Pilzticker BaWue 273: Pilzfunde in Baden-
Wuerttemberg vom 03.11.2020 - 05.11.2020



Pilzticker BaWue 273




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Die Jumbokastanien begeistern Michael aufs Neue und liefern einen herrlichen Nebenfund


Foto: Eine Marone zwischen Maronis - so könnte man dieses Foto betiteln. Wo Esskastanien stehen, ist es nicht selten ein Paradies für Röhrlinge. So wachsen neben dem Steinpilz auch Sommersteinpilze und Schwarzhütige Steinpilze (Bronzeröhrlinge) gerne bei ihnen. (3 Fotos © Michael)

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Michael schreibt am 5. November 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

zusammen mit Suri war ich nochmals Esskastanien sammeln. Es kam wieder eine ordentliche Menge der riesigen Kastanien zusammen, siehe das Foto rechts. Auch fanden wir dort im nahen Umkreis noch einige Steinpilze, Flockis, Maronen, Trompetenpfifferlinge, Edelreizker, Rotfüße, Violette Rötelritterlinge und sogar noch 3 Pfiffers.

Viele Grüße Michael und Suri«

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Foto: Ein Nebenbeifund, den Michael und Suri beim Sammeln der großen Esskastanien machten. Die Steipilze und Hexenröhrlinge geben trotz fortgeschrittener Jahreszeit immer noch nicht auf.

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Herrliche Steinpilze für Heiko und Finn bei Calw

»Fast wie in besten September-Tagen«


Foto: Ein traumhafter Anblick im November-Wald sind diese zwei Steinpilze an einem Waldrand beziehungsweise am Rand einer Lichtung. Einfach wunderbar, wie sie dastehen im Gewühle von feinem Geäst, der Streu und Fichtenzapfen. Ein herrliches Motiv von der überreifen Pilzzeit im Herbst!

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Heiko schreibt am 5. November 2020:

»Lieber Heinz-Wilhelm,

ich komme gerade mit meinem Sohn Finn, der heute schulfrei hatte, von einer 3-stündigen Tour durch die Fichtenwälder bei Calw im Nördlichen Schwarzwald zurück.

Nachdem die letzten Tage wechselweise bis zu 20 Grad und Regenfälle mit weiterhin milden Temperaturen brachten, ging es heute wieder auf 3 Grad runter, als wir den Wald betraten.

Die Morgensonne wärmte uns jedoch schnell, und als wir dann auch sofort die ersten Funde machten, wurde uns richtig heiß ums Herz... 😊

Finn wollte seine Suche auf Röhrlinge konzentrieren. So kam im Laufe des Vormittags ein wunderbar gefüllter Korb mit Fichtensteinpilzen und Maronen zusammen. 

Ich kann in meinem Stammwald noch keinen Rückgang der Steinpilze feststellen. Wir ließen noch viele schöne Exemplare zum Ende der Tour stehen, um die Sammelgrenze für uns beide nicht zu überschreiten. 

Klasse, welche Exemplare noch zu finden sind! Fast wie in besten September-Tagen...

Beste Grüße Dir und allen Pilzfreunden

Heiko«

(4 Fotos © Heiko)

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Foto: Der Steinpilz und sein Anzeiger: fast erweckt dieses Bild den Eindruck, als wolle der Steinpilz höflich zur Seite rücken, um dem Fliegenpilz einen bequemen Stand zu ermöglichen.

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Ein Hallimasch-Verkostungsauftrag für den etwas lichter gewordenen Wald bei Hambrücken


Thomas schreibt am 4. November 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

da ich wegen der steigenden Corona Fallzahlen seit heute im Home Office bin, hatte ich nach Feierabend endlich mal wieder gut zwei Stunden Zeit, um mir ein sehr interessantes Waldgebiet im Hardtwald zwischen Graben-Neudorf und Hambrücken anzusehen. Schon 6 Jahre war ich nicht mehr dort. 

So habe ich leider auch ein bisschen den Bezug zu diesem Waldstück verloren. Dieser Wald war einer der ersten, den ich nach meinem Umzug 2001 von Mannheim nach Karlsruhe erkundet hatte. Es ist ein Rotbuchen-Hainbuchen-Kiefernwald, in dem Fichten und Birken vereinzelt und in Grüppchen vorkommen. Eichen fehlen gänzlich.

Damals war es ein sehr ertragreiches Waldstück u.a. für Perlpilze, Rotbraune Scheidenstreiflinge, Pfifferlinge, Fichtensteinpilze, Raufüße aller Art und Semmelstoppelpilze. Nachdem die Krone über die Jahre aber immer dichter geworden ist, wurde dieser Wald auch sehr dunkel. Somit zogen sich viele Arten mehr und mehr zurück und die Wulstlinge nahmen überhand.

Infolge der letzten Dürrejahre, so vermutete ich, hätte sich der Wald wieder ein bisschen gelichtet. Das war auch an einigen Stellen der Fall, allerdings eher durch abgestorbene Birken, Fichten und auch Kiefern. Insgesamt ist er aber immer noch recht dunkel.

Gesammelt habe ich dort eine ganze Menge an stattlichen Herbstrotfüßen, Maronen, zwei Pfefferröhrlinge, 3 Steinpilze plus ein wenig Verschnitt, einen der vielen XXL-Butterrüblinge, einen Parasol und zwei kleine Frauentäublinge (Foto rechts). Dazu kam noch ein Strunk Hallimasch, für den ich von einem Bekannten einen Sammelauftrag zum Probieren bekommen hatte.

Ich selber sammle diesen Pilz nicht mehr. Hallimasch, wie auch die Goldgelbe Koralle, hatte ich mit 9 Jahren nach meinem ersten Pilzeseminar der DGfM mit meiner Mutter zentnerweise bei Aglasterhausen im Odenwald gesammelt. Die haben wir dann tagelang geputzt, geschnitten, gekocht, in Gefriertüten verpackt und eingefroren. Und das, Jahr für Jahr. Kurz gesagt: ich habe mich an beiden satt gesehen und gegessen.

Zu guter letzt kamen noch viele Violette, Zweifarbige und ein paar Rötliche Lacktrichterlinge hinzu. Für die Zweifarbigen kann man allerdings das »-linge« streichen, denn das waren ordentliche Trichter. Von denen verwende ich allerdings nur die Köpfe, da sich die Stiele wegen ihrer Zähigkeit nicht zum Zubereiten eignen. Zum Trocknen für Pilzpulver allemal.

Gefreut hat mich zudem, dass an den lichteren Stellen viele Leichen von Raufußröhrlingen zu finden waren, was für die Zukunft einiges verspricht. Vermutlich Birkenpilze, aber über die genaue Art konnte man vor Ort nichts mehr sagen. Auch Steinpilze im fortgeschrittenen Zersetzungsalter standen noch einige da.

(7 Fotos © Thomas)

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Exkurs Wulstlinge:

Wo die Panther schlafen und sich die Kegelhütigen Knollis
als Scheidenstreiflinge in den Korb schmeicheln wollen


Foto: In Thomas' Amanita-Wald werden die Steinpilze gut bewacht. So kann man den Umstand, dass Fliegenpilze nicht selten ein Hinweisgeber für Steinpilze sind, originell umschreiben. Auch Fliegenpilze zählen zur Gattung der Wulstlinge.

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(Fortsetzung von Thomas)

Wegen des massenhaften Auftretens der Wulstlinge ist dieser Wald keinesfalls etwas für Anfänger. Oder, im Gegenteil, vielleicht erst recht? Aber dann nur mit erfahrener Begleitung!

Ich nannte dieses Gebiet damals schon Amanita, Wald des Todes. An dieser Titulierung hat sich für mich bis heute nichts geändert.

Wie man auf dem 1. Foto sieht, werden dort die Steinpilze sehr gut bewacht: wo man hinsieht, rote und gelbe Köpfe mit weißen Punkten.

Auf seinem Weg  muss man immer wieder Slalom laufen und sich ganz ruhig verhalten, damit man nicht einen von hunderten schlafender Panther(-pilze) weckt (2. 3. u. 4. Foto).




Foto: Etwa ab dem mittleren Alter neigen Pantherpilze stark zur Riefung, hier gut erkennbar. Manschette nicht gerieft! Die Knolle ist vom Stiel deutlich abgesetzt und zeichnet sich durch serpentinenartige Kreise den Stiel hinauf aus.

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Foto: Hier ist die vom Stiel wulstig abgesetzte Knolle des Pantherpilzes noch einmal deutlich zu erkennen. Nicht ganz so gut zu sehen sind ihre Ringe (Kreise) darüber, die am Stiel regelrecht »aufzusteigen« scheinen.

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Zu diesem Foto schreibt Thomas: »Hat man seinen Korb womöglich erst zur Hälfte mit Speisepilzen gefüllt, darf man nicht begehrlich werden und sich von einem der etlichen, tief im Moos steckenden Kegelhütigen Knollenblätterpilze täuschen lassen. Nur weil der Ring auch mal fehlen kann und der Hutrand vielleicht eine minimale Riefung aufweist, hat man auf einmal einen Weißen Scheidenstreifling im Korb liegen, der in Wirklichkeit keiner ist und unter Umständen auch der letzte Pilz sein kann, den man im Leben isst.«

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Und zu diesem Foto schreibt Thomas: »Auch der Grüne Knollenblätterpilz, der die Eichen und Rotbuchen bevorzugt, ist sehr stark vertreten, aber schon weiter fortgeschritten. Ich habe gerade noch das fotogenste Exemplar fotografieren können, bevor das obere Drittel mitsamt Hut abknickt. Wie man am Stiel erkennt, schmeckt er den Schnecken vorzüglich. Die werden auch morgen, übermorgen und die nächsten Tage noch genüsslich daran weiterschmatzen, denn ihnen macht das Gift der Knollenblätterpilze nichts aus.«

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Folgen weitere Dürrejahre, wovon ich ausgehe, werde ich mir dieses Stück Wald wohl wieder etwas öfter ansehen. Mit zunehmender Trockenheit dürfte sich auch die Baumstruktur verändern.

Viele Grüße an Dich und alle, Thomas«

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Ortenau: Ein böser Geselle mischt sich unter die aufkommenden Spätherbstpilze


Foto: Die Zeit, in der sich Evas Korb überwiegend mit Röhrlingen füllte, geht für dieses Jahr dem Ende entgegen. Jetzt bringen die Spätherbstpilze mit Lamellen und Leisten Farbe in den Korb. (4 Fotos © Eva)

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Eva schreibt am 4. November 2020:

»Lieber Heinz-Wilhelm,

während von überall her die beieindruckendsten Röhrlingsfunde gemeldet werden, geht bei uns in der Ortenau die Menge zurück.

Immer noch wandern Maronenröhrlinge, Herbstrotfüße, Pfifferlinge, Ziegenlippen, wenige Steinpilze (heute nur einer) und Reizker in den Korb. Groß im Kommen sind Gelbstielige Trompetenpfifferlinge und Stockschwämmchen.

Mit dem Sammeln der Letztgenannten wollte ich warten, bis ich endlich den gefürchteten Verwechslungspilz finde. Ich habe gejubelt, denn mir sind an einer Baumwurzel eine Menge Nadelholz-Gifthäublinge begegnet, die auch gut zu unterscheiden waren. Mal sehen, ob ich nach der nächsten Wanderung schon die ersten Stockschwämmchen zubereiten werde.


Neu in diesem Spätjahr sind für mich die Funde von Eselsohren (z. B. Foto rechts), die unscheinbar zwischen dem Laub stehen, wenn man sich gerade nach etwas anderem bückt. Dabei sind sie sehr schön anzuschauen - und angeblich schmecken sie auch gut. So oft sehe ich diese Pilze nicht, deshalb möchte ich sie lieber stehen lassen, anstatt sie zu probieren.

An meinen Winterpilzplätzen für Samtfußrüblinge und Austernpilze wurde ich noch nicht fündig, bin aber auf frische Judasohren gestoßen, die ich gerne mitgenommen und bereits getrocknet habe.

Es bleibt spannend im Wald.

Herzlichen Gruß an Dich und alle, die da draußen in den Wäldern unterwegs sind,

Eva«

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2 Fotos: Der Stiel macht den Unterschied. Links sehen wir Stockschwämmchen: vom Ring abwärts ist der Stiel fein gelbbraun geschuppt mit nach unten zunehmender Verdunkelung des Brauns. Rechts sehen wir Gifthäublinge: vom Ring abwärts ist der Stiel weiß-silbrig-grau feinst beflockt, dabei glatt wirkend. Der Stiel ist zur Unterscheidung beider Arten fundamental wichtig. Obwohl der Gifthäubling auch Nadelholzhäubling heißt, wächst er auch an Laubholzstümpfen oder totem Laubholz!

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Heilbronn: »Wie Maronen doch die Qualität eines Gulaschgerichtes anheben, um Klassen!«


Sascha schreibt am 3. November 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

bislang bin ich ein wenig gefrustet, was die Maronenröhrlinge betrifft. An all meinen Stellen gab es bisher nur Fehlanzeige. Die milden Temperaturen lockten mich aber letztlich doch noch einmal hinaus.

Im Wettrennen gegen die untergehende Sonne habe ich dann letztlich gewonnen. Die erste Marone in diesem Jahr! Mit dem einmal geschärften Blick konnte ich noch einige weitere finden. Einfach herrlich! Da hat man diesen wunderbaren Pilz in der Hand und freut sich über den leicht nassen, schmierigen Hut und denkt schon an das Gulasch am kommenden Wochenende. Wie Maronen doch die Qualität dieses Gerichtes anheben - um Klassen! Ein Glücksgefühl!

Zwei klasse Steinpilze landeten ebenso in meinem Korb wie auch viele Rotfußröhrlinge und Pfirsichfarbene Filzröhrlinge. Bei den beiden letzteren galt es natürlich wieder vor Ort genau zu sortieren, da einige schon mit leichtem Schimmel befallen waren.

Die Maronenröhrlinge waren meist sehr jung und tadellos, so dass ich ein wenig die Hoffnung hege, dass noch ein paar nachkommen werden. Einer meiner gefundenen Steinpilze hat sicherlich leise vor sich hingelacht, da ich bestimmt drei Minuten direkt vor ihm stand, bevor ich ihn wahrgenommen hatte :-)

Ich werde dranbleiben die nächsten Tage und berichten. 

Liebe Grüße aus dem Heilbronner Land

Sascha»«

(Foto © Sascha)

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