Waldzerstoerung und Waldsterben 4:
Pilzfreunde klagen an

Leserpost ab 08/2023



Waldzerstoerung und Waldsterben 4




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Waldzerstörung und Waldsterben 3: Leserpost von 08/2022 - 05/2023




††† Der Hardtwald steht voller toter oder todkranker Kiefern - mit ihnen verabschieden sich die Krausen Glucken †††


Tote Kiefern im Karlsruher Hardtwald; Foto © Thomas H. 24.9.23

Markus H. vom Pilzticker BaWue schreibt am 24. September 2023:

"Lieber Heinz-Wilhelm,

heute schreibe ich Dir über den traurigen Zustand unserer heimischen Wälder und die Auswirkungen auf die Pilze.

Vor sieben, acht Jahren fiel mir im Hardtwald zwischen Karlsruhe und Mannheim zum ersten Mal der Rückgang von Pfifferlingen und Krausen Glucken auf. Wo früher Pilze in Massen wuchsen, wurden sie immer seltener.

Dieser Prozess hat sich in letzter Zeit exponentiell beschleunigt und in diesem Jahr seinen Höhepunkt erreicht. Lange Zeit dachte ich, die trockenen Sommer hätten die Mycelien ausgetrocknet.

Aber als ich gestern mit meinem Bruder Thomas in der Nähe von Hockenheim in einem Kiefernwald war, in dem es früher sehr viele Krause Glucken gab, wurde uns schlagartig klar, als wir über viele Kilometer keine einzige gesunde Kiefer mehr sahen: Es muss daran liegen, dass über 90 Prozent der Kiefern abgestorben oder schwer krank sind (siehe alle 5 Fotos) und sie den Pilzen kein Wasser, keinen Zucker und keine Nährstoffe mehr liefern können.

Die Bäume können keine Photosynthese mehr betreiben und kein Wasser mehr über Wurzeln und Rinde transportieren. Und mit den Bäumen sterben auch die Pilze. Wo früher an Tagen wie gestern bei guter Bodenfeuchte und warmen Temperaturen auf wenigen hundert Metern Dutzende von Krausen Glucken standen, gibt es heute keine einzige mehr.


Lagerplatz toten und kranken Kiefernholzes; Foto Thomas H. 24.9.23

Foto: Lagerplatz von Waldkiefern. Etliche sind sichtlich von der Braunfäule heimgesucht, die die Krause Glucke in Kiefern auslöst. Andere der gesägten Stämme dürften den Vertrocknungstod gestorben sein: der Verlust der Nadeln stoppt die Photosynthese, was den Tod der Bäume bedeutet.

Waldzerstoerung und Waldsterben 4


Verendeter Kieferkrüppel; Foto Thomas H. 24.9.23
Gebrochene Kiefer; Foto Thomas H. 24.9.23

Ich hoffe, man kann auf den Fotos die fast dystopische Landschaft (= Horrorlandschaft) erkennen, die das Absterben der Bäume hinterlässt: Am Boden unter den kranken und toten Bäumen wachsen über weite Strecken nur noch die invasiven (= gebietsfremden) Kermesbeeren, unter denen nicht einmal eine Buche keimen kann. Auf den Kiefern wachsen Baumpilze, die wir früher nie gefunden haben.

Unsere gefundenen Krausen Glucken mussten wir lange suchen. Auch wenn das immer noch nach viel aussehen mag: es täuscht. Dafür, dass wir kreuz und quer im Wald suchen und 20 Kilometer laufen, ist es eine schwache Ausbeute. Und die, die wir gefunden haben, wachsen nur in den wenigen Ecken, wo es noch ein paar halbwegs gesunde Kiefern gibt.

Für die nächsten Jahre sehe ich schwarz. Keines unserer ehemals guten Gebiete ist verschont geblieben.

Auch andere Pilze sehen wir nur wenige. Wir führen das auf den katastrophalen Zustand der Wälder in der Hardt zurück.

Viele Grüße

Thomas und Markus"

(5 Fotos © Thomas H.)

Fundbilder hierzu gibt es im Pilzticker BaWue, Tageseintrag 24.9.2023

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Kieferntod im Hardtwald; Foto Thomas H. 24.9.23

Foto: Kieferntod im Hardtwald. Einige liegen bereits verendet da, der halbnackte Baum in der Bildmitte ist gebrochen und auch bereits tot. 

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††† Oberfranken: Und auf einmal ist der herrliche Steinpilzwald einfach verschwunden†††


Verschwundener Wald Stephan 2,8,23

Foto: Hier war einmal ein Wald, in dem Stephan viele Steinpilze fand. Jetzt ist er weg, es herrscht nur noch Leere und der Himmel ist groß geworden. Das Foto stammt vom 28. Juli 2023. (2 Fotos © Stephan)

Waldzerstoerung und Waldsterben 4


Stephan schreibt am 2. August 2023:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

ich war letzten Freitag das erste Mal dieses Jahr im Wald. Es hatte geregnet, es war nicht zu kalt, ich hatte Ende Juli schon immer die ersten Steinpilze gefunden.

Also auf in meinen „Hauptwald“ in Oberfranken. Leider fand ich nicht einen einzigen Steinpilz.

Auf dem Rückweg noch schnell in dem Wald gehalten, in den mich vor 40 Jahren schon meine Oma mitgenommen hatte und in den ich vor 9 Jahren erstmals meinem Junior mitgenommen hatte. Zum letzten Mal war ich dort 2017, also vor sechs Jahren, gewesen. 

Und ich traute meinen Augen nicht: Der Wald war zu großen Teilen weg, regelrecht verschwunden. Borkenkäfer, Fichtenmonokultur, heiße trockene Sommer: all das war wohl zu viel für diesen Wald.

Die zwei Fotos, die ich mitgeschickt habe, wurden vom gleichen Standort mit 6 Jahren Abstand aufgenommen, der Focus ist unterschiedlich, aber ich denke, man erkennt es. Das Bild mit dem verschwundenen Wald ist ganz aktuell, das Motiv mit dem von Steinpilzen überfüllten Korb ist von vor sechs Jahren. 

Viele Grüße aus Oberfranken und allen eine gute Pilzsaison! Und vielen Dank für diese wunderbare Seite!

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Steinpilzkorb Waldkulisse Stephan 2.8.23

Foto: Einen Korb voller Steinpilze wird Stephan hier nicht mehr finden, denn den Wald, den wir im Hintergrund noch sehen, gibt es nicht mehr. Alle sichtbaren Bäume - und noch viele, viele mehr - sind verschwunden. Dieses Foto entstand am 28. Juli 2017, also auf den Tag genau sechs Jahre vor dem Foto oben. 

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