Pilzticker Bawue 155: Pilzfunde in Baden-
Wuerttemberg vom 21.10.2018 - 31.10.2018



Pilzticker Bawue 155




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Heikos beherzte Aktion zum Saisonende:

Müllentsorgung im Steinpilzrevier zusammen mit der kleinen Tochter

Heiko schreibt am 31. Oktober 2018:

»Lieber Heinz-Wilhelm,

nachdem in unserem Lieblingsgebiet bei Calw die Pilzsaison zwar vorbei ist, aber über die letzten Jahre die Verschmutzung zugenommen hat, habe ich mich mit meiner Kleinen (Foto rechts mit Abfalltüte) heute Morgen zum Säubern unseres wertvollen Steinpilzgebietes aufgemacht.

Viele Flaschen und viel Plastik wanderten in die Mülltüte. Ein schöner Hexenröhrling lief uns dabei auch über den Weg.

Beste Grüße - und kommt alle gut über den nahenden Winter!

Heiko«

(3 Fotos © Heiko)

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2 Fotos: Die Klagen häufen sich, dass die  Wälder immer mehr zu wilden Mülldeponien verkommen. Heiko zog deshalb mit seiner kleinen Tochter los, um wenigstens das Gröbste aus seinem Steinpilzrevier zu entfernen. Damit auch im nächsten Jahr so schöne Flockenstielige Hexenröhrlinge (Foto rechts) und hoffentlich auch wieder schöne Steinpilze in sauberer Umgebung wachsen können.







So lecker hat Michael sein erstes Hallimasch-Gericht zubereitet - frei Schnauze



Michael schreibt am 31. Oktober 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

zu Deiner Frage, ob ich für mein Hallimasch-Gericht die Pilze abgekocht habe und wie ich mein erstes Hallimasch-Gericht zubereitet habe:

Ich habe die Hüte zuerst vom Stiel befreit. Die Pilze habe ich ca. 30 Minuten abgekocht und das Wasser weggeschüttet. Der Geschmack leidet darunter in keinster Weise.

Anschließend habe ich eine Schalotte und eine kleine Knoblauchzehe sehr fein gehackt und zusammen mit 100 Gramm kräftigem durchwachsenen Speck in Olivenöl angebraten. Die Hallimasche dazu und ca. 15 Minuten mitbraten. Zum Schluss 2 Esslöffel Butter in der Pfanne schmelzen lassen und mit Salz und Pfeffer abgeschmeckt.

Parallel habe ich Spaghetti bissfest abgekocht, abgesiebt und anschließend in der Hallimasch-Buttersoße geschwenkt. Mit Parmesan bestreut und serviert.

Das habe ich frei Schnauze heraus gekocht und es war sehr, sehr lecker.

Viele Grüße Michael«

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Michaels späte Entdeckung des Hallimasch als einer »der leckersten Pilze mit knackiger Konsistenz«


Michael schreibt am 30. Oktober 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

gestern war ich mit einem guten Freund, den ich vor einem Jahr beim Pilzesammeln kennengelernt hatte, mal wieder zusammen unterwegs. Wir haben viel Hallimasche, einen Flocki, Violette Rötelritterlinge, drei Maronen, Parasol und Schwarzblauende Röhrlinge gesammelt.

Zu bewundern gab es ferner eine schöne Stinkmorchel und viele Fliegenpilze. Ich habe aber das Gefühl, dass hier das Pilzjahr zu Ende geht.

Den »Hall im Arsch«, der den Hallimaschen (Foto rechts), so vermutet man, ihren Namen gab, vertrage ich übrigens bestens, wie ich bei ihrem ersten Verzehr überhaupt feststellen konnte. Sogar mehr, ich finde, er gehört zu den leckersten Pilzen mit knackiger Konsistenz und darf ab sofort in meinen Korb. Jetzt kenne ich den Pilz schon so lange und habe mich nie getraut, ihn zu essen.

Viele Grüße Michael und Andreas«

(Foto © Michael)

Hallo Michael,

mich würde interessieren, ob Du Deine Hallimasche abgekocht oder direkt gebraten hast. Und ob Du, wie Starkoch Antonia Carluccio, ein Pastagericht von ihnen gezaubert hast.

Viele Grüße Heinz-Wilhelm

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Exkurs: Hallimasch kulinarisch

»Der Hallimasch ist einer meiner
bevorzugten Pilze zu Spaghetti«


Der italienische Spitzenkoch Antonio Carluccio (* 19. April 1937 Salerno; † 8. November 2017) zählte den Hallimasch zu den 20 besten Küchenpilzen. In seinem großartigen Kochbuch Pilze für Feinschmecker. 100 ganz besondere Pilzrezepte erinnert er sich auf fast rührende Weise:


»An Hallimasche habe ich mich schon als Achtjähriger herangewagt. Dieser Pilz wächst in kleinen, dichten »Familienverbänden« und trägt daher auch die lokale Bezeichnung »famigliola«.(...)

Dem Jungen von damals machte es großen Spaß, von Baum zu Baum zu gehen, die Körbe mit Pilzen zu füllen und mit dem stolzen Gefühl heimzukehren, zur Ernährung der Familie beizutragen. Meine Mutter bereitete aus den Funden immer die köstlichsten Mahlzeiten.(...)

Im Herbst werden die preiswerten »famigliole« in Frankreich und Italien auf allen Gemüsemärkten angeboten - Seite an Seite mit den kostbaren Steinpilzen, Kaiserlingen und Trüffeln.(...)

Der Hallimasch ist einer meiner bevorzugten Pilze zu Spaghetti. Vorzüglich schmeckt er in Butter mit Knoblauch gebraten, ausgezeichnet auch in Eintöpfen und Suppen oder zusammen mit anderen Pilzen.«

Carluccio mahnt, Hallimasche mindestens 5 Minuten auf hoher Flamme abzukochen und das Kochwasser wegzuschütten.

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Abschied vom Schwarzwald-Pilzjahr im Schnee - mit einem Rothütigen Steinpilz


Foto: Das war eine Abrundung der Saison, wie sie sich Ernst nur wünschen konnte. Sein letzter Fund im Landkreis Calw trug ihm tatsächlich noch einen prächtigen Rothütigen oder Kiefernsteinpilz ein. Er fand die Pilze im Schnee, der heute im Schwarzwald bis zu 15 Zentimeter hoch fiel.

Das zweite Foto - Fliegenpilz mit Schneemütze - stammt ebenfalls von Ernst. Er nahm das anmutige Saisonabschiedsbild auf den Tag genau vor sechs Jahren auf - am 28. Oktober 2012.

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Ernst schreibt am 28. Oktober 2018:

»Lieber Heinz-Wilhelm, liebe Pilzfreunde,

im ersten Schnee konnte ich heute im Schwarzwald noch eine Hand voll Pilze finden, wohl die allerletzten Steinpilze in diesem Jahr.

Ein schöner Kiefernsteinpilz war auch dabei. Ebenso junge kleine Hallimasche. Es standen auch noch einige sehr schöne Fliegenpilze kontrastreich im Schnee.

Die Pilze wurden bereits zu einer leckeren Pilz-Kartoffelpfanne verarbeitet und genossen.

Zum ersten richtigen Frost hoffe ich auf Austernseitlinge.

Liebe Grüße Ernst«

(2 Fotos © Ernst)

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Kronau: Pilze ernten wie Kokosnüsse


Foto: Das Prachtexemplar von einem Flocki prangt heraus aus Michaels Fund in den Kronauer Wäldern. Zum ersten Mal überhaupt will er Hallimasche (links) probieren. Rechts Kupferrote Gelbfüße, sonst sieht man alte Bekannte. Auf dem unteren Foto liegen die geschnittenen Scheiben des Birkenporlings zum Trockengang bereit. (2 Fotos © Michael)

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Michael schreibt am 27. Oktober 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

die letzten Tage kam ich nur kurzfistig in den Wald. Gefunden habe ich noch einen Steinpilz, einen Flocki, eine Krause Glucke, Kupferrote Gelbfüße. Und dieses Jahr werde ich mal Hallimasch ausprobieren. Ich hoffe, der Name macht sich bei mir nicht bemerkbar.

Beim Joggen entdeckte ich an einem glatten, abgebrochenen Birkenstamm einen herrlichen Birkenporling. Leider in cirka vier Metern Höhe. Ich bin dann den Stamm ohne Hilfsmittel hochgeklettert, wie ein Kokospflücker. Schade, dass es niemand filmen konnte, das sah sicherlich urkomisch aus.

Viele Grüße Michael«





War das der Letzte für 2018 in Heikos ergiebigem Steinpilzwald im Landkreis Calw?


Heiko schreibt am 25. Oktober 2018:

»Lieber Heinz-Wilhelm,

ein toller Pilzherbst in den Fichtenwäldern rund um Calw geht zu Ende, zumindest in meinem Suchgebiet.

Heute Vormittag habe ich noch einmal einen Rundgang unternommen, nachdem die letzten Tage etwas Feuchtigkeit gebracht hatten. Aber das Pilzwachstum ist nur noch sehr mager.

Ein einziger madenfreier Steinpilz mittleren Alters (siehe Foto rechts) verirrte sich in meinen Sammelkorb. Seine überständigen Geschwister blieben allesamt im Wald.

Also habe ich mich noch an einigen leuchtenden Fliegenpilzen in der Bilderbuchlandschaft des Nördlichen Schwarzwalds erfreut.

Beste Grüße Dir und allen Pilzfreunden, Heiko«

(Foto © Heiko)

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Michael: »Die Pilze kommen, wann sie kommen sollen, egal, ob es regnet oder nicht«


Foto: »Auffällig in diesem Jahr ist der sehr gute Zustand der Pilze«, schreibt Michael zu diesem schönen Fund. Sein Qualitätsurteil dürfen in diesem Fall Fichtensteinpilze, Flockenstielige Hexen und Kupferrote Gelbfüße (unten rechts) für sich beanspruchen. Auf dem Hochformatbild sehen wir einen Steinpilz im Herbstlaub.

Interessant ist, dass in diesen Tagen überhaupt keine Steinpilzfunde aus Fichtenwäldern gemeldet werden. Die Laubwälder holen das wegen der langen Dürreperiode ausgefallene Steinpilzwachstum im Sommer jetzt im Herbst nach. Den vielerorts spärlichen Regenfällen von vor ein, zwei Wochen hilft jetzt die Nacht- und Morgenfeuchte nach.


Michael schreibt am 22. Oktober 2018:

»Hallo Heinz-Wilhelm,

so langsam kommen in meinen Kronauer Wäldern die Steinpilze. Und das, obwohl es hier bislang immer noch keinen Regen gegeben hat und der Waldboden total ausgetrocknet ist.

Ich sage dazu gerne, die Natur lässt sich nicht reinreden und die Pilze kommen, wann sie kommen sollen, egal, ob es regnet oder nicht.

Außerdem fand ich zwei schöne Flockenstielige Hexenröhrlinge und einige Kupferrote Gelbfüße.

Auffällig in diesem Jahr ist der sehr gute Zustand der Pilze.

Viele Grüße Michael«

(2 Fotos © Michael)

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Landkreis Calw: Stämmig-kernige Steinpilze und andere Pilzleckereien für Mona und Martin


Foto: Ein schönes Küchenstillleben mit geprüfter und für gut befundener Steinpilzware im Längsschnitt. Wie gestern schon Sven, so haben auch Martin und Mona im Landkreis Calw, der für sein starkes und artenreiches Röhrlingsaufkommen bekannt ist, ihr Pilzglück gefunden. Auch an schönen Maronen mangelte es nicht. (3 Fotos © Mona/Martin)

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Mona schreibt am 21. Oktober 2018:

»Hallo lieber Heinz-Wilhelm,

nach dem erfolgreichen Waldausflug von Sven im Landkreis Calw haben wir uns heute spontan entschieden, dort ebenfalls unser Pilzglück zu suchen.

Und siehe da - nach drei Stunden an der frischen Luft war unser Korb reichlich gefüllt. Neben einigen dickbäuchigen Steinpilzen (siehe zwei Einzelfotos), die wir schon im Wald auf Maden geprüft haben (darum sind auf dem Gruppenfoto fast nur halbe Steinpilze zu sehen), gab es relativ viele Maronen, ein paar Trompetenpfifferlinge, einen Flocki sowie einen Semmelstoppelpilz.

Dies war deutlich mehr, als wir erwartet haben. Trotzdem hoffen wir - wie wohl alle Pilzfreunde - in der kommenden Woche auf ein bisschen Regen. Denn noch ist Platz im Vorratsschrank!

Herzliche Grüße an alle Pilzfreunde von Martin und Mona«

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Foto: Ein Prachtsteinpilz im spannungsgeladenen Kontrast von Schatten und Sonnenlicht - und mit Gastschnecke beim Mahl. Das Pilzmesser als Maßstab zeigt, wie kleinwüchsig er noch ist - und dennoch schon ein stämmig-kerniges Kraftbündel. 

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