Leserpost 2 Naturschutz und Pilze:
»Sehr gierig und nicht naturverbunden«



Leserpost 2 Naturschutz und Pilze


Sehr lesenswert!

Bludenz, Vorarlberg: Wie die Forst-"Wirtschaft" ein Morchelparadies in einem österreichischen Auwald zerstörte


Lukas schreibt am 4. April 2022:

"Hallo Heinz-Wilhelm, 

erst einmal gratuliere ich zu der tollen Homepage! Es muss unglaublich schwer sein, Tipps ins Internet zu stellen für einen der besten Schätze, den wir in der Natur sammeln können. Ich traue mich meine Funde nicht einmal mehr herzuzeigen vor lauter Angst wegen der Konkurrenz. Egal ob Morchel, Steinpilz oder andere Lebensmittel.

Ich möchte dir hier schreiben, weil es mich einfach freut. Ich wohne in Vorarlberg bei Bludenz und sammle seit meiner Kindheit Beeren, Pilze, Knollen und alles, was man essen kann. Die Morcheln sind natürlich das absolute Highlight, obwohl ich persönlich ein Parasolschnitzel gleichwertig finde und besser als jedes noch so zarte Bio-was-weiss-ich-was-Kalbfleisch.

Bei uns hier gab es einen großen Auwald. Vor etwa acht Jahren kam ich auf die Idee, nach Morcheln zu suchen. Der Auwald besteht hauptsächlich aus Eschen und schönem Sandboden. Die einzigen Nährstoffe dort sind Totholz und das abfallende Laub im Herbst.

15 Kilo Speisemorcheln in einer Woche

Kurze Rede langer Sinn - wir fanden auf Anhieb zwei Speise-Morcheln, eine davon etwa faustgroß. In den darauffolgenden Wochen ging ich jeden Tag in den Wald und suchte systematisch das Gebiet ab, das hinsichtlich seiner Flora sehr vielfältig ist.





Foto rechts: Ähnlich prächtig wie der hier gezeigte Korb voll schöner Speisemorcheln dürften die Funde aus einem Auwald bei Bludenz ausgesehen haben, über die sich Lukas Jahr für Jahr freuen durfte. Damit ist es, der Forst-"Wirtschaft" sei Dank, vorbei. Das Archivfoto stammt von Marie, die diese Morcheln am 1. Mai 2018 in den Isarauen bei München gefunden hatte. (Foto © Marie)

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Als es dann wettermäßig passte, ging es erst richtig los und innert einer Woche fanden wir locker mehr als 15 Kilo Speisemorcheln, wobei wir die kleineren bewusst stehen ließen. Bei uns im Wald stehen die Morcheln fast ausschließlich an Eschen. Je größer der Baum, desto mehr Morcheln darunter.

Im darauffolgenden Jahr dann entdeckten wir auch die Spitzmorcheln, welche etwa einen Monat früher vorkommen. Sie wuchsen in demselben Wald, jedoch an nur einem Platz, der etwa 150 Quadratmeter umfasst. Seit damals hatten wir jedes Jahr reichliche Ernte und Familie sowie Freunde erfreuen sich an köstlichen Morchelgerichten.

Die Konkurrenz ist chancenlos, da ich wirklich täglich den Nachwuchs kontrolliere im April und Mai und inzwischen recht gut weiß, wann welches Areal im Wald die Fruchtkörper austreibt. Der Wald ist weglos und somit von Spaziergängern oder Hundekot verschont. Die Tierwelt: einmalig!

Naja, und was die ForstWIRTSCHAFT in ihrer aufgesetzten Panik gegen das Eschensterben unternimmt, ist hier in Vorarlberg leider eine Katastrophe. In den letzten zwei Jahren wurde der Wald dem Erdboden gleichgemacht: Totalrodung, der Boden wurde umgegraben und gefräst und nun mit Fichten neu bepflanzt.

Souvenirs von der Forstwirtschaft: Müll, Ölfilter und verölter Boden

Sämtliche Versuche bei Gemeinde, Forstamt, Umweltschutzverbänden und sogar auf politischer Ebene blieben erfolglos. Sogar von Freunden, die selber Pilze sammeln, wurde ich als Idiot beschimpft, der keine Ahnung habe von Wald und dem angeblich chinesischen Pilzbefall.

An den großen Lagerplätzen der geschnittenen Bäume war ersichtlich, dass von etwa 50 Stämmen nur drei Stück innerhalb faulig waren. Leider muss der Mensch ja immer eingreifen in die Natur weil diese sich (anscheinend) ja nicht selbst nicht helfen kann.

Morcheln finden wir keine mehr, dafür viel Müll von den Forstarbeitern bis hin zu Ölfiltern und veröltem Boden (nach den Forstarbeiten).

Wir haben auch in den letzten Jahren viele andere Gebiete abgesucht, aber niemals auch nur annähernd einen kleinen Teil der Mengen gefunden wie in diesem Wald. Dieses Jahr werde ich noch einige Gebiete bei Dornbirn und Hohenems erkunden, danach werde ich wohl aufgeben müssen.

Es ist schön, ihre Homepage gefunden zu haben und zu sehen: es gibt noch mehr Jäger und Sammler, die die Morchelsuche betreiben wie ein James Bond.

Ich wünsche ihnen viel Erfolg diese Saison.

Liebe Grüße, Lukas"

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Andreas: »Die Breitblättrige Glucke steht unter Naturschutz«

Andreas schreibt am 30. September 2014:

»Meines Wissens steht die Breitblättrige Glucke, die Pilzfreund X am 28. September 2014 gefunden und mitgenommen hat, auf der Roten Liste der gefährdeten Großpilze in Deutschland und wird dort unter 'stark gefährdet' geführt. Ich persönlich hätte da immer Gewissensbisse. Wie passt dieses Verhalten dazu, dass einige Arten geschützt werden müssen?«

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Gertraud: »Bilder mit unverschämten Mengen weglassen«

Gertraud Bränder schreibt am 15. August 2014:

»Hallo,

wer so viele Pilze sammelt wie X. und Co aus Sachsen-Anhalt, muss aufpassen, dass die Strafe nicht auf dem Fuße folgt. Noch immer gibt es festgelegte Höchstmengen für das private Vergnügen, Pilze zu sammeln.«

Hinweis: Auf dieses Schreiben hin habe ich Frau Bränder meinen Kommentar in leicht abgewandelter Form zugesandt.


Gertraud Bränder schreibt am 20. August 2014:

»Hallo Herr Bertram,

vielen Dank für ihre sehr ausführlichen Darlegungen zum Gesamtthema Wald und Naturschutz. Sie haben in vielen Dingen recht. Ich finde nur, dass man als Naturfreund doch nicht so unverschämt sein kann und ungestraft Fotos mit solchen Mengen gesammelter Pilze postet. Ich gehe seit vierzig Jahren in den Wald und erfreue mich an jedem schönen Pilz, den ich finde. Gehe jetzt jeden Morgen in den Wald und bringe immer etwas mit. Freunde freuen sich darüber.

Herzliche Grüße aus Sachsen Anhalt, genau gesagt aus dem Rastenberger Forst.

Gertraud Bränder«

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Foto: Auch sie zählen zu den Pilzen, die nur begrenzt gesammelt werden dürfen: Espenrotkappen. (Foto © Peter Rohland)

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Gertraud Bränder schreibt am 25. August 2014:

»Hallo Herr Bertram,

wie ich an der täglichen Aktualisierung des Pilztickers sehe, sind sie ein sehr fleißiger Mensch. Auch ein Bild von mir haben Sie veröffentlicht. Vielen Dank dafür.

Ich habe zwischenzeitlich mit einigen Pilzsammlern aus dem Harz gesprochen. Sie alle finden die Sammeljagd von Herrn X. genau wie ich sehr gierig und nicht naturverbunden. So viele Pilze kann man nicht als Privatverbraucher verarbeiten oder verzehren.

Noch wichtiger ist es aber, auch gegen die Horden von Pilzjägern, die professionell losgeschickt werden, zu protestieren. Zum Beispiel in Brandenburg, Potsdam oder in der Mittelmark. Da werden Scharen von Polen ausgesetzt und auf Steinpilz- und Pfifferlingsjagd geschickt. Man traut sich nicht mehr, sein Auto unbeaufsichtigt am Waldrand stehen zu lassen. Ich bin nicht ausländerfeindlich, habe aber diesbezüglich schon einiges erlebt: Auto weg, Reifen demontiert usw.

Ich wünsche ihnen weiterhin viel Erfolg! Wenn Sie entscheiden, welche Bilder in den Pilzticker aufgenommen werden, lassen sie solche mit den unverschämten Mengen einfach weg und informieren Sie die "Pilzsammler", dass sie sich strafbar machen. Das wäre ein Beitrag, der sicher bei einigen zum Nachdenken zwingt.

Mir und meiner Freundin macht es immer Spaß, im Pilzticker zu blättern.

Viele Grüße Gertraud Bränder«

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Foto: Prachtvolle Steinpilze aus dem Ostharz. Von ihnen darf man - streng genommen - pro Person nur ein, höchstens zwei Kilo am Tag sammeln. (Foto © Alinchen)


Ruth: »Im Kanton Zürich ist ein Kilo pro Person am Tag erlaubt«

Ruth  aus der Schweiz schreibt am 29. Oktober 2014:

»Hallo Herr Bertram,

ich finde Ihre Seite absolut toll. Nur wundere ich mich, wie wenig einige Leute die Vorschriften kennen. 2-3 Kilo werden da von einer Person täglich gepflückt. Wahnsinn! Laut Vorschrift im Kanton Zürich ist 1 Kilo pro Person und Tag die vorgeschriebene Höchstgrenze.

Und vom 1.-10. des Monats darf überhaupt nicht gesammelt werden. Meine Tochter und ich haben uns schon gewundert, weil es kaum noch Pilze hat.

Dies einmal zu erwähnen, wäre sicher für einige hilfreich.

Freundliche Grüße Ruth«

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