Pilzticker Bawue 162: Pilzfunde in Baden-
Wuerttemberg vom 23.12.2018 - 28.12.2018



Pilzticker Bawue 162




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Ein winziger Frischling jagte Michael durch sein Kronauer Winterrüblingsrevier


Foto: Nach erfolgreicher Flucht vor dem Frischling lud Michael gute Freunde zum Jahresausklangsschmaus ein. Es gab Argentinisches Roastbeef mit gebratenen Austernpilzen, Grünem Spargel und Quinoarisotto an der selbst kreierten Feigen-Portwein-Reduktion. (2 Fotos © Michael)

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Michael schreibt am 28. Dezember 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

nun kommt doch noch ein Bericht von mir vor dem Jahresende.

Ich suchte bei Kronau meine Winterrüblingsplätze auf und fand wieder sehr viele Pilze in gefrorenem Zustand. Ihnen gesellten sich noch Austernpilze, Judasohren und Rotbraune Zitterlinge hinzu.

Im Wald hatte ich dann noch eine denkwürdige Begegnung. Ich war gerade dabei, Samtfüße von einem Stubben zu schneiden, als ich ein verhaltenes Grunzen vernahm. Ich stand sofort auf, schaute ringsum, sah jedoch nichts. Plötzlich rannte etwas Winziges auf mich zu. Weil seine Farben gut dem Wald und Boden angepasst waren, konnte ich das Tier nicht erkennen.

Ich hielt es tatsächlich erst für einen grunzenden Hasen. Gibt es sowas? Bis ich einen Frischling erkannte. Damit war höchste Gefahr im Verzug: die Bache würde mit Sicherheit in der Nähe sein. Schnurstracks machte ich mich auf und davon.

Doch der Kleine folgte mir permanent, ließ sich einfach nicht abhängen. Obwohl ich immer schneller wurde. Obwohl das eine nicht ungefährliche Situation war, musste ich beim Weglaufen herzhaft lachen, es war einfach grotesk und urkomisch, von solch einem grunzenden Miniwildschwein »gejagt« zu werden. Wenn das wer gesehen hätte! Nach kurzer Strecke habe ich ihn dann abhängen können.

Heute kochte ich dann zur Feier des Tages für mich und einige sehr gute Freunde Argentinisches Roastbeef mit gebratenen Austernseitlingen, Grünem Spargel und Quinoarisotto an meiner Feigen-Portwein-Reduktion. Ich habe alles wieder frei Schnauze gekocht.

Viele Grüße Michael«

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Foto: Diese Winterrüblinge konnte Michael noch retten, bevor ihn der junge Frischling aus seinem Pilzrevier vertrieb.

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Landkreis Konstanz: Saskias erste Gehversuche im neu entdeckten Revier der Seitlinge


Foto: Es sind eher Lungenseitlinge denn Austernpilze, und das im schon weit fortgeschrittenen Wachstumsstadium. Eine gute Entscheidungshilfe, ob sie noch verwertbar sind, ist die Frage: Würde ich für diese Pilze auf dem Markt noch Geld ausgeben? (2 Fotos © Saskia)

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Saskia schreibt am 27. Dezember 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

heute ging ich im Landkreis Konstanz wieder auf die Suche nach Austernseitlingen. Der Wille, diese besonderen Pilze erstmals zu finden, ließ mir keine Ruhe. Trotz erneut  gründlich aufgeräumter Wälder wurde ich tatsächlich endlich fündig, und das gleich mehrmals.

Ich fand sie sowohl am Baumstumpf als auch am Stamm in luftiger Höhe. Mitgenommen habe ich jedoch noch nichts, ich werde mir erst einen Stecken mit Spachtel basteln, so ähnlich wie es Karl Berchtold aus Gauting gemacht hat. Hoffentlich kommt dabei, zusammen mit den Austernseitlingen in Bodennähe, eine insgesamt gute Portion heraus. Ich bin schon ganz gespannt auf den Geschmack.

Leider kann ich als Neuling nirgendwo Informationen finden, bis zu welcher Größe die Austernpilze in etwa noch als genießbar gelten. Gibt es hierzu eine ungefähre Richtlinie?

An einer Uralt-Buche entdeckte ich außerdem weit oben ein ziegelartiges Nest von recht großen Pilzen, die allesamt eine starke Orangefärbung aufwiesen, siehe das Foto rechts. Leider befanden sich die Pilze in zu luftiger Höhe, als dass ich sie genauer hätte betrachten können. Ob das ebenfalls eine Farbvariante der Austernseitlinge war?! Sehr schön anzusehen waren die orangenen Ziegel allemal. 

Viele Grüße aus dem Landkreis Konstanz, Saskia«

Hallo Saskia,

zur maximalen Größe noch genießbarer Austernseitlinge kann man keine Angaben machen. Sie können sowohl klein als auch groß schon überständig, also nicht mehr verwertbar sein. Deine am Baumstumpf fotografierten Pilze (siehe Foto oben), die eher Lungenseitlinge sind, halte ich hinsichtlich der Verwertbarkeit bereits für grenzwertig.

Deine organgefarbenen »Ziegel« sind, soweit erkennbar, Orangeseitlinge, mit deutlich geringerer Wahrscheinlichkeit auch stark überständige Lungenseitlinge.

Herzliche Grüße Heinz-Wilhelm

Blau = ungenießbar

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Frische Pfifferlinge für das Festessen zu Weihnachten aus den Karlsruher und Kraichgauer Wäldern


Markus schreibt am 25. Dezember 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

an Heiligabend habe ich noch ein Kistchen Winterpilze aus dem Wald geholt. Es waren die üblichen Verdächtigen, Austern- und Lungenseitlinge sowie Samtfußrüblinge.

Viel interessanter sind jedoch die frischen Pfifferlinge (erstes Foto rechts) die es vereinzelt gibt. Hie und da findet sich ein Nest mit zwei oder drei Exemplaren. Der viele Regen treibt sie wohl heraus. Ein paar fand ich auch im Kraichgau unter Buchen, wo ich niemals zuvor auch nur einen Pfifferling gesehen habe.

Dennoch sind Pfifferlingsfunde so spät im Jahr nicht völlig außergewöhnlich. Vor einigen Jahren hatten wir einen sehr milden und regnerischen Dezember, in dem ich am 23. Dezember kiloweise Riesenpfifferlinge sammeln konnte, die zum Teil größer als meine Hand waren.

Außerdem wachsen derzeit frische Stockschwämmchen (zweites Foto rechts) der eine oder andere Violette Rötelritterling und Riesenschirmling sowie Unmengen an Falschen Pfifferlingen und Nebelkappen.

Noch immer sieht es nicht danach aus, dass die Wachstumsphase von Seitlingen und Rüblingen zu Ende geht. 

Viele Grüße, Markus«

(3 Fotos © Markus)

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Foto: Samtfußrüblinge, Austernseitlinge und Lungenseitlinge (rechts) sind auf diesem Foto zu sehen. Markus rechnet auch für die nächsten Tage mit ihrem Wachstum.






Karlsruhe: »Dieser wunderbare Pilzmonat ist ideal für Winterrüblinge, Austern- und Lungenseitlinge«


Markus und Thomas schreiben am 23. Dezember 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

es gibt weiterhin sehr viele Seitlinge und Samtfußrüblinge bei uns in der Karlsruher Gegend.

Heute sende ich einige Fotos mit Lungenseitlingen, gut zu erkennen an der in braunen Tönen variierenden Färbung. Sie sind roh etwas wässriger, unterscheiden sich aber nach dem Dünsten oder Braten kaum vom Austerseitling. Beide sind erstklassig im Geschmack.

Auf dem zweiten Foto rechts sind Austernseitlinge direkt unterhalb von Gelbstieligen Muschelseitlingen zu sehen. Man erkennt bei Muschelseitlingen die signifikante Farbverschiebung zum Grünen, im Gegensatz zu den Blau- und Grautönen beim Austernseitling.

Mein Bruder gefriert Samtfußrüblinge gerne ein, um sie später einer feinen Suppe zuzugeben. Sehen sie auf dem ersten Foto rechts nicht ausgesprochen appetitlich aus? 

Bei milden Temperaturen ist für unsere Region weiterhin viel Regen angesagt. Dieser wunderbare Pilzmonat ist noch nicht vorbei. Wir werden weiter sammeln!

Schöne Weihnachten an alle Leser des Pilztickers!

Thomas und Markus«

(4 Fotos © Thomas)

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2 Fotos: Hier geht es um die Farbunterschiede: Auf dem Foto links sehen wir links oben bei den großen Pilzen in gut erkennbaren Brauntönen Lungenseitlinge, während die restlichen (kleineren) Pilze mit den graublauen Farbtönen Austernseitlinge sind. Rechts das Bild zeigt - in verschiedenen Brauntönen - ausschließlich Lungenseitlinge.


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