Welcher Pilz ist das? Lob eines
ausgezeichneten Pilzlexikons







Welcher Pilz ist das? Extra: Pilze und ihre Baumpartner“ heißt ein 400 Seiten starkes Nachschlagewerk für Pilze aus der Reihe „Kosmos Naturführer“. Der Schweizer Pilzexperte Markus Flück hat es geschrieben. Er ist ein Praktiker: seit 25 Jahren führt er Pilzkontrollen für mehrere Gemeinden durch, veranstaltet er Pilzseminare. Nahezu alle 270 vorgestellten Pilze hat er selbst fotografiert.




Ein Buch, das in keinem Haushalt eines Pilzfreundes fehlen sollte: Markus Flück: Welcher Pilz ist das? Extra: Pilze und ihre Baumpartner, Stuttgart 2009, Reihe KosmosNaturführer. ISBN-10: 3440115615; ISBN-13: 978-3-440-11561-9. 400 Seiten, Größe 19,2 x 13,4 x 2,8 cm. Preis: 14,95 Euro








Die ersten vier Seiten sind die wichtigsten!

Ganz bewusst stelle ich bei diesem Buch das Konzept in den Mittelpunkt. Das Werk besticht nämlich durch seine überzeugende Systematik. Wer die folgenden Absätze sorgsam liest, kann sich die Basis für eine hervorragende Pilzkenntnis schaffen.

Sobald man nur den Umschlag öffnet, deutet sich auch schon das Erfolgsgeheimnis dieses Buches an: Es ist der „Schlüssel zum Bestimmen der Pilzgruppen“. Damit ist Folgendes gemeint:

Das Buch unterteilt die Pilze in sieben Gruppen. In jeder einzelnen Gruppe sind die zugehörigen Pilzgattungen mit eingängigen Illustrationen (bis zu 14) dargestellt. Jeder Gruppe wird ein Farbbalken von Tiefrot bis Flieder zugeordnet.

Ein Beispiel: Die kräftig orangefarbene Gruppe „Hutunterseite mit Lamellen – Lamellen hell, deutlich entfernt stehend, wachsartig und biegsam“ umfasst die Gattungen Schnecklinge, Ellerlinge und Saftlinge. Die siebente Gruppe ist eine Sammelgruppe: Sie umfasst die „Pilze, die nicht in den vorangegangenen Gruppen einzuordnen sind." Dazu zählen beispielsweise Morcheln und Becherlinge, Porlinge und Stachelinge.




Die Farben der einzelnen Gruppen werden im Porträtteil der Pilze (ab Seite 100) im Vorderschnitt, also an der Längsschnittkante, auch beim zugeschlagenen Buch gut sichtbar wieder aufgefangen.

In der Praxis heißt das: Sobald man einen unbekannten Pilz im Wald einer der sieben Gruppen zuordnen kann, ist man in der Lage, den Pilz in der gruppenspezifischen Farbe im Porträtteil zu suchen und zu finden.

Ein unentbehrlicher Helfer, einen unbekannten Pilz auch der richtigen Gruppe zuzuordnen, verbirgt sich in der aufschlagbaren vorderen Innenklappe. Hier werden nämlich die feinen Bestimmungsmerkmale illustratorisch dargestellt.

Das sind im Einzelnen „Hutform“, „Hutoberfläche“, „Hutrand“, „Lamellenform“, „Ring, Manschette“, „Knolle (Stielbasis)“, „Stielform“, „Stiellängsschnitt“, „Stieloberfläche“, „Lamellenschneide“ und „Lamellenhaltung“.

Wer Pilze in ihrer Vielfalt suchen will, wird das große Plus von „Welcher Pilz ist das?“ auf den ersten vier Seiten des Buches, also im Illustrationsteil, erkennen. Geht er nach diesem Schlüssel vor, so wird er sich einen bedeutenden Teil des Pilzreiches selbständig erarbeiten können.


Weitere Vorzüge des Buches

In den Kapiteln im ersten Teil des Buches werden u.a. die Lebensweisen der Pilze geschildert. Wichtige Schlagwörter wie Mykorrhiza (ektotroph, endotroph und Mischformen), Saprobiont, Parasit und Coprophile Pilze (auf Dung oder Mist wachsend) werden erörtert.

23 Seiten lang ist das Kapitel "Pilze und ihre Baumpartner". Folgende Bäume (textlich und fotografisch) werden mit ihren Pilzpartnern aufgeführt: Fichte, Weißtanne, Waldkiefer (Föhre), Zirbelkiefer (Arve), Europäische Lärche, Stieleiche, Rotbuche, Hainbuche, Esche, Hängebirke, Espe (Zitterpappel).

Für uns Praktiker von Wert sind auch die zwei Seiten „Wo findet man Pilze?“ Wer weiß schon, welche Pilze Kuh- oder Pferdemist mögen?

Neben grundlegenden Kapiteln, etwa „Wie Pilze gebaut sind“ oder „Wie Pilze wachsen“, stößt man auch auf ein ebenso spannendes wie selten erörtertesThema wie „Pilze und Tiere“. Kaum minder interessant ist es, über „Nützliche und schädliche Pilze“ zu lesen (Stichwörter: Heilpilze, Medizinpilze), über die „Radioaktivität in Pilzen“ oder, natürlich, über „Pilzgifte“ und „Giftpilze“.

Auch fehlt es nicht an Tipps für die Sammelpraxis, die Zubereitung, das Konservieren. Sogar einen Pilzjahreskalender gibt es.

Im Porträtteil bietet die Charakteristik der einzeln beschriebenen Pilze ein wohltariertes Maß an Informationen. Die Typologie ist knapp, jedoch sehr präzise; im Unterpunkt „Wissenswertes“ stoßen wir auf so manch Unbekanntes, gar Überraschendes.

Eine besondere Erwähnung verdient die hohe fotografische Qualität des Buches. Nahezu alle Bilder zeigen die Pilze auch von ihrer Unterseite sowie mit dem stets sehr bedacht dem Erdreich entnommenen Stiel in voller Gänze. Die Bilder wurden nicht nach ästhetischem Aspekt, sondern ganz nach der Charakteristik des jeweiligen Pilzes aufgenommen. Und das mit hohem fotografischen Können.




Geringe terminologische Schwächen

Das Buch Welcher Pilz ist das? ist so überzeugend, dass es beinahe ein schlechtes Gewissen macht, auf Schwächen überhaupt einzugehen. Sie sind klitzeklein und begrifflicher Natur.

Der Behangene Faserling, ein vorzüglicher Suppenpilz, heißt in Mittel- und Norddeutschland häufig „Lilablättriger Mürbling“, ein gängiges Synonym, das im Buch fehlt. Es ist dies einmal mehr ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, die lateinischen Namen der Pilze zu lernen. In diesem Falle Psathyrella candolleana.

Desgleichen beim hier „Großer“ Mehlräsling genannten guten Speisepilz. Bei Michael/Hennig/Kreisel firmiert er schlicht unter „Mehlräsling“; auch das Register des „Taschenlexikons der Pilze Deutschlands“ führt ihn ohne Attribut auf. Wie wichtig, ihn deshalb unter Clitopilus prunulus zu kennen.

Generell problematisch ist eine exakte Morchel-Benennung. Zu vielgestaltig und vielfarbig sind diese Meister der Mimikry. Ob die Bezeichnung „Mai-Morchel“ für Morchella esculenta als Abgrenzung zur „Gewöhnlichen“ oder „Speisemorchel“ (M. esculenta var. vulgaris) sinnvoll oder gar vonnöten ist, erscheint fraglich. Zumal auch letztere im Mai ihren stärksten Monat hat.

Fazit

Den passionierten Pilzsammler und Lernbegierigen werden die kleinen terminologischen Schwächen kaum stören. Als lexikalische Grundausstattung ist Welcher Pilz ist das? wegen seiner Anschaulichkeit ein Muss für jeden Pilzsammler. Und zwar im Wald und als häusliches Lern- und Lesebuch. Dafür gibt es unangefochten die

Note 1


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Allen Pilz- und Naturfreunden eine schöne Adventszeit

(Foto © Fotolia)

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