Pilzticker Bawue 156: Pilzfunde in Baden-
Wuerttemberg vom 01.11.2018 - 07.11.2018



Pilzticker Bawue 156




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Drei Arten Hallimasch wachsen derzeit in Michaels Kronauer Wäldern mit ihren Kuriositäten


Foto: Die Krausen Glucken wachsen noch immer, die Hallimasche sind voll in ihrem Zeitplan und die Wiesenchampis halten auch noch gut mit. Rechts unten zwei Kupferrote Gelbfüße. (6 Fotos © Michael)

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Michael schreibt am 7. November 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

hier mal einige Funde der vergangenen Tage. Viele Hallimasche (Zwiebelfüßige, Honiggelbe und Gemeiner), Steinpilz, Maronen, Glucken, Kupferrote Gelbfüße, Wiesenchampignons und ein Flocke durften in den Korb. Zu sehen sind derzeit schönste Spechttintlinge, Fliegenpilze und Gifthäublinge. Das war es leider auch. Mehr wächst derzeit nicht.

Zwei kuriose Begegnungen hatte ich aber noch. Zum einen ein mit einem Baumtrieb verwachsener Tierschädel und zum Anderen eine Kiefer, die mit einer Buche zusammengewachsen ist.

Viele Grüße Michael«

Blau = ungenießbar

Rot = giftig


Foto rechts: Einer der giftigsten Pilze unserer Wälder ist der Gift- oder Nadelholzhäubling. Sein zweiter Name ist irreführend, er wächst ebenso an alten oder kranken Laubbäumen! Und gar nicht selten in direkter Nachbarschaft mit den köstlichen Stockschwämmchen. Hier erkennen wir sehr gut den weiß-silbrig überhauchten Stiel, ein sehr wichtiges Merkmal. Aber: Ist der Pilz älter, geht das Weiß-Silber in ein Braun ähnlich dem Stockschwämmchen über. Dieses hat aber einen häutigen Ring, ab dem stielabwärts braun-gelbe Flöckchen zu sehen sind. Ein ganz wichtiges Merkmal ist auch der Geruch: Das Stockschwämmchen duftet angenehm pilzig, der Gifthäubling widerlich-muffig. 




Foto: Wir sehen links oben einen schönen fetten Flockenstieligen Hexenröhrling und rechts eine stattliche Ansammlung von dreierlei Arten Hallimasch.

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2 Fotos: Zwei Kuriositäten aus dem Laubwald zeigt uns hier Michael. Wahre Liebe unter Bäumen sehen wir im Bild links, wo eine Kiefer und eine Rotbuche in innigster Verbundenheit zum Himmel streben. Was das wohl für ein Baumkind werden wird? Rechts hat ein Hainbuchendorn einen Tierschädel aufgespießt. Hoffen wir, dass es das Werk eines dem Makabren zugeneigten Waldgängers war. Nicht dass ein Reh auf der Flucht blindlings in den Dorn geprescht ist.

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Esserlebnis »Gehämmerte Röhrlinge«:

»Nussiger Geschmack zwischen Hexenröhrling und Champignon«


Foto: Bitte Platz nehmen und Guten Appetit! Die Gehämmerten Röhrlinge krönen ein Entrecôte, die Beigaben von Gefächerten Ofenkartoffeln und Brokkoli-Möhren-Gemüse sind dezent im Geschmack. Leider sind die Pilzscheiben etwas angekokelt. Dennoch: Ein sehr seltenes, ein fürstliches Gericht! (3 Fotos © Jan)

Jan schreibt zu der Schwarzfärbung der Pilze:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

wir haben die Pilze ganz sicher nicht angekokelt: beim Anbraten haben sich die gelblichen Stellen mit Rötungen sehr schnell dunkel, fast schwarz gefärbt. Da musste ich an den gemeinen Birkenpilz denken, der sich beim Erhitzen auch schwarz verfärbt.

Die weißen Stellen sind auch ein wenig dunkler geworden, wobei ich nicht weiß, ob es vom Saft kommt, der aus den dunkleren Stellen beim Schwenken ausgetreten wäre und auf die Weißen Stellen gefärbt hätte oder ob die Weißen Stellen sich auch grundsätzlich verfärben, jedoch nicht so stark.

Viele Grüße, Jan«

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Jan und Elke schreiben am 5. November 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

das Nachspiel bzw. Schlusswort zu unseren Gehämmerten Röhrlingen wollen wir dir nicht vorenthalten.

Auf den Geschmack eines solch seltenen Pilzes waren Elke und ich natürlich sehr gespannt. Um es so unverfälscht wie möglich zu genießen, haben wir uns für eine einfache Zubereitungsart entschlossen: rein in die Pfanne mit ein wenig Butter und ganz wenig Salz -  sonst nichts. Wer will, kann ja immer noch im Teller nachpfeffern.

Dazu gab es Entrecôte (eigentlich T-Bone, nur ohne Knochen), Gefächerte Ofenkartoffeln mit Thymian und gedämpftes Brokkoli mit Möhren.

Fazit: Es war köstlich! Die Gehämmerten Röhrlinge waren der Hammer. Sie hatten einen nussigen Geschmack - zwischen Hexenröhrling und Champignon. Ihr Fleisch war richtig schön fest. Unserer Meinung nach sind sie sehr gute Speisepilze!

Viele Grüße Jan & Elke«

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Foto: Sorgsam haben Jan und Elke die ebenso köstlichen wie kostbaren Pilze ausgebacken. Sie prangen in Goldgelb. 

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Foto: Und hier noch einmal die Fleisch- und Gemüsezutaten neben den in Scheiben geschnittenen Pilzen.






Nordvogesen: Jan und Elke schmückten ihre Körbe auch mit Sommersteinpilzen


Foto: Die Steinpilze auf diesem herbstlichen Pilzstillleben sind Sommersteinpilze (Boletus aestivalis). In milden Jahren wie diesem ist es gar nicht so selten, dass sie noch im Spätherbst auf uns warten. In der Schüssel links der Pilz mit dem dicken Stiel sieht zwar aus wie ein Steinpilz, ist aber ein Maronenröhrling. (3 Fotos © Jan)

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Jan und Elke schreiben am 5. November 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

da wir bei unserem letzten Versuch am Freitag im Schwarzwald leider mit leeren Körben heimgekommen waren, haben wir uns am Sonntag bei schönem Wetter für einen Ausflug in die französischen Nordvogesen entschlossen.

Dies war eine gute Wahl: eine Krause Glucke (Foto rechts), drei schöne Sommersteinpilze, fünf Flockenstielige Hexenröhrlinge und eine Schar Maronenröhrlinge schmückten unsere Körbe auf den Heimweg.

Viele Grüße Jan & Elke«


Foto: Schön hat hier Jan den Stiel der Flockenstieligen Hexe in Szene gesetzt. Die teils feinen, teils gröberen Flocken sind gut zu erkennen.





Endlich Zählbares: Corinna findet in der Ortenau nach langer Flaute Braunschuppige Egerlinge


Foto: Braunschuppige Egerlinge sind ausgezeichnete Speisepilze. Sie duften etwas nach Marzipan und schmecken fein nussig. Die Pilze sind auch als Heilpilze interessant, sollen das Tumorwachstum bestimmter Krebsarten hemmen. Auch wurde der Nachweis erbracht, dass sie das belastende Stäbchenbakterium Helicobacter pylori im Magen bei seinem Wachstum hemmen. (Foto © Corinna)

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Corinna schreibt am 5. November 2018:

»Hallo liebe Pilzfreunde,

endlich waren mir das Wetter und das Glück hold. Ohne Pilzmesser, Pinsel und Korb lachten mich am Wegrand leckere Braunschuppige Champignons an. Auf den Boden schaue ich natürlich auch beim winzigsten Fußweg.

Ich werde vorsichtshalber jeden aufschneiden, damit nicht einer mit weißen Lamellen darunter ist.

Endlich war dies mal ein Ergebnis. Immer, wenn ich dieses Jahr auf die Pirsch ging, war ich erfolglos, auch weil ich einige Pilze noch nicht so gut kenne. An jeder Kiefer habe ich nach der Krausen Glucke geschaut. Eine Schwefelporlingsmahlzeit hat es mal gegeben. Irgendwie war es hier in der Ortenau wohl am trockensten. Selbst im pilzreichen Nachbartal: nichts!

Ein bisschen mit dem Wetter versöhnt, grüße ich Euch!

Eure Corinna«

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Ein Hammer-Fund von Jan und Elke: Sehr seltene Gehämmerte Röhrlinge bei Bühl, so spät im Jahr!


Foto: Dieser Fund ist der Hammer - und so ähnlich heißen sie auch. Es sind Gehämmerte oder Marmorierte oder Blasshütige Röhrlinge, die Jan und Elke am Stadtrand von Bühl im Landkreis Rastatt gefunden haben. Das sind seltene bis sehr seltene Pilze, deren Fund unserer Website bislang zwei Mal gemeldet wurde. Hier aber erstmals mit charakteristischen Fotos. (3 Fotos © Jan)

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Jan und Elke schreiben am 1. November 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

uns ist gestern am Stadtrand von Bühl südlich Baden-Baden auf einer begrasten Böschung eine Röhrlings-Gesellschaft über den Weg gelaufen, die wir nicht identifizieren können.

Der Fuß ist ballig, an der angespitzten Basis Purpur rot bis weißlich und seine Oberfläche flockig; besonders auffällig ist, dass der Fuß tiefe Spalten aufweist. Der Hut ist trocken, hellbraun mit kleinen Rissen. Die Röhren sind bei jüngeren Exemplaren hellgelb und bei älteren olivgrün; bei Fingerdruck entsteht keine Verfärbung.

Geschnitten ist das Fleisch gelblich mit Tendenz zur Rötung am Fußansatz und im Hut, im Fuß sonst weiß - es ist beim Schneiden keine bläuliche Verfärbung festzustellen.

Hexen, Satan, Schönfuß, Anhängsel oder Kornblumen-Röhrling würden wir aufgrund der nicht vorhandenen Verfärbung der Poren und des Fleisches ausschließen.

Ist es vielleicht der Fahle Röhrling oder der Echte Königsröhrling?

Im voraus besten Dank für deine Hilfe!

Viele Grüße Jan & Elke«

Hallo Jan & Elke,

dies ist, vor allem angesichts des letzten Oktober-Tages, ein Sensationsfund!

Es sind Gehämmerte Röhrlinge oder, wie sie auch genannt werden, Marmorierte Röhrlinge oder auch Blasshütige Röhrlinge. Auch wenn sie nicht so gut schmecken sollen wie Steinpilze - dieser an sich schon sehr seltene Fund ist Grund zur Freude, erst recht so spät im Jahr!

Es sind Mykorrhizapilze, die an Laubbäume, bevorzugt Hainbuchen und Eichen, gebunden sind und die in den nächsten Jahren an Euerm Fundort wieder wachsen sollten. In einem normalen Wetterjahr allerdings bereits deutlich früher als Ende Oktober.

Herzliche Grüße Heinz-Wilhelm

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Foto: Typisch für Gehämmerte Röhrlinge ist erstens, dass sie keinerlei Blaufärbung bei Druck und Schnitt aufweisen; zweitens die lebhafte rötlich-braune Färbung und Flockung zur Stielbasis hin und drittens der markante Wurzelfortsatz an der Stielbasis. Dass die Stiele hier aufgerissen bzw. aufgespalten sind, ist kein Artmerkmal, sondern allein auf die Trockenheit zurückzuführen.

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Foto: Weißes bis lebhaft gelbes Fleisch, Rot-Braun-Färbung zur Stielbasis hin und keinerlei Blaufärbung beim Schnitt - das sind wichtige Merkmale des Gehämmerten oder Marmorierten Röhrlings. Ein toller Fund von Jan und Elke, belegt mit sehr schönen Fotos!

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