Pilzticker BaWue 359:
Funde vom 15.04.2022 - 18.04.2022



Pilzticker Bawue 359




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Übersicht aller bisherigen Pilzticker Baden-Württembergs




Morchelfachgespräch mit der Polizei mitten im Hartauenwald


Foto: Die Käppchenmorcheln wuchsen überwiegend bei Pappeln in Verbindung mit Schlehen oder Weißdorn. Links zwei Schuppige Porlinge. (5 Fotos © Thomas)

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Thomas schreibt am 18. April 2022:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

ich kann die Füße einfach nicht still halten und auf meinem A. sitzen bleiben. Deshalb war ich auch gestern wieder für zweieinhalb Stunden in den Karlsruher Rheinauen unterwegs.

Während andere Ostereier suchen, suche ich Morcheln. Allerdings war ich diesmal in einem anderen Gebiet, aber wieder in einer Hartholzaue. Ihre Flora: Viele Pappeln und Ahorne sowie Eichen, Schwarznussbäume und Hainbuchen, wenige junge Eschen und sehr viele Schwarzdorne (Schlehen) und Weißdorne in der Strauchschicht.

In der Krautschicht überwiegt das Scharbockskraut, gefolgt vom Buschwindröschen und dem Bärlauch. Vereinzelt lassen sich auch Gelbe Windröschen, die Hohe Schlüsselblume und die Einbeere finden. Das alles war dem Fundort vom Samstag sehr ähnlich und deshalb verwunderte es nicht, dass auch hier die Käppchenmorcheln wieder stark vertreten waren.

Pappellaub in Verbindung mit Schwarz- oder Weißdorn ist bei passenden Bodenverhältnissen fast ein Garant für die Käppchenmorchel. Das Wetter sollte natürlich noch mitspielen. Diesmal nahm ich mir aber nur wenige mit, den Großteil habe ich stehen gelassen. Mir ging es ja hauptsächlich um ein bisschen Ablenkung, die ich auch hatte, denn mitten im Wald auf einem Waldweg wird man sonst eher seltener von der Polizei in einem Streifenwagen kontrolliert.


Foto: Eine Käppchenmorchel versteckt sich im Frühlingsscharbockskraut und Pappellaub; nur ihr Mützchen ist sichtbar. 

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Foto: Hier hat sie Thomas freigelegt. Mit ihrem hellen Stiel ist sie deutlich besser zu entdecken. 

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Auf die Frage, wo ich denn hin wolle, hob ich meinen Beutel hoch und antwortete: „Ich gehe Pilze sammeln.“ Daraufhin sagte einer der Polizisten mit sehr strengem Ton: „Pilze sammeln, jetzt im Frühling?“ Dann meinte der zweite Beamte: „Na klar, es ist doch Morchelzeit.“

Der Polizist musste das Morchelgeschenk leider ablehnen

Während der andere Beamte meine Personalien kontrollierte, erzählte er mir, dass er auch gerne in die Pilze gehen würde und seit Jahren nach Morcheln Ausschau hielte, aber noch nie eine einzige zu Gesicht bekommen habe. Dann zeigte ich ihm die Käppchenmorcheln und bot ihm eine Handvoll der Pilze an, die er aber leider ablehnen musste, da sie noch einige Stunden im Auto vor sich hätten.

Ich fragte am Ende noch, warum sie mich eigentlich hier mitten im Wald kontrollierten. Der Grund war, dass es vermehrt zu Saufgelagen am Rheinufer an Ostern und am Vatertag käme, bei denen eine Menge Müll hinterlassen würde.

Weiter auf meiner Runde, durfte ich mich auch über Schuppige Porlinge freuen, wovon ich mir zwei kleine mitgenommen habe. Schön anzusehen war ein komplett ausgehöhlter abgebrochener Stamm einer alten Esche, der über und über besiedelt war von alten Schmetterlingstrameten.

Zum Schluss, der Blume des Jahres 2022 zu Ehren, noch ein schönes Foto von der Einbeere.

Viele liebe Grüße, Thomas"

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Foto: Die Schmetterlingstramete hat ihre besten Tage hinter sich und ist im Alter ergraut. 


Foto: Die Einbeere sieht schon giftverdächtig aus - und ist auch giftig. Die Beere an sich sieht fast aus wie eine einzelne Heidelbeere. 

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Dramatische Wende in Karlsruhe: 

Thomas bricht die Sammelpause ab und fährt mit Kreißsaal-Wechselkleidung zu den Käppchenmorcheln


Foto: Die vorzüglich schmeckenden Käppchenmorcheln wuchsen sehr zahlreich. Drei, vier Tage früher hätte Thomas noch viele mehr mitnehmen können. (9 Fotos © Thomas)

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Foto: Das Bild vermittelt einen Eindruck, wie es aussah im Käppchenmorchelwald. Hier sind gleich sechs Pilze auf engem Raum zu sehen. 

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Thomas schreibt am 16. April 2022:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

in diesem verrückten, dennoch guten Morcheljahr kann ich nicht einfach nur Däumchen drehend zuhause sitzen und abwarten, bis der Anruf aus dem Kreißsaal kommt. Also habe ich Wechselklamotten in meinen Rucksack gepackt, meinen Morchel-Stoffbeutel und Pilzmesser eingesteckt, das Handy auf volle Lautstärke gestellt und los ging‘s für drei Stunden in den Wald.

Damit ich auch schnell wieder am Auto sein kann und auch immer Empfang habe, wählte ich extra Hartholzauen bei Karlsruhe aus, wo mir jeder Winkel bekannt ist.

Zuerst wollte ich mir ein altes Gebiet ansehen, in dem ich bis vor drei Jahren noch so viele Morcheln finden konnte, dass ich kein weiteres Gebiet benötigt habe. Kurz darauf begann dann aber das große Forsten, das noch bis in das diesjährige Frühjahr hineinreichte. Es war einmal eine noch einwandfrei funktionierende, typische Hartholzaue mit Eschen, Ahorn, Pappeln, Erlen und einigen Eichen.

Heute ist davon nicht mehr viel da. Es gibt kaum einen Quadratmeter Waldboden, über den der schwere Harvester nicht gerollt ist. Alle, ja wirklich alle Eschen wurden restlos entfernt, desgleichen viele Pappeln. Die Neubepflanzung erfolgte ausschließlich mit Eichen. Dass aber gut achtzig Prozent der jungen Eichen schon wieder abgestorben sind, scheint hier offenbar niemanden zu interessieren.


Foto: Viele der Käppchenmorcheln waren groß und stämmig. 


Foto: Zwei Käppchenmorcheln zeigen das Victory-Zeichen. 


Foto: In Demut verbeugt sich diese Käppchenmorchel, vermutlich vor der Menge ihrer Artgenossen. Was sich wohl das Exemplar im Hintergrund dazu denkt? 

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Hierzu einige vielsagende Fotos, die den heutigen traurigen Zustand belegen und veranschaulichen, dass keine der Eschen in irgendeiner Weise von Hymenoscyphus fraxineus* geschwächt war, wie es so oft auf den verlogenen Infotafeln ”Warum werden hier so viele Bäume gefällt“ zu lesen ist.

Also suchte ich einen anderen Bereich der Hartholzaue auf, wo ich immer gut Käppchenmorcheln finden konnte. Da die Käppchenmorchel hier in diesem Jahr wohl auch ein starkes Jahr hat, rechnete ich mir deshalb große Chancen auf Funde aus.

Und jetzt wird es wieder ein bisschen verrückt: An all ihren Stellen ist der komplette Waldboden mit Käppchenmorcheln regelrecht übersät. Einige Exemplare haben eine Größe, die einer ausgewachsenen Spitz- oder Speisemorchel in nichts nachsteht.

Allerdings war ich zwei, drei, vielleicht vier Tage zu spät. Denn hunderte weitere Exemplare waren schon überständig oder bereits luftgetrocknet. Nachdem ich nach einer Weile Sammeln Gefahr ging, dass sich die Pilze durch ihr Eigengewicht in meinem Beutel gegenseitig zerdrücken, beschloss ich, diesen Gang zu beenden und ließ noch viele weitere Fruchtkörper zurück.

Ich bin echt gespannt, was diese Morchelsaison noch so mit sich bringt.

Nun nochmals Dir und allen Pilzfreunden ein schönes Osterfest und liebe Grüße, Thomas"

* Das Falsche Weiße Stängelbecherchen ist verantwortlich für das Eschentriebsterben

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Foto: Die Harvester haben in dem einstigen Auwald gut sichtbar ihre Spuren hinterlassen. 

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Foto: Erinnert stark an Waldrodungen wie in Südamerika: wo die Harvester wüten, packen sie richtig zu. Hier stand einmal ein Auwald. 

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Foto: Der Stumpf einer kerngesunden Esche. Nach deutscher Gründlichkeit wird ordentlich aufgeräumt im Auwald. 


Foto: Wie auch in diesem Fall. Den Wald sich selbst zu überlassen, auch im Verfall, gibt es nicht. In der Kasse der Holz-"Wirtschaft" muss es schließlich klingeln. 

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Jetzt geht es auch bei Kronau mit den Rindenmulchmorcheln richtig los


Foto: Das hat sich gelohnt! Michael hat die Vorgärten bei Kronau inspiziert und viele Rindenmulchmorcheln (RiMuMo) gefunden. 

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Michael schreibt am 15. April 2022:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

gestern machte ich mich zu einer Rindenmulchtour in den umliegenden Ortschaften auf. Ich wurde schnell fündig. In den Vorgärten zwei sehr netter Familien und dem Firmengelände eines örtlichen Autohauses stand alles voller Rindenmulchmorcheln (Spitzmorcheln), siehe u.a. das Foto rechts. Rasch war mein Körbchen gefüllt. Die restliche Arbeit erledigt der Dörrex.

Viele Grüße, Michael"

(4 Fotos © Michael)

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Foto: Hier hat sich eine Familie mit vier Mitgliedern zusammengefunden. Ein Kind ist rund, das andere schlank. 

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Foto: Diese Zwei scheinen am liebsten ins Haus zu wollen. Vermutlich ist es drinnen wärmer. 

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