Pilzticker BaWue 286:
Funde vom 28.01.2021 - 05.02.2021



Pilzticker BaWue 286




Hier geht's zur

Übersicht aller bisherigen Pilzticker Baden-Württembergs




Nordschwarzwald: Die ersten Fichtenzapfenrüblinge ließ Thomas noch stehen


Foto: Die frühen Fichtenzapfenrüblinge wie dieser sind sehr kleine und deshalb für fast alle Pilzsammler unergiebige Speisepilze. Wer sich dennoch die Mühe macht, sie zu sammeln, wie zum Beispiel Michael dies vergangene Saison tat, wird mit Pilzchen belohnt, die angenehm mild-nussig undn feinwürzig schmecken. (3 Fotos © Thomas)

Pilzticker BaWue 286



Thomas schreibt am 5. Februar 2021:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

ich komme gerade aus den Fichtenwäldern im nördlichen Schwarzwald. Hier war ich auf einer kleinen Inspektionsrunde, um zu sehen, inwieweit die warmen Temperaturen von rund zehn Grad das Wachstum der Fichtenzapfenrüblinge angekurbelt haben.

Sie sind bereits da. Auch wenn momentan noch ganz wenige Exemplare küchentauglich sind, kann man schon bei gefühlt jedem zehnten Zapfen, den man herumdreht, den kleinen Nachwuchs erkennen. Da die Temperaturen aber nochmal weit unter den Gefrierpunkt rutschen sollen, werde ich wohl doch noch ein bisschen warten müssen. Die wenigen, die ich hätte mitnehmen können, ließ ich vorerst stehen.

Auch Trompetenpfifferlinge ließen sich noch einige finden, die auf den ersten Blick sogar noch recht ansprechend aussahen. Aber an diesem Platz wechselten Frost und Tauwetter öfter einander ab, sodass auch sie stehen bleiben durften.

Und wenn die Augen schon mal auf Fichtenzapfenrüblinge scharf gestellt sind, entdeckt man auch mal einen gerade mal zwei Zentimeter kleinen ungenießbaren Ohrlöffelstacheling (Foto rechts).

Übrigens, dass die Austernpilze Pilzfreund Arnold vom Pilz-Ticker Niedersachsen gleich beim zweiten Fund mit Verkostung nach seiner ersten leidlichen Erfahrung doch überzeugt haben, freut mich so sehr.

Viele Grüße Thomas«

Pilzticker BaWue 286


Foto: Trompetenpfifferlinge wie diese sollte man jetzt nicht mehr verzehren. Durch den Wechsel von Frost- und Tauwetter liegt es auf der Hand, dass sie, wenn auch nicht gleich sichtbar, bereits Schimmel angesetzt haben.

Pilzticker BaWue 286


Was die Judasohren im Hardtwald jetzt runterzieht


Foto: Abermals einen üppigen Winterpilz-Fund machte Thomas im Hardtwald bei Karlsruhe. Ganz oben in den Ecken hat er einige Lappen vom ungenießbaren, aber schmucken Schichtpilz dazugelegt. (6 Fotos © Thomas)

Pilzticker BaWue 286


Thomas schreibt am 1. Februar 2021:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

was die Judasohren im Karlsruher Hardtwalt betrifft, muss man im Moment nicht zwangsläufig nach Holunder suchen. Ich konnte sie heute wieder an den verschiedensten Laubbaumarten sammeln. Angefangen von A wie Ahorn bis Z wie Zitterpappel. Aber hauptsächlich natürlich an Holunder.

Aufgrund des Temperaturanstiegs und der starken Winde in den letzten Tagen findet man die voll aufgequollenen Exemplare derzeit aber mehr Richtung Boden, wie auf herumliegendem Totholz oder am Fuß des Holunders. Vor ein paar Wochen war das genau andersherum, aber bei dem plötzlichen Anstieg der Temperaturen ist nun der Boden der kältere und feuchtere Bereich (siehe Foto rechts). Auch diesmal waren wieder handgroße Exemplare dabei und viele schöne kleinere Öhrchen. Und wie beim letzten Mal, so stehen auch diesmal wieder mindestens drei weitere Generationen in den Startlöchern.

Heute konnte ich die hier auch schon angesprochenen Verwechslungspartner der Judasohren, mal direkt am gleichen Holz, oder nebeneinander fotografieren. Auf dem nächsten Foto sind Judasohren mit dem Stoppeligen Drüsling und jungen Exemplaren des Gezonten Ohrlappenpilzes zu sehen.


Foto: Judasohren (links) und zwei ihrer Doppelgänger: in der Mitte sehen wir Stoppelige Drüslinge, rechts am dicken Stamm Gezonte Ohrlappenpilze, die nur ganz jung den Judasohren ähneln.

Pilzticker BaWue 286


Foto: So sehen Ohrlappenpilze aus, wenn sie erwachsen geworden sind. Mit dem Anblick von Judasohren hat das wahrhaftig nichts mehr zu tun.

Pilzticker BaWue 286


Auch von den vor einiger Zeit stehen gelassenen Austernseitlingen konnte ich heute viele schöne ausgewachsene Exemplare (Foto rechts) mitnehmen. Mitunter waren auch fast schwarze Austernpilze dabei. Ein paar Schmetterlingstrameten für einen Wintertee und als Glücksbringer für weitere Funde sowie wenige Samtfußrüblinge konnte ich auch noch  einsammeln.

Abgesehen von einigen wenigen vermadeten Austernpilzen ließ sich eine ordentliche Menge ausgezeichneter Winterpilze in nur dreieinhalb Stunden zusammentragen.

Zum Abschluss konnte ich mit dem mutmaßlich Prächtigen Schichtpilz noch einen schönen Farbtupfer im tristen Winterwald ablichten. Über solch einen Anblick freue ich mich immer wieder aufs neue. Erst recht, wenn solche Pilze bei feuchter Witterung derart prächtig strahlen. Auf dem Gesamtfund habe ich einige davon dazugelegt, um zu zeigen, dass sie schon nach wenigen Stunden ihre gesamte Strahlkraft verloren haben.

Erwähnen wollte ich noch, dass ich es gar nicht so ganz verstehen kann, warum derzeit so wenig Fundmeldungen zu sehen sind. Dabei ist es doch gerade im Winter so entspannend und erholsam, im nahezu menschenleeren Wald Pilze zu sammeln. Die wenigen, die einem begegnen, haben entweder eine Hundeleine oder Nordic-Walking-Stöcke in der Hand.

Zu finden gibt es immer noch etwas. Vor allem an Judasohren mangelt es in diesem Jahr nicht. Und schon alleine für den Anblick eines prachtvollen Schichtpilzes oder eines schmucken Gifthäublings mitten im Winter lohnt ein Waldgang.

Ich wünsche Dir und allen Pilzfreunden einen guten Start in die nächste Woche.

Viele Liebe Grüße Thomas«

Blau = ungenießbar

Pilzticker BaWue 286


Foto: Einen prächtigen Anblick im eintönigen Winterwald bietet der Prächtige Schichtpilz, der an den hingestreckten morschen Stämmen regelrecht zu lodern scheint.

Pilzticker BaWue 286





Ettlingen/Karlsruhe: Auch mitten im Winter macht Thomas seine Mittagspausenfunde


Foto: Drei Arten Winterpilze auf einen Blick. Wir sehen Samtfußrüblinge, Judasohren und einige Austernseitlinge (von links). Frische Wildpilze für das Abendessen mitten im Winter - herrlich! (4 Fotos © Thomas)

Pilzticker BaWue 286


Thomas schreibt am 28. Januar 2021:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

es ist zu schön, wenn man ein paar Pilzstellen hat, die sich unmittelbar vor der Haustür oder in der Nähe der Arbeitsstelle befinden. So verliert man nicht viel Zeit und wenn alles passt, gibt es ein leckeres Abendessen.

Bis gestern habe ich diese Woche noch im Büro gearbeitet und wie so oft, habe ich meine Mittagspause in den Mischwäldern um Ettlingen verbracht.

Bei 4 Grad Tauwetter fand ich zuerst in einem kleinen Fichtenwald unter Ästen eine kleine Familie Trompetenpfifferlinge, die ich aber stehen gelassen habe, weil ich hier nicht weiß, wie oft sie schon gefroren waren und wieder aufgetaut sind. Zudem sahen sie auch nicht mehr einwandfrei aus.


Foto: Sie durften noch sitzen bleiben, bis Thomas auf dem Rückweg wieder vorbeikam. Dann mussten sie mit, die gefrorenen Austernseitlinge. 

Pilzticker BaWue 286


Im Übergang zu einem Rotbuchenwald fand ich ein paar gefrorene Austernseitlinge, die ich auf dem Rückweg mitnehmen wollte. Ein Stück weiter sah ich dann einen prächtigen Goldgelben Zitterling, der aber gerne weiter zittern durfte. Da ich durch die Fotos zu viel Zeit verloren habe, ließ ich neben den Austernseitlingen auch noch einige Judasohren zurück, um nach Feierabend nochmal herzukommen.

Also ging ich gegen 17 Uhr nochmal schnell an diese Stellen. Allerdings war es dann schon recht dunkel. Die letzten Judasohren habe ich sogar noch in völliger Dunkelheit gesammelt.

Seit heute bin ich wieder im Home Office und spaziere in meiner Pause gerne in der Nähe des Rheins bei Karlsruhe, nicht weit von Zuhause. Um das heutige Abendessen komplett zu machen, nahm ich mir hier in einem Wäldchen mit viel Ahorn und vereinzelt ein paar jungen Eschen einige der nachgewachsenen Samtfußrüblinge mit, die ich an der gleichen Stelle gefunden habe, wie auch das schöne Büschel an Neujahr. Zusätzlich kamen auch hier noch viele schöne Judasohren zusammen.

Viele Liebe Grüße Thomas«

Pilzticker BaWue 286


2 Fotos: Die Samtfußrüblinge (links) nahm Thomas gerne mit, während der Goldgelbe Zitterling (rechts) bei winterlichen Temperaturen weiter im Wald zittern darf.

Pilzticker BaWue 286


Von Pilzticker Bawue 286 zurück zur Pilz-Ticker-Übersicht

Zurück zu Passion Pilze Sammeln Home Page


Das Neueste

  1. Pilz-Ticker-RP (Rheinland-Pfalz)

    Apr 19, 21 11:36 AM

    Pilz-Ticker-RP: Welche Pilze zurzeit in den rheinland-pfaelzischen Waeldern wachsen

    mehr »

  2. Pilz-Ticker-Bawue (Baden-Wuerttemberg)

    Apr 19, 21 06:31 AM

    Pilz-Ticker-Bawue: Das aktuelle Pilzwachstum in Baden-Württemberg

    mehr »

  3. Pilz-Ticker-Sachsen

    Apr 18, 21 08:32 AM

    Pilz-Ticker-Sachsen: Welche Pilze wachsen aktuell in Sachsen?

    mehr »

  4. Pilz-Ticker-Bayern

    Apr 18, 21 06:55 AM

    Pilz-Ticker-Bayern: Welche Pilze momentan im Freistaat wachsen

    mehr »



Ein toller
Blog von

Ausgefallene Pilzgerichte wie Kaffee mit Reishi, Steinpilze im Kichererbsen- und Kartoffelpürree, Sammel- und Gesundheitstipps und vieles, vieles mehr. Hier geht's zum Stöbern in Wohlrabs Pilzreich



Pilzbücher



Meine ersten 10 Pilze genau kennenlernen

Mit Gütesiegel und empfohlen für Einsteiger von der Deutschen Gesellschaft für Mykologie (DGfM)




Mit Pilzsammlern
in Deutschland unterwegs


14 Reportagen von der Pilzsuche aus Wäldern, Feldern und in Wohnnähe




Pilze, Holzkasten, Bollerwagen


Meine Kindheit im Dorf der 60er Jahre, als die Selbstversorgung noch den Alltag bestimmte




Sehr lehrreich, gründlich und liebevoll!


Ein außergewöhnliches und mitreißendes Pilzbuch! Toll für den Einstieg in die Pilzpassion, ideal für junge Pilzfreunde!




Jürgen Guthmanns Enzyklopädie der Heilpilze


DIN-A-4-Format; 425 Seiten; Darstellung von über 100 Heilpilzen mit ihren bioaktiven Inhaltsstoffen; Liste: Für welche Krankheiten sich die 16 gebräuchlichsten Heilpilze eignen; 250 Farb- und 230 Strichbilder; 1600 Zitate aus der Originalliteratur.

Zur Buchbesprechung