Bunter Pilzticker 3:
Vom 01.01.2020 - 23.05.2020



Bunter Pilzticker 3




Frühere Bunte Pilzticker




Spannende Beobachtung von Stefan (Pilzticker Hessen):

Wenn eine Pilzart richtig gut wächst, dann wächst sie gleichzeitig weltweit richtig gut


Foto: Ein Prachtexemplar von einem Frauentäubling! Ronny (Pilzfreund71 bei youtube) fotografierte ihn während seines Pilzganges mit Pilzfreund Heiko am Himmelfahrtstag im Schwäbisch-Fränkischen Wald. Die sehr wohlschmeckenden Frauentäublinge haben in weiten Teilen Deutschlands dieses Jahr einen bemerkenswert starken Start in das Pilzjahr. (Foto © Ronny)

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23. Mai 2020

Liebe Pilzfreunde,

wir hatten in der Vergangenheit schon öfter feststellen können, dass manche Pilzarten sich ein, wenn nicht mehrere Jahre Pause gönnen, ehe sie wieder erscheinen. Dies können mitunter so lange Zeiträume sein, dass der Eindruck von Bedrohtsein oder gar Aussterben einer Art entsteht. Bis sie urplötzlich wieder da sind. Und zwar, und das fällt auf: deutschlandweit, ja europaweit.

Ein exzellentes Beispiel dafür war 2017 der Dottergelbe Spateling, der wegen jahrelangen Ausbleibens schon nicht mehr existent schien - und plötzlich - »wie auf Verabredung« (Pilzberater Hans-Heinrich Kunde, Ribnitz-Damgarten) - in vielen Teilen Deutschlands prächtig wuchs (siehe z. B. hier und hier).

In diesem Jahr gilt das für den überaus köstlichen Frauentäubling. Hatte es 2019 kaum einmal einen Fund gegeben, so steht er in diesem Pilzjahr wie auf Kommando da. Bislang wurden Funde aus Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen-Anhalt gemeldet.


Foto: Dottergelbe Spatelinge hat man jahrelang in deutschen Wäldern kaum einmal zu Gesicht bekommen. Bis sie 2017 plötzlich in etlichen Bundesländern kräftig wuchsen. Dieses Foto schoss der Pilzsachverständige für den Vogtlandkreis (Sachsen), Christian Olsson, allerdings am 17. September 2019. Es war der einzige im vergangenen Jahr dieser Website gemeldete Fund dieser Pilzart. (Foto © Christian Olsson)

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Das soll uns Anlass genug sein, eine interessante Beobachtung von Pilzfreund Stefan vom Pilz-Ticker Hessen zu veröffentlichen, die er uns vor einigen Tagen zugesandt hatte. Interessant deshalb, weil er seit einigen Jahren schon beobachtet: hat eine Pilzart in Deutschland ein starkes Jahr, dann auch gleichzeitig in Skandinavien und in Nordamerika. Wie auch ein schwaches Jahr einer Pilzart deckungsgleich auf den Kontinenten ist. Stefan schreibt dazu:


»Lieber Heinz-Wilhelm,

über deinen Pilzticker habe ich das Geschehen in Deutschland gut im Auge und über Instagram das Geschehen weltweit. Dazu gehören Teile Amerikas (Schwerpunkt Pennsylvania), Dänemark und Schweden, Weißrussland, Russland, Italien, Spanien, Kroatien, Österreich und die Schweiz.

Sieht man mal von ein kleineren zeitlichen Verzögerungen zwischen den einzelnen Ländern bzw. Regionen ab, so gleichen sich das Artenaufkommen und die Menge extrem stark, und das trotz völlig unterschiedlicher Wetterlagen und natürlicher Rahmenbedingungen.

So konnte ich vergangenes Jahr überall ein starkes Morchelaufkommen beobachten. Gleichzeitig konnte ich überall, außer in Amerika, mitverfolgen, wie sich die Vorkommen und Mengen an Sommersteinpilzen, Raufüßen und zum Herbst hin dann auch die der Fichtensteinpilze glichen.

Die Pfifferlinge hingegen sind 2019 in diesen Ländern überall nur wenig oder gar nicht vorgekommen - genau wie bei uns in Deutschland.

Selbiges gilt für die Morcheln in diesem Frühjahr. Es hat bei uns - verstreut - sehr früh begonnen, endete dann aber mit einem abrupten Abbruch. Nirgends konnte ich beobachten, dass es deutliche Unterschiede in Aufkommen und Mengen gab - und das trotz des sich geographisch weit erstreckenden Beobachtungsradius.

Desgleichen das diesjährige Aufkommen des Schwefelporlings (Chicken of the Woods). Das gleicht sich nämlich ebenfalls über sämtliche Ländergrenzen hinweg (auch wenn ich persönlich noch keinen gefunden habe...).

Ich finde diese weltweit beobachtbare Gleichzeitigkeit des Wachstums je einer Pilzart faszinierend und sehr spannend, denn es scheint fast so, als gäbe es eine weltweite Kommunikation unter den Pilzen und neben dem Wetter, Umwelteinflüssen, Bodenbeschaffenheit etc. noch weitere einflussreiche, rätselhafte Faktoren.

Viele liebe Grüße Stefan B.«

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Die Trockenheit und Knoblauch in Pilzgerichten in der Diskussion


Stefan schreibt am 19. April 2020:

»Hallo lieber Heinz-Wilhelm,

wie deinem Pilzticker zu entnehmen ist, wird dieses Jahr - Stand heute - wohl kein besonders starkes Morcheljahr. Selbst von Oliver, dem ungekrönten Morchelkönig vom Pilz-Ticker BaWue, kommt nichts.

Auch bei uns im Main-Kinzig-Kreis ist es knochentrocken. Was mich etwas wundert: selbst mein im Herbst angelegtes Mulchbeet, das ich auch immer mal wieder ordentlich durchwässere, bringt nicht eine einzige RiMuMo (Rindenmulchmorchel) hervor.
So bleibt nur zu hoffen, das sich die Wetterlage hinsichtlich der Trockenheit noch ändert.

Da keine Pilze zu finden sind, koche ich gerade Spargelreste von unserem Spargelbauern vor Ort aus, um daraus Fond für z.B. eine Spargelcremesuppe zu machen. Das ganze Haus duftet herrlich nach Spargel. ;-)

Ich habe vor einigen Tagen ein kleines Schmankerl aus dem Jahr 1999 von dem italienischen Pilz-Starkoch Antonio Carluccio und seiner Frau gefunden. Das Buch, wenn man dieses kurz gefasste Werk, erschienen 1999 bei Heyne, denn so nennen kann, kam gestern bei mir an.

Selbst Pilz-Starkoch Antonio Carluccio hatte es mit Knoblauch

Es ist in zweierlei Hinsicht beeindruckend:

Zum einen, welche Mengen an feinster Alba-Trüffel dort angegeben sind, z.B. für Trüffelspaghetti 85(!) Gramm fein gehobelte Alba-Trüffel. Und in Klammern dahinter: „Wer es sich leisten kann, gerne auch mehr“! ;-)

Zum anderen sind nahezu alle Rezepte mit ordentlich Knoblauch ausgewiesen. Ich musste beim Durchblättern unweigerlich an dich und Deinen Vorbehalt gegenüber Knoblauch in Pilzgerichten denken und dachte mir, dem lieben Heinz-Wilhelm würde es dabei sicher die Fußnägel hochrollen. Ein Bild von einem Steinpilzrezept schicke ich dir mal mit (2. Foto rechts).

Selbst der große Meister Carluccio war offensichtlich eine gewisse Zeit unzertrennlich mit dem lieben Knoblauch und seinen Pilzen...

Liebe Grüße, Stefan«

(2 Fotos © Stefan)

Lieber Stefan, liebe Dani, 

auch der Maestro musste lernen... Ich vermute zusätzlich, dass er unter dem Küchenkommando seiner Frau stand, was ja besonders in italienischen Familien keine Seltenheit ist. 

Wenn ich das zweite Foto betrachte, kann ich mir allerdings gut vorstellen, dass die Knoblauchsplitter auf den gegrillten Steinpilzhüten vorzüglich mit den Grill- und Röstaromen harmonieren. Das ist dann doch etwas anderes, als wenn man sie einer Sahne- oder Crèmesauce beigeben würde.

Übrigens, Rindenmulch von der Fichte muss nicht zwangsläufig Spitzmorcheln hervorbringen. Das geschieht nur, wenn sich im Mulch Sporen der Morcheln befinden.

Herzliche Grüße Heinz-Wilhelm

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Michaels neues Hobby neben der Pilzsuche: Herstellung von Baumperlenschmuck


Foto: Sieht beinahe aus wie aus einer italienischen Edelwerkstatt oder wie aus einer Bernsteinschmiede: Michael, vielen Besuchern dieser Website vom Pilzticker BaWue bekannt, hat mit der Herstellung von Baumperlenschmuck ein sehr schönes neues Hobby entdeckt.  (2 Fotos © Michael)

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Michael schreibt am 23. März 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

folgender Beitrag hat wenig mit Pilzen, dafür aber umso mehr mit der Natur zu tun. Und Pilzsammler sind ja bekanntlich auch Naturfreunde. 

Neben dem Pilzesammeln habe ich für mich ein neues Hobby entdeckt. Baumperlenschmuck. In Baumperlen steckt die ganze Kraft eines Baumes. Bäume haben mich schon immer fasziniert. So bin ich auf die Idee gekommen, für Suri am Valentinstag einen Ring aus einer Baumperle zu fertigen.

Das herzustellen hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich immer mehr und ausgefallenere Ringe gefertigt habe - und fertigen werde. Mehr als einen Bohrer, einen Dremel, Schleifpapier, Sekundenkleber und etwas Sinn für Kunst und Ästhetik benötigt man dafür nicht.

Und mir kam zu Ohren, dass Träger von Baumperlenringen deutlich mehr Pilze finden.

Viele Grüße Michael«

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Foto: Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt: In den linken Ring hat Michael ein Spitzmorchel-Inlay eingearbeitet, in den rechten das in Zeiten von Corona hoch begehrte Klopaier. Alouette, dreilagig, versichert Michael, der für dieses Schmuckstück einen Kaufpreis von nicht ganz ernst zu nehmenden 500 Euro aufruft.

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Einsteigerseminar für den Trüffelanbau am 25. Januar in der Nähe von Pforzheim


Liebe Pilzfreunde,

am 25. Januar lädt der Verband für Trüffelanbau und Nutzung in Deutschland e. V. im Raum Pforzheim zu seinem 2. Einsteigerseminar ein.

Einzelheiten:

Termin: Samstag, 25.01.2020
Ort: Raum Pforzheim, genauer Ort wird bei Anmeldung bekanntgegeben
Referenten: Dipl.-Biologe Markus Mayer, Dipl-Agrarbiologe Josef V. Herrmann
Preis: Mitglieder des Trüffelverbandes e.V. 140,00 €, Nicht-Mitglieder 190,00 €
Anmeldung: Zum Erhalt des Anmeldeformulares wenden sich Interessenten bitte per E-Mail ([email protected]), per Post (Trüffelverband e. V., c/o Markus Mayer, Mooswaldstr. 7, 79227 Schallstadt) oder per Fax (+49 7664 403638 88) an den Verband.

(Bunter Pilzticker 3)

Programm:

09:30 Uhr: Begrüßungsgetränke

10:00 Uhr: Begrüßung Diplom-Biologe Markus Mayer

10:10 Uhr: Ökologie und Biologie der Trüffel, insbesondere der Burgundertrüffel Dipl. Agrarbiologe Josef V. Herrmann

11:00 Uhr: Geeignete Standorte für den Anbau – Bodenprobe Dipl. Agrarbiologe Josef V. Herrmann

11:30 Uhr: Rechtliche Rahmenbedingungen Dipl.-Biologe Markus Mayer

12:30 Uhr: Pflanzvorbereitung und Pflanzgut, Kriterien für die Qualitäten Dipl. Agrarbiologe Josef V. Herrmann

13:00 Uhr: Mittagessen

14:00 Uhr: Anbauverfahren, Einschätzungen zu Aufwand und Ernte Dipl. Agrarbiologe Josef V. Herrmann

15:30 Uhr: Finanzierungs- und Beteiligungsmodelle, Trüffelbiotop Diplom-Biologe Markus Mayer

16:15 Uhr: Exkursion mit Dipl.-Biologe Markus Mayer und Dipl. Agrarbiologe Josef V. Hermann

17:30 Uhr: Ende der Veranstaltung

Der Vorsitzende des Verbandes, Lothar Graf, zu dieser Veranstaltung:

»In Frankreich, Ungarn und weiteren Ländern werden bereits erfolgreich Burgundertrüffel (siehe Foto rechts) angebaut. Trüffelanbau ist auch in Deutschland möglich. Mehrere Pioniere ernten bereits erste Trüffel in ihren Trüffelkulturen. Deshalb tragen sich immer mehr Landwirte, Winzer, Obstbauern und Privatleute mit dem Gedanken, Trüffel anzubauen.

Die Anlage einer Trüffelkultur will gut überlegt und vorbereitet sein. Der Trüffelverband ergänzt sein bisheriges Informationsangebot der jährlichen Verbandstagung mit dem Erfahrungsaustausch für Mitglieder um ein Einsteigerseminar zum Trüffelanbau. In diesem Einsteigerseminar klären wir die Voraussetzungen, damit Sie entscheiden können, ob auf der Fläche die Bedingungen für den Anbau vorhanden sind.

Dipl. Agrarbiologe Josef V. Herrmann gibt einen Überblick über geeignete Standorte, Pflanzgut, Anbauverfahren, Einschätzungen zu Aufwand und Ernte, Art der Ernte und den Möglichkeiten der Vermarktung. Die komplizierten rechtlichen Rahmenbedingungen werden von Diplom-Biologe Markus Mayer aufgezeigt. Er erläutert zudem Finanzierungs- und Beteiligungsmodelle und das naturschutzfachlich interessante Trüffelbiotop. Die Exkursion zu einer Trüffelkultur rundet die Veranstaltung ab. «

(Foto © Trüffelverband e.V.)

1. Januar 2020

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