Köstlicher Kultpilz Maerzellerling: Keiner kennt ihn so gut wie Armando Hübscher
"Nasse Wintermonate, mäßiger Frost und Trockenheit bei der Fruchtkörperbildung fördern sein Wachstum"
Es gibt wohl kaum einen Pilzfreund, der sich beim Maerzellerling (Hygrophorus marzuolus) so tiefgründig auskennt wie der Schweizer Armando Hübscher (Foto privat), geboren 1946. „Für mich ist der Maerzellerling der grösste unter den Pilzen, weil er sich nur sehr schwer finden lässt“, sagt er. Ein Satz, wie in Stein gemeißelt, eine Aussage, die auf den tendenziellen Kultstatus dieses Pilzes hindeutet. Wenn der Winter an schattigen Waldstellen seine letzten Schneestreifen zurücklässt, locken bereits die ersten köstlichen Pilze der Saison: Märzellerlinge oder auch Märzschnecklinge heißen sie. Diese Frühaufsteher unter den Speisepilzen spielen mindestens so gut Versteck wie die Morcheln. Sie passen sich dem Waldboden unerhört gut an. Erst einmal der Erde entwachsen, befindet sich der Märzellerling bereits im Spätstadium. Kenner wie Armando Hübscher – er sucht Märzellerlinge seit mehr als 25 Jahren - kommen ihm deutlich früher auf die Spur: Eingeweiht in ihre Standorte, erkennen sie die Pilze bereits unter unscheinbaren Erdbuckeln. Die Erhebungen verraten, ganz diskret, die typischen Nester des Märzschnecklings.
Hübscher sagt: „Auch wenn der Platz bekannt ist und man nur einen Meter vom Standort entfernt steht, sieht man diesen Pilz nicht, wenn man nicht die Erfahrung hat und weiß, auf was man genau zu achten hat.“
Das ist typisch für den Märzellerling: Kraftvoll schiebt der Pilz Erdreich und alles, was sonst noch auf seinem Hut lastet, nach oben (Foto © Hans Valda)
Die Akte "Märzellerling" von Armando Hübscher
Im Verlaufe vieler Jahre hat Armando Hübscher folgende Erkenntnisse gewonnen, die deutlich über die vorliegende Fachliteratur hinausgehen: „Das Vorkommen der von mir beobachteten Märzschnecklinge beschränkte sich vor 25 Jahren auf rund einen Hektar (1000 Quadratmeter) und ist heute auf eine Fläche von 20 Hektar (200000 Quadratmeter) angewachsen. Der Boden ist stark lehmhaltig, feucht und von Kalksteinen durchsetzt, nordseitig, 800 Meter üNN. Baumbewuchs: 40% Weißtannen, 30% Rottannen, 30% Laubbäume, darunter 20% Birken und 10% Buchen. Alter der Waldflora von Jungholz bis zu 70 Jahre alte Bäume. Hasen verbreiten den Märzellerling Die Pilze wachsen zwischen 300 und 1000 Metern Höhe fast ausschließlich an Nordhängen. Sie mögen keine Sonneneinstrahlung. Sie kommen ausschließlich auf von Tannennadeln (Weißtanne) übersätem sauberem Boden ohne Gras oder mit nur äußerst spärlichem niedrigem Wildwuchs vor.
Anmerkung: Der Maerzellerling wächst problemlos und häufig auch in höheren Lagen, nachgewiesen bis 1902m ü. N. N. (südl. Schweiz). Auffallend kommen auch Föhren als Begleiter vor Im Jungwald erscheint der Maerzellerling cirka drei Wochen später als im Altwald. Je nach Winter fruktifiziert er ab Ende Februar bis Anfang Mai. Ich kann heute mit Bestimmtheit sagen, dass die Verbreitung ausschließlich durch die Hasen erfolgte. Die Hasen sind es auch, die durch ihre Aktivität der Nahrungssuche unter dem Boden verborgene Exemplare sichtbar machen.“

Auch das ist charakteristisch für den Märzschneckling: Er ist graphitgrau und wächst mit Vorliebe in Nestern (Foto © Hans Valda)
Warum der Märzellerling manchmal ausbleibt Beschaffenheit und Verlauf des Winters tragen maßgeblich dazu bei, die Fruchtkörper früher, später oder gar nicht an die Oberfläche zu bringen. Trockene, kalte, kurze Wintermonate lassen den Fruchtkörper lange im Boden und nur selten treten die Fruchtkörper an die Oberfläche. Hasen graben danach und zeigen die Plätze.

Ein Märzellerling passt sich mit seinem unscheinbaren Grau schon beachtlich den noch frühlingsblassen Farben der Umgebung an.
Trockene, kalte, lange Wintermonate lassen die Fruchtkörper im Boden. Sie bleiben aus. Man beachte aber, dass die Fruchtkörper ca. fünf bis 15 Zentimeter tief im Boden voll ausgebildet sind und die Verwesung im lehmigen Boden sehr langsam vonstatten geht. Kalte Wintermonate mit lange liegen bleibender Schneedecke lassen die Fruchtkörper schon früh unter dem Schnee hervorkommen. Sie verfaulen sofort nach der Schneeschmelze.

Wer hätte diesen im Erdreich nahezu unauffindbaren Märzellerling entdeckt? Auch der ausgewiesene Spezialist Hübscher benötigte zu Funden wie diesem - der Pilz verbirgt sich rechts von den Blättern über dem Fichtenzweig - jahrelange Erfahrung.
Bei nassen Wintermonaten mit wenig Schnee und kaum Frost wachsen die Fruchtkörper mindestens zwei Wochen vor der üblichen Zeit und meist komplett aus dem Boden. In dieser Zeit gibt es sehr große Exemplare, die bis zu 400 Gramm wiegen. Meist sind sie büschelig zusammengewachsen. Wenn es in dieser Zeit stark zu regnen beginnt, brechen die Fruchtkörper sofort ein und binnen nur eines Tages beginnt der Verfaulungsprozess.
Nasse Wintermonate mit nur mäßigem Frost und Trockenperioden in dem Stadium, da der Fruchtkörper aus dem Boden treibt, lassen über einen Monat lang stets neue Fruchtkörper erscheinen. Sie wachsen sehr gut nach und werden nur selten von Maden befallen. Solche Jahre ermöglichen ergiebige Funde.
Gleich auf ein ganzes Nest von Maerzellerlingen ist Armando Hübscher hier gestoßen (3 Fotos © Fam. Hübscher, privat)
Und noch etwas hat Armando Hübscher herausgefunden: Dass nämlich der Schwarzfaserige Ritterling (Tricholoma portentosum) ausschließlich genau dort vorkommt, wo Märzellerlinge wachsen. Anmerkung: Beide Pilze mögen die gleichen Baumbegleiter, den gleichen basischen (niemals sauren!) ph-Wert und gleiche klimatische Verhältnisse. Das heißt jedoch nicht, dass, wo der eine wächst, zwangsläufig auch der andere sein muss. Das Natur- und Artenschutzgesetz verbietet seit geraumer Zeit, Märzellerlinge zu sammeln. Armando Hübscher, der mit der Natur von jung auf sehr verbunden ist, hält sich daran und bittet auch die Leser dieser Website, den seltenen Maerzellerling zu schützen, um ihm die Möglichkeit zur Fortpflanzung zu geben.
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