Pilzticker BaWue 284:
Funde vom 09.01.2021 - 15.01.2021



Pilzticker BaWue 284




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Oberwald, Karlsruhe: Ein schöner Spaziergang mit reichlich guten Birkenporlingen


Foto: Sie wachsen in Reih' und Glied, wie angetreten. Diese Birkenporlinge haben eine schöne Ordnung bei ihrem Auftritt.

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Thomas schreibt am 15. Januar 2021:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

zusammen mit meiner Frau und meiner Tochter waren wir heute bei strahlendem Sonnenschein, aber eiskalten Temperaturen, zu einem längeren Spaziergang im Oberwald bei Karlsruhe unterwegs.

Hier findet man sehr viele verschiedene Arten von Mischwäldern vor. In feuchteren Gebieten dominieren Erle und Esche wie auch Pappel und Weide. In anderen Bereichen sind es Hainbuchen, Eichen, Kiefern, Rotbuchen, aber auch Fichten. Die Birke wächst in allen Bereichen des Waldes.

Nachdem wir zuerst ein bisschen entlang der Wildgehege spazieren waren, liefen wir etwas abseits der Hauptwege. So konnten wir an einer abgeknickten Birke zwei Birkenporlinge entdecken. Allerdings waren sie nach den zurückliegenden tiefen Minusgraden auch schon stark geschädigt und bereits weich und wässrig.

Es saßen jedoch an den abgebrochenen Teilen der Birke, die etwas geschützter auf dem Boden lagen, noch viele schöne einwandfreie Exemplare, die alle den Weg in den Stoffbeutel fanden.

Ein Stückchen weiter entdeckte ich noch einen gefrorenen Warzigen Drüsling an einer Birke, siehe das Foto direkt hierunter.


Foto: Nein, es sind keine Judasohren, sondern Warzige Drüslinge. Sie sind ab dem mittleren Alter schwarz bis schwarzbraun. Und wachsen meist im Winter.

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In einem reinen Rotbuchenwald sahen wir an einem alten Rotbuchenstamm noch einige alte Austernpilze, die aber wie die Samtfußrüblinge (Foto rechts), die wir auf dem Rückweg zum Auto an den Wurzeln einer umgestürzten Pappel gefunden haben, und mehreren gefrorenen Judasohren, alle im Wald blieben.

Wie der Warzige Drüsling, so war auch ein kleiner Winterstielporling (Foto unten) nur etwas für das Auge.

So blieb es heute mal bei den Birkenporlingen, was auch daran lang, dass unser Spaziergang im Vordergrund stand.

Liebe Grüße an Dich und an alle Pilzfreunde, Thomas«

(4 Fotos © Thomas)

Blau = ungenießbar

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Foto: Ein einsamer Winterstielporling. Er ist dem Maiporling sehr ähnlich, hat aber einen dunkleren Stiel. Beide sind ungenießbar.

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Im Zielgebiet wuchsen die Judasohren an Holunder, Ahorn, Rotbuchen und Robinien


Foto: Ein rechteckiges Pilzstillleben mit einrahmenden Judasohren, Austernpilzen, Samtfußrüblingen und Birkenporlingen.

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Thomas schreibt am 10. Januar 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

wie gestern schon vermutet, hat es Andreas so gut gefallen, dass es uns heute erneut für zwei Stunden in die Wälder um Karlsruhe gezogen hat.

Diesmal waren wir in einem anderen Gebiet unterwegs, in dem auch einige geschwächte und abgestorbene Birken stehen. Da sich mein Vorrat an Birkenporlingen in den letzten Wochen recht schnell verkleinert hat, weil ich zu viel davon verschenkt habe, hoffte ich hier auf Nachschub. Und nachdem Andreas auch an den Judasohren großen Gefallen gefunden hat, war dieses Gebiet gerade das richtige.

Und schon nach wenigen Metern, kurz nach dem Parkplatz, entdeckten wir an einem Rotbuchenstamm, der am Wegrand lagerte, die ersten jungen Judasohren (Foto rechts), die mich vermuten ließen, dass sie sich hier wohl nicht mehr nur auf Holunder beschränken würden. Und damit sollte ich auch recht behalten.

In unserem Zielgebiet Gebiet wuchsen sie nun fast überall. Wir ernteten Judasohren wie gehabt an Holunder, an abgestorbenem Ahorn, an Rotbuchenästen wie auch an umgestürzten Robinien. Am Ende waren es 970 Gramm in bester Qualität. Wobei wir noch mindestens drei weitere Generationen an den Bäumen zurückließen.


Foto: Während die Judasohren hier am Totholz von Ahronästen siedeln,...


Foto: ...haben sie hier den Leichnam einer zu Boden gegangenen Robinie (Scheinakazie) als Wirt gefunden.

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Wie erhofft, fanden wir dann auch noch vier schöne feste Birkenporlinge (z. B. Foto rechts), deren Fleisch und Poren noch reinweiß waren. Und auch hier konnten wir wieder Samtfußrüblinge am Holunder finden, auch wenn es nur wenige waren.

Auf dem Rückweg sammelten wir dann noch an einem alten Eichenstamm, wieder mal mit Moosüberzug, ein wunderschönes Büschel ausgewachsener Austernseitlinge (Foto unten).

Von dem gesamten Fund nahm ich mir drei der Birkenporlinge und eine reichliche Handvoll Judasohren. Über den Rest freute sich Andreas.

Viele liebe Grüße Thomas«

(6 Fotos © Thomas)

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Foto: Wachsen Austernseitlinge, wie hier, am übermoosten toten Eichenholz, so neigen sie dazu, das Aroma vom Moos aufzunehmen, was nicht jedem Pilzfreund zusagt.

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Sehr lesenswert!

Die Baumart bestimmt den Geschmack: Austernseitlinge von noch lebenden Rotbuchen schmecken am besten


Zu diesem Foto schreibt Thomas: »Auf diesem Bild habe ich einmal versucht, die Pilze nach Geschmack zu sortieren. Die Pilze links, an Eiche auf Moos gewachsen, sind somit die geschmacklich schlechtesten. Der Rest stammt ausschließlich von der Rotbuche. Wobei die rechte Seite mit den ausgewachsenen Exemplaren geschmacklich noch weit hinter den jungen und knackigen stehen, die für das hauptsächliche Weiß im Bild sorgen. Daher vielleicht einfach nochmal gezielt nach Pilzen an Rotbuche suchen.«

(5 Fotos © Thomas)

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Thomas schreibt am 9. Januar 2021:


»Hallo Heinz-Wilhelm,

heute Morgen war ich mit Andreas, einem guten Freund der Familie, erneut zur Nachlese an vielen meiner bekannten Stellen für Winterpilze im Hardtwald bei Karlsruhe. Andreas hatte schon öfter bekundet, dass er gerne mal mit mir in die Pilze gehen würde, da er sich generell nicht an Lamellenpilze heran traut und erst recht nicht im Winter.

Gleich zu Beginn sammelten wir ein paar schöne Schmetterlingstrameten ein. Mit diesen Pilzen beginne ich oft meine Runden, um schon mal etwas im Korb liegen zu haben. Ganz getreu dem Motto »wer die Tramete nicht ehrt, ist der Auster nicht wert«.



»Kurz darauf entdeckten wir dann auch schon am Stumpf einer Rotbuche leuchtende goldgelbe Samtfußrüblinge, die einer Gruppe von kleinen Fleischroten Gallertbechern gegenüberstanden (Foto). Auch an meinen weiteren Stellen konnten wir noch vereinzelte Winterrüblinge mitnehmen.«

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An einigen Holundersträuchern, die ich nun schon mehrfach abgesammelt habe, heimsten wir noch viele große Judasohren ein, teils mit einem 15-Zentimeter-Durchmesser, siehe das nächste Foto.


Foto: Stattliche Judasohren! Ihr Durchmesser betrug bis zu 15 Zentimeter. Da lohnt die Ernte!

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An meinen Stellen für Austernseitlinge konnten wir noch viele schöne Exemplare mitnehmen. Auch an meiner Lieblingsbuche wuchsen inmitten von unzähligen überständigen und schon matschigen Riesenporlingen wieder schöne junge Büschel von Austernpilzen.

Dann ging es in einen nahe gelegenen Auwald, um hier eventuell noch ein paar Samtfußrüblinge mitnehmen zu können.

Die Winterrüblinge vom Holunder sind die besten

Und hier waren sie dann wieder, die von mir hoch geschätzten Holunder-Winterrüblinge (Foto rechts). Meiner Meinung nach zeichnen sie sich  durch einen viel besseren und angenehm pilzigeren Geschmack aus, da bei ihnen das leicht metallische Aroma der an anderen Baumarten wachsenden Winterrüblinge fast gänzlich fehlt.

Gleich am Nachmittag bereitete ich aus allen gesammelten Samtfußrüblingen - rund 320 Gramm - für uns und Andreas ein leckeres Crèmesüppchen, aufgeteilt auf drei Tellern und einem Kinderteller zu (6. Foto). Die cremige Konsistenz kam alleine durch die pürierten Pilze mit einem Schuss Sahne zustande. Für Andreas waren das die ersten Samtfußrüblinge im Leben. Er bewertete sie als kulinarische Sensation (nächstes Foto).


Foto: Ein schäumendes Crèmesüppchen von Winterrüblingen ist jetzt etwas Feines - und sehr gesund. Winterpilz-Novize Andreas, der Thomas in die Wälder begleitete, war vollauf begeistert.

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Das bringt mich dann auch zur Überleitung zu dem von Pilzfreund Arnold im Pilzticker Niedersachsen angesprochenen Thema, dass die gezüchteten Austernpilze aromatischer schmecken würden als die wild wachsenden.

Die wohlschmeckendsten Austernpilze wachsen an lebenden Rotbuchen

Hierzu möchte ich anmerken, dass dies nur teilweise zutrifft. Denn nach meiner Erfahrung wachsen die geschmacklich besten Austernpilze immer an noch lebenden Rotbuchen. Danach folgen geschmacklich Exemplare von toten Rotbuchen.

An Hainbuche, die nicht zu den Buchen-, sondern zu den Birkengewächsen gehört, wie auch an Pappel und Weide, an denen ich sie auch schon finden konnte, schmecken sie sehr fade. An Eichen, wo ich sie bislang immer nur auf dem Moosüberzug wachsend gefunden habe, nehmen sie sehr stark das Aroma des Mooses auf. Und genau dieses sagt nicht jedem zu.

Ich muss aber noch hinzufügen, dass sich die Austernpilze von heute nicht mehr mit jenen von vor 10 oder mehr Jahren vergleichen lassen. Denn durch die immer wärmer und feuchter werdenden Winter reifen die Pilze immer schneller aus, verwässern durch den vielen Regen stärker und können so das Aroma des Wirtes weniger aufnehmen.

Je kälter, desto besser das Aroma der Winterpilze

Wachsen sie hingegen in der Kälte über mehrere Wochen heran, schmecken sie umso intensiver. Das erste Foto von Arnold im Pilz-Ticker Niedersachsen zeigt wohl genau den beschriebenen Fall von Austernpilzen an Eiche im Moosüberzug. Auf dem zweiten Foto, mit dem Baum über dem Bach, ist es schwer zu sagen, um welche Baumart es sich hier handelt, aber eine Rotbuche kann man hier wohl ausschließen.

Nachdem Andreas die heutige Tour so gut gefallen hat, wollen wir vielleicht gleich morgen nochmal losziehen.

Liebe Grüße an Dich und an alle Pilzfreunde, Thomas«

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