Pilzticker BaWue 252: Pilzfunde in Baden-
Wuerttemberg vom 19.07.2020 - 30.07.2020



Pilzticker BaWue 252




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Übersicht aller bisherigen Pilzticker Baden-Württembergs




Ein toller Fund trotz totaler Dürre in der Region Bruchsal: Auf einmal stand Michael mitten im Hexenkessel


Foto: Das hat wirklich Seltenheitswert in diesen Tagen: Diese vielen herrlichen Flockenstieligen Hexen hat Michael im Dürreland Baden-Württemberg an einem einzigen Platz gefunden. Auch der war zu seiner Überraschung total ausgetrocknet. Über die Jahre hat sich auf dieser Website immer wieder gezeigt, dass Flockenstielige Hexenröhrlinge noch die beste Widerstandsfähigkeit gegenüber Hitze und Trockenheit von allen bei uns verbreiteten Röhrlingsarten haben.

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Michael schreibt am 30. Juli 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

In der Region Karlsruhe und Bruchsal ist es weiterhin staubtrocken, was auf den Bildern auch gut zu sehen ist. Trotzdem hatte ich heute den Drang, meine Pilzstellen bei Kronau aufzusuchen. Dabei konnte ich erfreut feststellen, dass mein Riecher immer noch gut funktioniert.

Zwar war der Wald erschreckend pilzleer, doch an einer einzigen Stelle fand ich auf dem ausgedörrten Waldboden viele Flockenstielige Hexenröhrlinge (ein junger z. B. auf dem Foto rechts). Ich befand mich quasi im Hexenkessel.

Viele Grüße Michael«

(5 Fotos © Michael)

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Foto: Das Habitat, in dem diese zwei Flockis wachsen, lässt gut erkennen, wie knochentrocken der Waldboden derzeit im Großraum Karlsruhe ist. Und nicht nur dort.

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Foto: Hier eine Dreiergruppe im ausgedörrten Wald...


Foto: ... und hier sogar eine 4er-Familie von Flockenstieligen Hexen auf wie verstaubtem Waldboden. Wenn man weiß, dass diese Pilzart vergleichsweise wenig von Maden befallen wird, ahnt man, was dieser Fund in diesen pilzarmen Tagen im Südwesten wert ist.

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Waldbrandgefahr statt Pilzfundfreuden: Sorgen um den Zustand weiter Waldflächen bei Calw


Foto: Heiko und Ronny haben einige Breitblättrige Glucken bei Calw gefunden. Und zwar nur dort, wo noch Restfeuchte im Moos vorhanden war. Meist sind sie an das Wurzelgeflecht von Laubbäumen, seltener von Nadelbäumen gebunden. (2 Fotos © Heiko)

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Heiko schreibt am 30. Juli 2020:

»Guten Morgen Heinz-Wilhelm,

den gestrigen Mittwoch nutzten Ronny und ich, gemeinsam einige Wälder und Hänge im Nördlichen Schwarzwald in der Region Calw aufzusuchen, um uns ein Bild der aktuellen Situation zu machen.

Teilweise waren wir wirklich erschrocken, wie vertrocknet ganze Waldstücke sind (abgestorbene Baumkronen, verkrustete und teilweise aufgeplatzte Bodenstrukturen etc.). Ein weiterer Umstand war ebenfalls schockierend: Holztransporter und Harvester waren im Minutentakt auf der Straße unterwegs. Hier macht die Holzwirtschaft momentan scheinbar richtig Kasse!

Die Folgen: in großen Waldstücken knallt die Sonne jetzt ungeschützt in den lichten Wald, letzte Feuchtigkeit verdunstet noch schneller, der Kreislauf des Absterbens und Abholzens wird sich fortsetzen.

Nun aber zu unseren Funden, denn Spaß hat der Ausflug trotzdem gemacht. In ausschließlich schattigen und moosigen Gebieten, wo sich eine Restfeuchtigkeit halten konnte (wie soll es auch anders sein), entdeckten wir prompt schöne Goldröhrlinge, Breitblättrige Glucken, ein tadelloses Exemplar vom Falschen Anhängselröhrling (durfte selbstverständlich im Wald bleiben) sowie zwei Fichtensteinpilze, die aber bereits beide überständig waren. Keine große Ausbeute, dennoch haben wir uns gefreut.

Die nächsten Tage sollen noch einmal Temperaturen von über 35 Grad bringen. Erst dann könnte es ein wenig abkühlen und eventuell Regen geben. Drücken wir die Daumen! Denn für unsere Region gilt definitiv, was schon Michael aus Kronau in einem seiner letzten Berichte geschrieben hatte: „Wenn das so weitergeht mit der Hitze, wird es die nächste Zeit nichts mit Pilzen werden.“

Beste Grüße Dir und allen Pilzfreunden

Heiko und Ronny (Pilzfreund71 auf Youtube)«

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Foto: Der Falsche Anhängselröhrling blieb im Wald. Und zwar im Nadelwald, denn die Art sucht sich Nadelbäume als Baumpartner aus, weshalb sie auch Nadelwald-Anhängselröhrling genannt wird.

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Pilzgang die Murr entlang: An den der Sonne abgewandten Hängen lässt sich ein wenig finden


Foto: Es sollte der einzige Steinpilz bleiben, den Ronny bei seinem mehzstündigen Waldgang die Murr entlang fand. Es ist zu trocken. (2 Fotos © Ronny)

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Ronny schreibt am 29. Juli 2020:

»Lieber Heinz-Wilhelm,

leider setzt sich die extreme Trockenphase mit Temperaturen jenseits der 30° Grad fort. Der Wald ächzt förmlich unter der Dürre, da erklärt es sich von selbst, dass sich Pilze momentan nur spärlich finden lassen. Die Regenmengen im südlichen Teil von Baden-Württemberg sind in den vergangenen Wochen deutlich üppiger ausgefallen als bei uns in der mittleren oder der nördlichen Region.

Aus diesem Grund schritt ich am gestrigen Dienstag auf meiner mehrstündigen Tour entlang der Murr in Richtung Fornsbach ausschließlich sonnenabgewandte Hänge ab und hoffte dort auf Pilzfunde.

Im unteren Teil der Hänge hatte ich auch tatsächlich Glück. Gefunden habe ich einen Fichtensteinpilz, Pfifferlinge, Täublinge, einen Riesenschirmling und ein paar Lungenseitlinge.

Ganz besonders habe ich mich über den Fund vom Langstieligen Pfeffermilchling gefreut, der aufgrund seiner Schärfe nur bedingt und nur bei sehr wenigen Pilzsammlern für Speisezwecke Verwendung findet. Auch über den Fund von Wurzelnden Bitterröhrlingen, die regional selten und aufgrund ihrer Magen-Darm-Unverträglichkeit keine Speisepilze sind, konnte ich mich freuen.  

Der Großteil meiner Entdeckungen blieb wegen der schon deutlich sichtbaren Trockenschäden im Wald. Von den verbliebenen Funden bereitete ich mir ein leckeres Abendbrot zu.

Ich wünsche allen Pilzfreunden schöne Funde und weiterhin eine gute Pilzsaison!

Bis bald, liebe Grüße Ronny (Pilzfreund71 auf Youtube)«

Blau = ungenießbar

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Foto: Das Ergebnis eines mehrstündigen Pilzganges: Parasol, Steinpilze, Lungenseitlinge, Pfeffermilchling, Pfifferlinge und Täublinge (im Uhrzeigersinn).

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Foto: Dies ist das Jahr der Wurzelnden Bitterröhrlinge. Dort, wo sie traditionell wachsen, erscheinen sie in teils riesigen Mengen. Diese Kolonie, nur eine von mehreren gleichgroßen, habe ich in Greifswald am Rande eines Schulgeländes fotografiert. Gut sind bei den entnommenen Pilzen der kräftige Wurzelansatz und die starke Blaufärbung zu erkennen, die bei der geringsten Berührung entsteht. Geschmacklich gehen sie in Richtung Gallenröhrling, sind allerdings nicht ganz so bitter. (hwb)

(Foto © p-p-s.com)

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Kaum Pilze, schönes Sommerarrangement


Dieses Foto, ein Sommerstillleben von Glockenblumen, vermutlich Johanniskraut, einigen Pfifferlingen und blauem Messer, schickte uns Simon aus Freiburg i.B. zu mit den Worten: »Marienfarbene Grüße«. (Foto © Simon)

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Zuverlässig wie jedes Jahr: Die seltenen Gelben Hohlfußröhrlinge im Bodenseekreis sind wieder da


Fritz schreibt am 26. Juli 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

in meinen Wäldern im Bodenseekreis fand ich - wie jedes Jahr - wieder einige der seltenen Gelben Hohlfußröhrlinge (Foto rechts), die Speisepilze von mittelmäßigem Rang sind. Dazu zwei Variationen von Semmelstoppelpilzen (blassgelbe und orangerötliche) sowie eine schöne Gruppe Pfifferlinge.

Außerdem landete noch eine schöne Mahlzeit Flockis in meinem Pilzkorb.

Grüße aus dem Bodenseekreis, Fritz«

(Foto © Fritz)

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Sehr lesenswert!

Imker Patrick freut sich über eine Handvoll Pilze und über ein gutes Jahr des exklusiven Weißtannenhonigs


Foto: Die von Blattläusen ausgeschiedene süße Flüssigkeit aus den Tannennadelspitzen, die hier herabgetropft ist und gut auf Buchenblättern zu sehen ist, löste Freude bei Patrick aus. Die Bienen sammeln diesen so genannten Honigtau nur zu gerne. Ein gutes Jahr des edlen Weißtannenhonigs steht bevor, weiß Patrick, der nicht nur Pilzfreund, sondern auch Imker ist. (3 Fotos © Patrick)

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Patrick schreibt am 26. Juli 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

wir wollten wieder einmal in das feuchteste Waldstück von letzter Woche schauen. Wir hatten gar nicht erwartet, junge Pilze zu finden, war es doch bereits zehn Tage her, dass es das letzte Mal geregnet hatte.

Dennoch gab es diverse Pilze im Wald zu finden, auch wenn sich daraus keine üppige Mahlzeit ergab. Wir nahmen ein paar wenige Pfifferlinge und ein kleinen Flockenstieligen Hexenröhrling mit.

Als Imker konnte ich mich aber auch über die »Tautropfen« auf den Blättern junger Rotbuchen unter den Tannen freuen. Es gibt dieses Jahr in Baden-Württemberg guten Tannenhonig*.

Danke für deine Mühe.

Viele Grüße Patrick«

*Die Rarität Weißtannenhonig

Weißtannenhonig ist ein hoch edler Honig, der nur in geringer Menge auf den Markt kommt. Die Nadelspitzen der Weißtannen, die es in Deutschland nur im Schwarzwald in größeren Anpflanzungen gibt, sondern unter bestimmten Witterungsbedingungen eine süße Flüssigkeit ab, die von Blattläusen begierig aufgenommen wird.

Die überfressenen Läuse scheiden daraufhin selbst eine süße Flüssigkeit aus, den so genannten Honigtau, der von Bienen gesammelt wird. Daraus entsteht der deutsche Weißtannen-Honig, der immer aus dem Herkunftsgebiet Schwarzwald/Südbaden stammt. Er schmeckt würzig-herb, hat aber meist eine feinere Süße als andere Waldhonigarten und duftet und schmeckt in besonders vollendeter Note nach Nadeln und Waldboden. Eine Rarität! Mehr dazu hier.

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2 Fotos: Es war nicht viel an Pilzen zu finden, aber immerhin ein junger Flocki (links) sowie einige Frauentäublinge (rechts).

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»Wenn das so weitergeht mit der Hitze...«


Michael schreibt zu diesem Foto am 20. Juli 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

gestern waren Suri und ich an unseren Plätzen in den Wäldern um Kronau. Trotz eines Regens vor fünf Tagen ist der Waldboden entweder weiterhin oder schon wieder staubtrocken. Einige wenige Täublinge und Pfifferlinge konnten wir vor der Hitze retten. Ansonsten standen viele vertrocknete Pilze herum, darunter ein sehr großer Flocki.

Wenn das so weitergeht mit der Hitze, wird es die nächste Zeit nichts mit Pilzen werden.

Viele Grüße Michael und Suri«

(Foto © Michael)

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Schwäbisch Hall: Nur wo der Waldboden etwas feucht war, ließen sich Pfifferlinge finden


Foto: Diese Pifferlinge fand Patrick erst am letzten seiner drei besuchten Pilzplätze im Landkreis Schwäbisch Hall. Hier war der Waldboden feuchter als an den zuvor erfolglos besuchten Stellen. (Foto © Patrick)

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Patrick schreibt am 19. Juli 2020:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

anbei ein Foto von unserem heutigen Pfifferlingsfund aus dem Landkreis Schwäbisch Hall.

Wir waren an drei Standorten, die je rund zehn Kilometer voneinander entfernt lagen. Aber erst an unserem letzten Pilzplatz war der Waldboden infolge der letzten Regenfälle so feucht, dass wir hier einige schöne Pfifferlinge ernten konnten.

Ansonsten fanden wir noch einige Täublinge und Perlpilze, zwei alte und bereits zerfressene Steinpilze, einen Schusterpilz, einen Raufußröhrling und Gallenröhrlinge.

Viele Grüße Patrick«

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