Pilzticker Schweiz 42: 
Funde vom 05.09.2021 - 02.10.2021



Pilzticker Schweiz 42




Übersicht aller bisherigen Pilzticker Schweiz




18 Pilzarten für ein Gericht:

»Eine Mischpilzpfanne, die diesen Namen wirklich verdient«


Martin schreibt am 2. Oktober 2021:

"Lieber Heinz-Wilhelm,

heute Nachmittag genoss ich das schöne Wetter hier bei St. Gallen  für gut 3 Stunden im Wald. Nachdem ich unter der Woche im Buchenwald eine "Nullrunde" gedreht hatte, ging es heute, ausgestattet mit Pilzmesser und Korb, in einen Mischwald mit vorwiegend Fichten. 

Es war eine interessante Runde mit nicht gerade massenhaftem Pilzaufkommen, jedoch vielen verschiedenen Arten.

Ein Highlight war eine wunderschöne Gruppe mit Riesenchampignons. Leider waren ein paar Stiele etwas wurmstichig, aber der Grossteil war 1a. Auch Trompetenpfifferlinge konnte ich nochmals einige mitnehmen.

Anschliessend führte mich mein Weg durch eine junge Fichtenschonung, in der sehr viele Fliegenpilze in allen Altersstadien standen. Gut hundert Meter weiter stiess ich auf hier eher seltene Pfefferröhrlinge.

Nach diesen Funden zweier Steinpilzanzeiger entschied ich mich doch noch für einen kleinen Umweg zu einer Steinpilzstelle, an der ich erstmals vor ca. 7 Jahren einen überständigen Riesen gefunden hatte.


Foto: Ein Nest von Riesenegerlingen. Bei einigen waren die Stiele schon verwurmt. (3 Fotos © Martin)

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An jenem Waldrand stehen riesige Tannen. In der zweiten und dritten Reihe mischen sich eine Buche und zwei kleine Fichten darunter. Und dann, weit in der Wiese draussen, zwischen jungen Fliegenpilzen, standen sie wie erhofft da: zwei knüppelharte Prachtsteinpilze, ganz ohne Maden.

Es gibt sie also doch noch! Ich freute mich wie ein kleines Kind! Als ich sie herausdrehte, kam zwischen den zwei Burschen noch ein kleines Pilzchen zum Vorschein. Ein weiterer Pfefferröhrling!

Mit dem Gesamtfund bin ich heute mehr als zufrieden. Das gibt eine Mischpilzpfanne, die diesen Namen wirklich verdient.

Mit Fichtensteinpilzen, Flockis, einem Birkenpilz, einem Goldröhrling, Rotfussröhrlingen, Pfefferröhrlingen, Parasole, Trompetenpfifferlingen, Amethystschuppigen Pfifferlingen, Riesenchampignons, einem FrauentäublingSpeisetäublingen, Lachsreizkern, einem Fichtenreizker, einem Perlpilz, einem ScheidenstreiflingSemmelstoppelpilzen und einem Habichtspilz warten 18 verschiedene Pilze in der Küche auf ihre Verarbeitung.

Eine Pilzschwemme wird es hier in der Ostschweiz in diesem Herbst wohl kaum mehr geben, aber schöne Waldgänge mit einigen brauchbaren Pilzen liegen sicher noch drin. Wohl eher im Fichten- als im Buchenwald.

Schöne Grüsse an alle Pilzverrückten!

Martin"

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St. Gallen: Zwei seltene Dornige Stachelbärte blieben natürlich im Wald


Philipp schreibt am 21. September 2021: 

"Lieber Heinz-Wilhelm,

auf der gestrigen Runde mit dem Hunde in der Nähe von St. Gallen konnte ich Martins letzten Bericht nur bestätigen: die Röhrlinge scheinen ertrunken zu sein. Einzig die Maronenröhrlinge kommen langsam hervor.

Stattdessen konnte ich einige etwas spezielle Funde machen, namentlich einen schönen Nadelholz-Braunporling, mehrere Dunkle Lackporlinge und zwei prächtige Dornige Stachelbärte (z. B. Foto rechts), was einen Erstfund für mich bedeutet. Sie alle blieben stehen.

Mitgenommen habe ich zwei Maronen, etliche Trompetenpfifferlinge und den einen oder anderen Schopftintling. Letztgenannte stehen hier im Moment in Massen und in jedem Stadium an den Wegrändern. Ich habe natürlich nur die reinweissen, geschlossenen Exemplare mitgenommen. Auch der Hallimasch ist stark im Anmarsch.

Herzliche Grüsse, Philipp"

(3 Fotos © Philipp)

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Foto: Der Dunkle Lackporling ist, wie zu erwarten, nicht essbar. Die Pilzart wird derzeit auf Wirkstoffe mit antibiotischen und anderen Heileigenschaften untersucht. 

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Foto: Der Nadelholzbraunporling wird gerne als Kiefernbraunporling bezeichnet, was nicht korrekt ist, weil er, wie hier, auch gerne bei Fichten und anderen Nadelholzarten wächst. 

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Ersäuft die Steinpilzsaison dieses Jahr in der Region St. Gallen?


Martin schreibt am 19. September 2021 zu diesem Foto:

"Lieber Heinz-Wilhelm,

nachdem ich letztes Wochenende ein paar schöne Steinpilze, Maronen und Flockis gefunden hatte, hoffte ich heute auf ein paar mehr. Ich wurde leider enttäuscht. Hier rund um St. Gallen haben die Röhrlinge den grossen Durchbruch noch nicht geschafft.

Zum Glück gibt es Pfifferlinge. Eine Stelle mit schönen Ametystschuppigen Pfifferlingen sorgte dafür, dass heute doch noch einiges in den Korb kam.

Wegen der herannahenden Kaltfront nahm ich mir heute keine Zeit für Fotos im Wald.

Das Bild mit dem Gesamtfund zeigt die Pfifferlinge neben Täublingen, Perlpilzen, einem Fichtenreizker, Totentrompeten, ein bisschen Trompetenpfifferling und, was mich besonders freute (Erstfund): zwei Mohrenkopfmilchlingen.

Den Perlpilzen habe ich beim Putzen die Huthaut abgezogen. Den Täublingen an den schmutzigen Huträndern auch, da der Schmutz an den Täublingen sonst ja kaum wegzuputzen ist.

Nun regnet es schon wieder. Gut möglich, dass hier die Röhrlinge in diesem Jahr buchstäblich ertrinken. Was zu viel ist, ist einfach zu viel.

Schöne Grüsse Martin"

(Foto © Martin)

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Köstliche Bruschetta nach dem Gang zur Station der Trompetenpfifferlinge im Appenzellerland


Foto: Zum Reinbeißen! Bruschetta, also geröstetes Weißbrot, mit gebratenen Pfifferlingen, Trompetenpfifferlingen und Speck, gab es gleich von den frisch gesammelten Pilzen. (3 Fotos © Philipp)

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Philipp schreibt am 7. September 2021:

"Lieber Heinz-Wilhelm,

gestern wollte mein Sohn unbedingt "unsere" Trompetenpfifferlingsstelle kontrollieren. Also haben wir uns ins Appenzellerland begeben.

Bereits am Waldrand konnten wir die Ersten ausmachen, allerdings waren bereits einige Pilze mit Trockenschaden dabei. Daher haben wir uns unsere Auswahl genau angesehen und nicht gleich die Sense hervor geholt.

Am Schluss kam doch noch ein ordentliches Häufchen zusammen (in der Schale, Foto rechts). Auch ein paar Eierschwämme (darunter, auf dem Schneidbrett) wollten noch mit, so dass nach der Reinigung 819 Gramm übrig blieben.

Aus den Eierschwämmen, ein paar Trompeten und Speck wurden Bruschetta auf frischem Brot, die restlichen wanderten in den Trockner.

Herzliche Grüsse, Philipp"

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Foto: Der große Rest der Trompetenpfifferlinge wurde in der Dörre getrocknet.


Eine wirklich gute Idee von Martin:

3794 Gelbstielige Trompetenpfifferlinge


Martin schreibt am 5. September 2021:

"Lieber Heinz-Wilhelm,

heute Früh zog ich noch vor Sonnenaufgang los, um "meine" Trompetenpfifferlinsfelder abzuernten. Dort angekommen, musste ich feststellen, dass jemand anders (wohl Erik aus der Nachbarschaft) bereits gestern diese Idee hatte.

So putzte ich den Rest zusammen, aber eine ganze Ladung für den Dörrautomaten, wie ich es mir erhofft hatte,  war das bei weitem noch nicht.

Zum Glück kenne ich etwa zwei Kilometer weiter noch eine andere Trompetenpfifferlingszone. Dort standen sie zwar nicht ganz so dicht, aber das Sammeln machte sehr viel Spass. Wer kennt das Glücksgefühl nicht, während der Ernte den Blick schon weiter schweifen zu lassen, um bereits die nächste Stelle zu entdecken! So vergingen fast 4 Stunden im Wald wie im Flug. Am Ende waren es genau 3794 Trompetenpfifferlinge. Was ein kleiner Scherz ist, ich habe sie natürlich nicht gezählt, dafür aber gewogen: gut 1300 Gramm waren es.

Ein Fall für den Dörrautomaten

Bis anhin verarbeitete ich Trompetenpfifferlinge immer frisch, aber ich will sie jetzt unbedingt einmal getrocknet probieren. Der Dörrautomat läuft nun seit knapp 3 Stunden und der Geruch erinnert mich an Totentrompeten. Sehr verheissungsvoll!

Daneben freute ich mich über ein paar Pfifferlinge, Semmelstoppelpilze und ganz besonders über die ersten zwei Maronen seit fast 2 Jahren.

Ich wünsche allen Pilzfreunden einen tollen Pilzherbst! 

Gruss Martin"

(3 Fotos © Martin)

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2 Fotos: Aus dem Wald in den Dörrautomaten - das ist für Martin ein Experiment. Bisher hat er seine Trompetenpfifferlinge stets frisch verwertet. Er möchte sie nun einmal getrocknet probieren und sich eventuell eine weitere Pilzart für die Bevorratung erschließen. 

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