Wo Morcheln wachsen: Über Zeigerpflanzen,
Kalkgehalt und den Säuregrad des Bodens



(Wo Morcheln wachsen)

Liebe Pilzfreunde,

wohl wegen der fantastischen Morchelfunde vor allem im Breisgau und im Raum Karlsruhe in diesem Jahr erhielt ich immer wieder Anfragen von Rat suchenden Pilzfreunden. Sie beklagten, dass sie trotz intensiver Suche keine Morcheln finden würden. Für sie, aber durchaus auch für bereits erfolgreiche Morchelfans dürfte dieser Report besonders hilfreich sein. Er basiert auf eigenen Erfahrungen, aber auch auf modernem Wissen von Fachleuten.

Für eine erfolgreiche Morchelsuche gibt es zwei wichtige Grundregeln.

Diese zwei Grundregeln  betreffen den Säuregrad des Bodens. Denn Morchelwachstum hängt sehr stark vom Säuregehalt des Bodens ab. Der Säuregrad, abhängig von der Anzahl aktiver Wasserstoffionen, wird in einer Skala von 1 bis 14 pH angegeben; pH steht für pondus hydrogenii und heißt soviel wie Gewicht des Wasserstoffs. Der ph-Wert gibt also die Konzentration von Wasserstoffionen in einer wässrigen Lösung an.

Dieser Hintergrund, der in vielen Pilzbestimmungsbüchern vernachlässigt oder ganz weggelassen wird, ist für die Morchelsuche sehr wichtig. Denn wir können mit Bestimmtheit sagen:


1. Spitzmorcheln (März bis Mai) wachsen auf sauren Böden (pH < 6,5)

2. Speise- und Käppchenmorcheln (April bis Mai) wachsen auf neutralen (pH 6,5 – 7,0) bis alkalischen (basischen) Böden (pH > 7,0)


Zwar gibt es Abweichungen von diesen Regeln, die aber marginal sind und an denen wir uns nicht orientieren müssen.

Jetzt kommt der Kalk ins Spiel. Verbrauch von Kalk im Boden geht einher mit zunehmender Versauerung. Alle Böden neigen unter Nässeeinfluss zum Kalkabbau, also zur allmählichen Versauerung.





Foto rechts: Speisemorcheln sind Bodenfolgezersetzer, die alkalische/basische und kalkhaltige Böden mögen. Vernachlässigte oder aufgegebene Streuobstwiesen mit alten Obstbäumen, besonders Apfelbäumen, stehen bei ihnen hoch im Kurs. (Foto © Oliver)

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Die Bodenart beim Forstamt erfragen

Saure Böden, also Böden mit einem pH-Wert kleiner als 6,5, finden wir meist über Granit, Gneis, Grauwacke, Sandstein, Porphyr, Silikatsand, Torf, Quarzit u.a.

Neutrale Böden (pH-Wert zwischen 6,5 bis 7) finden wir als Basalt-, Auelehm- oder Tonschieferböden.

Alkalische/basische Böden (pH-Wert großer als 7,0) finden wir bei Löss, Kalkstein, Mergel, Kreide, Dolomit und bestimmten Tonen.

Man kann die Bodenart von Wäldern oder Waldgebieten beim örtlichen Forstamt erfragen!


Säuregehalt des Waldbodens selbst messen

Den Säuregrad eines Bodens kann man mit Hilfe von Indikatorpapier (Lakmusstreifen) auch selbst bestimmen. Das ist nicht schwer. Das Papier gibt es in der Apotheke zu kaufen. Man  verrührt etwas Boden in destilliertem Wasser. Testpapier ins Wasser tauchen, Reaktion an der Farb- bzw. pH-Skala ablesen.

Man kann aber auch die Zeigerpflanzen im potentiellen Suchgebiet bestimmen. Zeigerpflanzen geben Aufschluss darüber, ob ein Boden sauer oder alkalisch bzw. basisch ist. Zeigerpflanzen sind deshalb sehr wichtig für unsere Morchelsuche.


Zeigerpflanzen für Spitzmorcheln sind:


Besenheide, Fingerhut, Heidekraut, Geschlängelte Schmiele, Heidelbeere, Preiselbeere, Rotstängelmoos, Sphagnum, Sternchenmoos und Wacholder

(Diese Pflanzen zeigen z. B. auch Maronenröhrlinge, Sandröhrlinge, Kuhröhrlinge, Trompetenpfifferlinge und Frostschnecklinge an.)





Foto rechts: Spitzmorcheln wachsen auf sauren Böden und haben in naturnahen Wäldern eine enge Anbindung an Fichten. Sie wachsen in deren Streu: gehäckselte Rinde und Äste sowie Nadeln. Stimmt der Säuregehalt des Bodens, können sie aber auch unter Laubbäumen vorkommen. Das ist aber deutlich seltener der Fall.

Welche Feinstoffe genau für ihr Wachstum erforderlich sind, wissen bislang nur die Chinesen. Einem Wissenschaftler ist es gelungen, eine Pilzbrut aus organischer Substanz und dem Spitzmorchelmyzel herzustellen. Mehr dazu hier. (Foto © Jürgen S.)

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Wir suchen Spitzmorcheln also in »sauren« Bodenbereichen, und zwar bevorzugt an licht- und sonnenbegünstigten Flächen und Wegrändern (siehe Foto!), im Traufbereich der Bäume, d. h. bis zum Bereich der am weitesten vom Stamm entfernten Astspitzen eines Baumes, an Ruderalplätzen (lat. rudus = Schutt), gestörten, aufgeriebenen Bodenzonen, Holzlagerplätzen, an Rändern der Fahrspuren von Forstwegen. Häksel- und mulchartige obere Streuschichten begünstigen unseren Erfolg.




Zeigerpflanzen für Speise- und Käppchenmorcheln sind:

Aronstab, Bärlauch, Bingelkraut, Buschwindröschen, Gelbes Windröschen, Lärchensporn, Lungenkraut, Maiglöckchen, Märzenbecher, Seidelbast, Waldmeister, Weißdorn und Wiesenschlüsselblume

(Diese Pflanzen zeigen auch Satanspilze, Knoblauchschwindlinge, Schweinsohren, Spechttintlinge, Ziegelrote Risspilze, Fransige Wulstlinge, Brätlinge, Mönchsköpfe und Herkuleskeulen an). 


Foto: Dieses Foto mit drei überständigen Speisemorcheln machte Oliver vom Pilz-Ticker-Baden-Württemberg in einem Auwald am Rhein. Nicht in jedem Auwald wachsen Speisemorcheln, aber wenn, wie hier, (junge) Eschen mit im Spiel sind, stehen die Chancen, Speisemorcheln zu finden, besonders gut. Auch Sandböden in Flussnähe sind ein gutes Areal für sie. (Foto © Oliver)

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Speise- und Käppchenmorcheln suchen wir in neutralen bis alkalischen/basischen Bodenbereichen, vorzugsweise in Auwäldern. Aber auch in Mischwäldern, bei denen stets Eschen mit im Spiel sein sollten. Auch kleinere Waldstücke, vor allem im Uferbereich von Bächen oder Gräben, kommen in Betracht, genau so wie Eschen entlang einer Straße. Mischen sich noch Weißdornsträucher mit ein, so stehen Speise- und Käppchenmorcheln nicht selten einträchtig beieinander. Und die gute alte ungedüngte, sich selbst überlassene Streuobstwiese kann sogar zum Paradies für Speise- und Käppchenmorcheln werden. Das gilt ebenso für vernachlässigte (Vor-)Gärten mit alten Obstbäumen.

Hat man einmal einen Morchelplatz entdeckt, sollte man ihn etwa alle drei Tage kontrollieren. Das Wachstum an einem Platz hält etwa zwei bis drei Wochen an. Während dieser Zeit sollte man den Platz gegen Konkurrenten verteidigen, also regelmäßig alle paar Tage nach dem Rechten sehen. Danach sind die Morcheln durch und man muss bis zum nächsten Jahr warten.

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