Pilzticker RP 87:
Funde vom 18.08.2021 - 24.08.2021



Pilzticker RP 87




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Übersicht aller bisherigen Pilzticker Rheinland-Pfalz




Oliver und Margit feiern ihren herrlichen Semmelstoppelfund mit einem deftigen Mischpilz-Bratkartoffel-Gericht


Foto: Ein Korb voller Semmelstoppelpilze für Margit und Oliver. Die Vorliebe für diese Pilzart haben sie nicht exklusiv. Nicht wenige Pilzfreunde schätzen diese Pilze sehr. Vorne sehen wir ein paar Pfifferlinge und offenbar zwei Maggipilze im Korb. Von diesen leicht giftigen Pilzen kann man ein oder zwei unbedenklich ins Mischpilzgericht schneiden.

Ein Geschmacks- oder Würzgewinn ist das allerdings kaum. Kampfermilchlinge sind dagegen wirklich ausgezeichnete Würzpilze. Sie sind allerdings nicht leicht von Rotbraunen Milchlingen zu unterscheiden. Auf dem 2. Foto sehen wir Meister Olli in seinem Element, nämlich beim Schneiden seiner geliebten Semmelstoppler.

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Margit und Oliver schreiben am 24. August 2021:

"Servus Heinz-Wilhelm,

da in unseren Sommerpilzgebieten im Moment keine Pilze wachsen, haben Margit und meine Wendigkeit die Mischwälder nördlich der Nahe aufgesucht.

Die Entfernung zur Nahe beträgt gut 20 Kilometer. Dort hatte es erheblich mehr geregnet als weiter unten im Nahetal.

In den Nadelwäldern kommen schon langsam die Maronenröhrlinge zum Vorschein. Das ist sehr erstaunlich, denn sonst erscheinen sie meist nicht vor Ende September. Sonst fanden wir dort nur die leicht giftigen Maggipilze.

In den Mischwäldern mit hauptsächlich Eichenbestand wuchsen etliche Semmelstoppelpilze und einige Samtige Pifferlinge sowie ein paar Lila Lacktrichterlinge. Unser Gesamtfund konnte sich sehen lassen.

Am Abend gab es eine Pfanne gemischte Pilze und Bratkartoffeln, alles aus einer Pfanne, dazu Frikadellen und gemischten Salat. Gegen den Durst ein gepflegtes Pils. Die Fotos für den Pilz-Ticker-RP hat wieder Margit geknipst.

Bis bald und alles Gute aus den rheinland-pfälzischen Mittelgebirgen wünschen euch lieben Pilzsuchern

Margit und Olli aus dem Nahe-Land"

Blau = ungenießbar

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Foto rechts: Herrliche Farbtupfer im Laubwald sind diese zwei Lila Lacktrichterlinge. Ihr Charme kommt erst zur Geltung, wenn man das gesamte Foto zeigt, ohne es zu beschneiden. (4 Fotos © Margit)

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Foto: Für kühlere Sommer- bzw. Frühherbsttage ist diese deftige Mischpilzpfanne mit Bratkartoffeln, Frikadellen und Salat eine runde Sache. Das schöne Ergebnis eines wieder einmal erfolgreichen Pilzganges für Margit und Olli. 

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Die Kaiserlinge sind durch, ein sehr seltener Dorniger Stachelbart und seltene Gelbporige Raufüße springen ein


Foto: Ein sehr seltener Anblick ist der Dornige Stachelbart. Lediglich Stefan vom Pilz-Ticker-Hessen hatte ihn uns bisher gemeldet. Wir sehen ihn hier an einem verrottenden Buchenstumpf. Der essbare Pilz, dessen Stacheln an der Unterseite in Reihen geordnet sind und an die Zähne eines Kammes erinnern, benötigt als Wirtsbaum starke, dicke faule Bäume. (5 Fotos © Margit)

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Foto: Die fetten Wochen sind erst einmal vorbei, im Korb von Margit und Oliver war diesmal lediglich der Boden bedeckt. Außergewöhnlich für den warmen, oft regenarmen August ist das nicht. 

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Oliver und Margit schreiben am 22. August 2021:

"Servus Heinz Wilhelm,

wir waren erneut auf der Pilzsuche.

Wir suchten den Wald, in dem die Bronzeröhrlinge wuchsen, genauestens ab und Margit fand zu meinem Erstaunen zwei schöne Exemplare Gelbporiger Raufußröhrlinge.

Kaiserlinge haben wir nicht mehr gefunden, sie scheinen durch zu sein. Zu ihnen möchte ich abschließend noch anmerken: sie wachsen nicht nur bei alten Eichen, sondern auch bei jüngeren. Und es stehen auffällig viele Haselnusssträucher in der Nähe der Kaiserlinge.

Aus diesem Wald fuhren wir anschließend weiter in einen Mischwald südlich der Nahe. Dort fanden wir vereinzelt Pfifferlinge und endlich wieder unsere geliebten Semmelstoppelpilze. Margit fand auch vier Flockenstielige Hexenröhrlinge und einige Waldegerlinge.

Einen Tag zuvor fand ich viele Grüngefelderte Täublinge und reichlich junge, geschlossene Parasole, die ich immer "Mikros" nenne, weil sie aussehen wie Handmikrophone. Auf dem Foto rechts ist das, wie ich finde, recht gut erkennbar. Die Grüngefelderten Täublinge stehen fast immer bei Buchen und Eichen. Es sind Pilze, die sich auch in Trockenperioden noch halten, wenn andere Pilzarten längst aufgeben mussten.

Höhepunkt unserer Funde aber war unbestritten ein überaus prächtiger Dorniger Stachelbart, den man in diesem herrlichen Aussehen nur sehr selten zu Gesicht bekommt; siehe das Aufmacherfoto oben. 

Die Fundmenge unserer letzten Gänge hielt sich in Grenzen, denn die Wälder sind ziemlich trocken. 

Das war es vom Pilzsuchteam Margit und Oliver aus dem Nahe-Land"

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2 Fotos: Gelbporige Raufüße (Foto links) sind Begleiter von Eichen und Buchen. Sie sind sehr selten. Rechts einer der Lieblingspilze von Margit und Olli, ein Semmelstoppelpilz. Nicht wenige Pilzfreunde schätzen diese Pilzart wegen ihrer festen Konsistenz und ihres Aromas. Je kürzer die Stoppeln sind, desto besser schmeckt er. Alt wird er bitterlich. 

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Sehr lesenswert!

Kinderfreuden im Wald und bei Tisch: Parasol im Pfannkuchen - aber bitte mit Spinat!


Foto: Kinderwunsch am Ende einer Pilz-Radeltour: Thomas' kleine Tochter wünschte sich zum Abendessen Pfannkuchen mit Rahmspinat. Kurzerhand wurde ein prächtiger Parasol mit in die Eierspeise eingebacken. Ein Rezept, das nicht nur Töchterchen begeisterte. Thomas: "Ich fand es besser als panierten Parasol." (8 Fotos © Thomas)

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Foto: Das Sammelergebnis einer Radeltour mit drei eingelegten Pilzstopps. Neben dem schönen Parasol gab es an Auffälligem seltene Mediterrane Rotfußröhrlinge, sehr schöne orangene Semmelstoppelpilze und einen noch fast reinweißen Grünfelderigen Täubling. 

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Thomas schreibt am 18. August 2021:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

zurück aus dem Bayerischen Wald, verbringen wir die letzte Woche unseres Urlaubes noch auf dem Campingplatz in Rülzheim, wo ich gleich heute nach den Südlichen Ackerlingen gesehen habe. Es war ein trauriger Anblick. Da sie nicht abgeerntet worden waren, sind auch die ehemals ganz kleinen bereits schon wieder vergangen.

Aber die Enttäuschung über meine Pioppinos sollte nicht lange andauern. Denn heute Nachmittag, bei einer kleinen Fahrradtour durch die Wälder von Rülzheim und Herxheim, mussten wir gar nicht erst nach Pilzen suchen. Sie standen einfach nur so da, als wollten sie gefunden werden.

Angefangen hat es schon bei uns auf der Parzelle. Unter einer Linde, direkt neben unserem Pavillon, wuchsen Rötende Rotfußröhrlinge, auch Mediterrane Rotfußröhrlinge genannt, die ich bislang nur hier auf dem Campingplatz unter Linden finden konnte. Lustigerweise fanden wir diese Pilze diesmal auch bei unserer Fahrradtour an allen Plätzen, an denen wir kurz Rast gemacht hatten.

Bei unserem ersten Halt standen direkt neben dem Weg ein paar Pfifferlinge im Eichenlaub und nicht weit davon ein Frauentäubling. An der zweiten Stelle wuchsen unter einer Bank einige Semmelstoppelpilze.


Foto: Mediterrane oder Rötende Rotfußröhrlinge sind bei uns sehr selten, gleichwohl wie die mehrmals gefundenen Kaiserlinge von Oliver und Margit Ausdruck der "Einwanderung" wärmeliebender Pilze in den klimatisch - bislang - gemäßigten mitteleuropäischen Raum. 

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Foto: Rötende Rotfüße haben direkt unter der Huthaut eine markante Rotfärbung (hier nicht zu sehen).

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Foto: Prächtige Echte Pfifferlinge im Eichenlaub. 

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Foto: Sie erinnern fast an Rotkappen, die orangenen Hütchen. Doch dafür sind sie zu klein. Bei näherem Hinsehen erweisen sie sich...

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Foto: ...als prächtige orangefarbene Semmelstoppelpilze. Welch ein schöner Farbkontrast im sattgrünen Moos!

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Auf der weiteren Fahrt sah ich einen Stumpf mit kleinen Pilzchen im Wald. Als ich kurz Halt gemacht hatte, um mich zu vergewissern, dass es junge Stockschwämmchen sind, fand ich noch einen ganz jungen, fast noch reinweißen Grüngefelderten Täubling, der natürlich auch mitkam. Die Stockschwämmchen dürfen aber noch etwas weiterwachsen.

Am letzten Stopppunkt, an dem wir ein kurzes Päuschen gemacht haben, sah ich ein paar Schritte im Wald einen riesigen Parasol stehen.

Recht lustig war hier eine Begegnung mit einem Mann, der ohne Korb in der Hand mal nach links, mal nach rechts in den Wald geschaut hat. Als er an uns vorbeilief, meinte er: „Dieses Jahr gibt es einfach keine Pilze." Meine Frau und ich antworteten beide im gleichen Moment: „Das stimmt aber nicht, das sehen wir ganz anders." Er meinte nur, er würde seine Stellen kennen, aber es wachse rein gar nichts. Meine Frau sagte noch zu mir, ich hätte ihm noch meinen Lieblingsspruch in solchen Situationen vortragen sollen: Ohne Korb oder andere geeignete Transportmittel lassen sich Pilze nur sehr ungerne finden.


Foto: Und hier der prächtige Parasol, der im Pfannkuchen bestens aufgehoben war. Thomas beschreibt unten das Rezept. Wichtig: der Pilz muss wirklich gut durchgebraten werden, sonst ist der Magen beleidigt. Ein Kochfehler, den so mancher Pilzfreund zu Beginn seiner Karriere leidlich durchgemacht hat. Neben Stefan vom Pilz-Ticker Hessen kenne ich noch einen weiteren...

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Da sich unsere Kleine für das Abendessen Pfannkuchen mit Rahmspinat gewünscht hatte, gab es den Parasol heute mal beidseitig in einem Pfannkuchenteig ausgebacken mit Rahmspinat, was ich in dieser Kombination persönlich sogar besser finde, als ihn zu panieren.

Dazu einfach Salz und Pfeffer in die Lamellen des Parasol einrieseln lassen, den Pfannenboden komplett mit Teig füllen und den Parasol mit der Hutoberseite leicht in den Teig drücken. Mit einem Schöpflöffel den restlichen Teig über den Pilz in die Lamellen hinein übergießen und bei kleiner Hitze zirka fünf Minuten braten.

Anschließend den Pfannkuchen wenden und weitere fünf Minuten ausbacken. Eventuell nochmal wenden und von beiden Seiten weitere 1-2 Minuten backen, sodass der Pilz auch durchweg gar ist. Die restlichen Pilze wird es morgen zum Frühstück mit einem Rührei geben.

Viele liebe Grüße, Thomas und Familie"

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