Pilzticker BaWue 279: Pilzfunde in Baden-
Wuerttemberg vom 01.12.2020 - 10.12.2020



Pilzticker BaWue 279




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Zur Freude von Renate setzen sich die Pilze im Schönbuch jetzt schmucke Schneehauben auf


Foto: Rote Männlein im Schnee. Renate war ganz hingerissen vom Anblick der verschneiten Fliegenpilze (1. und 2. Foto). Aber so außergewöhnlich ist er gar nicht. Späte Pilzarten werden nicht selten vom Schnee überrascht. Und da das Finale dieses Pilzjahres sehr spät stattfand, erwischte der Schnee auch diese Fliegenpilze im Schönbuch. Die zwei Fotos erinnern an ein Motiv aus Zeiten, da passion-pilze-sammeln.com noch in den Kinderschuhen steckte: Pilzfreund Ernst hatte am 28. Oktober 2012 bei Calw ebenfalls einen Fliegenpilz fotografiert, der sich eine dicke Schneehaube aufgesetzt hatte (2. Foto rechts).

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Renate schreibt am 10. Dezember 2020:

»Lieber Heinz-Wilhelm,

heute habe ich bei einem vierstündigen Spaziergang im Schönbuch mein ganz persönliches Wintermärchen erlebt. Ich dachte, dass es Dich und andere Pilzler vielleicht auch interessieren könnte.

Es lag bei uns schon ganz ordentlich Schnee und war mit minus 2 Grad auch schon recht kalt, als ich mich heute früh auf den Weg in mein neu entdecktes Birkenwäldchen machte, um nach den restlichen Birkenporlingen zu schauen.

Wie ich feststellen konnte, hatte nicht nur ich eine Mütze aufgesetzt, sondern auch die Birkenporlinge. Sie waren aus vereistem Schnee und sahen ausgesprochen dekorativ aus. Während ich die Porlinge noch von allen Seiten bewunderte, entdeckte ich im Schnee einen kleinen roten Fleck. Ich entfernte ein wenig Schnee und zum Vorschein kam ein steif gefrorener Fliegenpilz. Der Schnee hatte ihn überrascht, als er noch nicht einmal aufgeschirmt war.

Und wie ich mich bücke, um das von der Schneedecke geschützte Kerlchen ganz entzückt zu fotografieren, entdecke ich noch zwei weitere. Einen habe ich ein wenig ausbuddeln müssen, damit man auch sieht, dass es tatsächlich ein Fliegenpilz ist.

So eine Überraschung! Ich habe noch nie Fliegenpilze im Schnee gesehen, schon gar nicht so wunderschöne, und das am 10. Dezember! Das ist doch ein total verrücktes Jahr!

Dir, lieber Heinz-Wilhelm, und allen Besuchern Deiner wundervollen Seiten
schicke ich herzliche winterliche Grüße!

Renate«

(3 Fotos © Renate), (1 Foto © Ernst)

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Foto: Auch die Birkenporlinge machen unter den Schneehauben eine gute Figur und bereichern den Winterwald aufs Schönste. Im verschneiten Wald lohnt es sich meist, mehr Waldlandschaft und nicht nur den Pilz abzulichten, weil das die Winterruhe des Waldes schön zum Ausdruck bringt.

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Das haut selbst Michael um:

Zwei einwandfreie Steinpilze am Wegesrand, Bäume voller Austernpilzkinder und monströse Samtfüße


Foto: Zwei Steinpilze am Wegesrand ließen Michael maßlos staunen. Er fand sie bei Hochstetten am 8. Dezember 2020. Damit verfehlte er den Spätfundrekord von Dieter Sdun aus Dornstedt (Sachsen-Anhalt) um einen Tag: Sdun hatte im Jahr 2000 am 9. Dezember noch drei Steinpilze im Staatsforst Ziegelroda gefunden. (6 Fotos © Michael)

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Foto: Die Bild vom 8. Dezember beweist es: Michael fand an diesem Tag noch zwei prima Steinpilze. Dazu schöne Austernpilze, kolossale Samtfußrüblinge und einige Semmelstoppelpilze.

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Michael schreibt am 8. Dezember 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

ich drehe noch völlig ab. In den Wäldern um Hochstetten wachsen an all meinen Austernpilzbäumen hunderte winziger Austernseitlinge heran. Allein der umgestürzte Baum, der über dem Bach liegt, sitzt auf einer Länge von ca. 4 Metern voll mit kleinstem Nachwuchs (nächstes Foto unten). Ich hoffe, dass alle schön groß werden und nicht durch Tierfraß oder Witterung kaputt gehen.

Absolut umgehauen hat mich der Fund von tatsächlich noch zwei einwandfreien Steinpilzen, die scheinbar aufgrund der Plusgrade der letzten Woche nochmals nachgeschoben haben.

Das Witzige an der Sache war, dass sie am Wegesrand an genau der Stelle standen, an der ich sonst immer die Riesenegerlinge finde. Das sollten allerdings die letzten Steinpilze für diesen Tag gewesen sein.

Auf dem Rückweg entdeckte ich auf einer Wiese, und zwar am Wurzelwerk einer Weide, wie schon im letzten Jahr monströse Samtfußrüblinge (2. Foto rechts). Somit war der Tag absolut gerettet.

Die Samtfüße wurden am Abend in einer klaren Fleischbrühe mitgekocht.

Viele Grüße Michael«

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Foto: Das kann ja eine heitere Pilzlese für Michael werden. Bitte wasserdichte Gummistiefel anziehen - oder, falls weitere Regenfälle folgen sollten, ein Kanu einsetzen.

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Foto: Wenn umgestürzte Bäume so übersät von schönsten Austernseitlingen sind, macht die frühwinterliche Pilzsuche richtig Spaß.

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Ortenau: Ein Adventskranz der besonderen Art


Foto: Basis für eine »wärmende Pilzsuppe« war für Eva dieser Fund von Samtfußrüblingen und Judasohren. Sie freut sich, dass wieder Winter ist. (3 Fotos © Eva)

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Eva schreibt am 8. Dezember 2020:

»Lieber Heinz-Wilhelm,

ich finde es sehr erstaunlich, welche Pilzfunde in anderen Regionen noch gemacht werden.

Bei uns in der Ortenau ist an Spätherbstpilze nicht mehr zu denken. Judasohren und Samtfußrüblinge wachsen in unseren Auwäldern nun in großer Zahl. Dieses herrliche Leuchten der gelben Samtfußrüblinge macht es leicht, sie schon vom Wegrand aus zu erblicken.

Besonders gefiel mir das Büschel auf einem Baumstumpf, der komplett von überständigen Stockschwämmchen gesäumt war. Ein etwas anderer Adventskranz.

Die sehr gute Ernte habe ich nun auf drei Portionen aufgeteilt. Zwei sind in die Tiefkühlung gewandert, aus der übrigen mache ich heute Abend eine wärmende Pilzsuppe. Schön, dass wieder Winter ist!

Dir und allen Pilzfreunden wünsche ich von Herzen eine besinnliche Adventszeit.

Besten Gruß, Eva

Besuche meinen Blog unter www.waldfeldgarten.blog

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Foto: Die Samtfußrüblinge auf dem Baumstuken aus der Nähe betrachtet...

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Foto: ... und aus der Distanz, wobei der »Adventskranz« mit den vergammelten Stockschwämmchen sichtbar wird.

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Ettlingen: Temperatur hoch - und schon wachsen sie wieder...


Foto: Kaum ließen die Minusgrade nach, da waren sie schon da: junge Schopftintlinge und junge Stadtchampignons. Wie Schopftintlinge sind auch Letztere hervorragende Speisepilze: sie sind hart und vollfleischig und von ausgezeichnetem Wohlgeschmack. Die Art wurde erfolgreich gezüchtet, jedoch nicht auf den Markt gebracht, weil sich keine nennenswerten (finanziellen) Vorteile gegenüber den klassischen Zuchtchampignons abzeichneten. (2 Fotos © Thomas)

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Thomas schreibt am 4. Dezember 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

kaum haben sich die kalten Temperaturen erst einmal wieder verabschiedet, schon legen die Pilze noch einen Endspurt hin.

So staunte ich bei einem kleinen Spaziergang heute Mittag, am Rande unserer Ortschaft im Raum Ettlingen, nicht schlecht: direkt in einem Grünstreifen zwischen Weg und einem gepflegten Spielplatz wuchsen frische junge Schopftintlinge und nur wenige Meter davon entfernt standen mehrere junge Stadtchampignons.

Am frühen Abend war ich dann nochmal mit Korb und Messer an dieser Stelle. Diesmal war es schon fast dunkel und es waren auch keine Kinder mehr da, die mich sonst dabei beobachtet hätten, wie ich hier weiße Pilze sammle. Kein gutes Signal! 

Und ca. 200 Meter weiter beginnt ein Naturschutzgebiet, wo das Sammeln ohnehin tabu gewesen wäre.

Da hier keine Autos fahren und Hunde verboten sind, machte ich mir wegen Schadstoffen keine Sorgen und nahm mir die schönsten Exemplare mit.

Dass es sich hier um den Stadtchampignon handelt, erkennt man eindeutig auf dem zweiten Foto, an der leichten Rot Färbung und ganz wichtig, an seinem doppelten Ring, bzw. einem vorhandenen Ring, obwohl die Teilhülle noch komplett geschlossen ist.

Ich bin gespannt, was der letzte Monat im Jahr noch an Überraschungen für uns Pilzsammler bereit hält.

Viele liebe Grüße an Dich und alle Pilzfreunde, Thomas«

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Birkenporlinge mit Schneehauben trösten Renate ein wenig über ihren zerstörten Buchenwald hinweg


Foto: Fast wie Weihnachtsgebäck auf Zucker, so scheinen die Birkenporlinge dazuliegen. Jüngere ließ Renate weiterwachsen, um bald wieder einen Grund zu haben, in den Schönbuch zu gehen. (2 Fotos © Renate)

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Renate schreibt am 4. Dezember 2020:

»Guten Abend, lieber Heinz-Wilhelm,

ich bin heute auf vereisten Wegen im kalten Schönbuch unterwegs gewesen, um nachzusehen, was von meinen ehemals wunderschönen Buchenwälder noch übrig geblieben ist.

Dort hatte vor etwa 14 Tagen ein Kahlschlag begonnen, den ich mit Worten nicht beschreiben kann. Ich hatte beim Anblick der traurigen Reste dieser Wälder, die ich seit über 35 Jahren kenne, wirklich Mühe, meine Tränen zurückzuhalten. Beinahe in jedem Jahr konnte ich dort bis weit in den Spätherbst hinein wunderbare Steinpilze ernten.

Nun aber lagen die einst mächtigen Bäume gefällt kreuz und quer in verschiedenen, nebeneinander liegenden Buchenwäldern - ein schlimmer Anblick.

Traurig bin ich dann meiner Wege gegangen und kam an einem kleinen Birkenwald vorbei, in den ich mich hineinwagte, obwohl dort viel Gestrüpp, Astwerk und kleine, umgefallene Birken wild herumlagen.

Meine Anstrengung wurde belohnt. Ich fand herrliche Birkenporlinge, die sich wegen der frostigen Temperaturen in den letzten Tagen ein eisiges Mützchen aufgesetzt hatten. Ein kleiner Stamm ist noch voll mit jungen Nachkömmlingen, die ich dort gelassen habe, damit sie wachsen können und ich wieder einen Grund habe, in den Schönbuch zu gehen. Ich denke, der Frost schadet dem Birkenporling nichts.

Leider sind einige Exemplare so hoch angewachsen, dass sie für mich unerreichbar sind. Aber ich hoffe, dass sie kräftig aussporen und an der einen oder anderen gefallenen Birke weitere Porlinge hervorbringen.

So endete dieser traurige Spaziergang doch noch tröstlich.

Lieber Heinz-Wilhelm, Dir und Deinen Lieben ganz herzliche Grüße, einen schönen 2. Advent, der ja gleichzeitig Nikolaustag ist und natürlich auch allen Lesern und Besuchern Deiner wunderbaren Seiten!

Alles Gute und viel Gesundheit von Renate«

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Foto: Dieser Birkenporling hat sich eine Mütze aus Grießelschnee aufgesetzt. Das Wort stammt von Grieß, also von Gekörntem, bzw. von grießen, also von etwas, was gekörnt wird, ab. Die Unterseite ist reinweiß, so dass der Pilz noch sehr gut zu gebrauchen ist. Frost macht ihm nichts aus.

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Zum Saisonende sind die Kronauer Steinpilze kopflos


Foto: Da sind die Steinpilze kopflos geworden im Hause Michael. Sechs stramme Stiele hat er zur Verwertung aus dem Wald mitgenommen, die Hüte waren nicht mehr brauchbar. Rechts oben noch ein kleiner Maronenröhrling, darunter die, die Michael eigentlich im Visier hatte: Samtfußrüblinge. (Foto © Michael)

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Michael schreibt am 1. Dezember 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

über Nacht hat es bei uns geschneit. Aber der wenige Schnee war bereits am Vormittag fast komplett geschmolzen.

So begab ich mich in den Wäldern um Kronau an meine Stellen mit den Samtfußrüblingen. Ich hatte lediglich eine Stofftasche dabei. Ein paar Samtfüße konnte ich auch mitnehmen, viele Kleine dürfen noch wachsen.

Was mich aber besonders gefreut hat, war, dass ich tatsächlich noch Steinpilze und eine Marone finden konnte. Bis auf ein Exemplar konnte ich von den Steinpilzen allerdings nur die Stiele verwenden, die noch von erstaunlich guter Qualität waren. Die Hüte waren bereits durch Frostbrand geschädigt. Trotzdem kann ich sagen: so spät im Jahr habe ich bisher noch keine Steinpilze gefunden.

Viele Grüße Michael«

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