß. Nicht selten findet man ihn mit bräunlichen oder graubraunen Schüppchen auf hellbraunem Grund.





Foto: Jedoch: Der Ring kann auch vergänglich sein, wie hier gut zu sehen ist. Das Foto soll auch die dicke Knolle des zylindrischen Stieles zeigen. Die Stielbasis dieses Pilzes wurde nicht angeschnitten. 






Meinen Vater hätte stutzig machen müssen, dass sie tief in einer Reihe von Schlehensträuchern direkt an einem Waldrand gestanden hatten. Denn dieser Giftchampignon wächst häufig mitten im Gesträuch oder Gebüsch, mit Vorliebe an Wegrändern. Sei es in Parks oder Gärten oder an Waldrändern, auch auf Heiden und auf waldnahen Wiesen. Gerne tritt er in größerer oder gar großer Ansammlung auf, was uns noch begieriger macht. Eher sollte uns sein geselliges Auftreten aber ein Warnzeichen sein! 

Trotzdem wird er häufig geerntet und sorgt sodann für unerfreuliche Stunden auf dem WC. 


  • Es gibt ein gutes Bestimmungsmerkmal: Bei Schnitt an der Knolle beziehungsweise an der Stielbasis läuft der Karbolegerling rasch chromgelb an; am restlichen Stiel deutlich schwächer. Die gilbende Fläche geht bald ins Rötliche über, wird aber bei Druck oder erneutem Schnitt wiederum chromgelb.
  • Die essbaren Anisegerlinge gilben hingegen schwächer und langsamer, und zwar deutlicher am Hut und eher an der aufgeritzten Stieloberfläche als am Querschnitt des Stieles; an der Stielbasis gilben sie nur ganz schwach. Insgesamt gilben sie am gesamten Fruchtkörper in fast der gleichen Stärke. 


Foto: Wenn uns Champignons verlockend gehäuft auf engem Raum und zudem noch direkt neben dem Weg begegnen, ist Vorsicht geboten. Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Karbolegerlinge handelt, ist dann besonders groß. Oft aber wachsen sie in Parks auch mitten auf einer Wiese, ohne dass auch nur ein Baum oder Strauch in der Nähe wäre. 







Der Karbolchampignon ist nicht tödlich giftig, löst aber heftige Darm- und Magenbeschwerden aus, mitunter auch Sehstörungen und Schwindel. Verantwortlich dafür ist das in der Natur relativ seltene Phenol.

Es entsteht erst durch den Erhitzungsprozess, weshalb die Pilze auch erst beim Braten oder Kochen ihren intensiven abstoßenden Gestank verbreiten. Um seinen Gestank und damit sein Kennzeichen als Giftpilz hervorzulocken, reicht es meist schon, einen Karbolegerling auf einer kleinen Alu-Folie auf einer Heizung testhalber aufzuwärmen. 

Im Umkehrschluss folgern wir, dass frische Karbolchampignons oft nur ganz flüchtig oder überhaupt nicht nach Karbol riechen. Der Geruchstest kann, muss aber kein sicheres Bestimmungsmerkmal sein.

Ökologie: Der Karbolegerling wächst von Mai bis Oktober in Parkanlagen und Wäldern sowie auf Friedhöfen, und zwar gerne in zwei bis drei erkennbaren Schüben. 

(4 Fotos © passion-pilze-sammeln.com)


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