Leserpost 2 Naturschutz und Pilze:
»Sehr gierig und nicht naturverbunden«



Leserpost 2 Naturschutz und Pilze


††† Der Hardtwald steht voller toter oder todkranker Kiefern - mit ihnen verabschieden sich die Krausen Glucken †††


Tote Kiefern im Karlsruher Hardtwald; Foto © Thomas H. 24.9.23

Markus H. vom Pilzticker BaWue schreibt am 24. September 2023:

"Lieber Heinz-Wilhelm,

heute schreibe ich Dir über den traurigen Zustand unserer heimischen Wälder und die Auswirkungen auf die Pilze.

Vor sieben, acht Jahren fiel mir im Hardtwald zwischen Karlsruhe und Mannheim zum ersten Mal der Rückgang von Pfifferlingen und Krausen Glucken auf. Wo früher Pilze in Massen wuchsen, wurden sie immer seltener.

Dieser Prozess hat sich in letzter Zeit exponentiell beschleunigt und in diesem Jahr seinen Höhepunkt erreicht. Lange Zeit dachte ich, die trockenen Sommer hätten die Mycelien ausgetrocknet.

Aber als ich gestern mit meinem Bruder Thomas in der Nähe von Hockenheim in einem Kiefernwald war, in dem es früher sehr viele Krause Glucken gab, wurde uns schlagartig klar, als wir über viele Kilometer keine einzige gesunde Kiefer mehr sahen: Es muss daran liegen, dass über 90 Prozent der Kiefern abgestorben oder schwer krank sind (siehe alle 5 Fotos) und sie den Pilzen kein Wasser, keinen Zucker und keine Nährstoffe mehr liefern können.

Die Bäume können keine Photosynthese mehr betreiben und kein Wasser mehr über Wurzeln und Rinde transportieren. Und mit den Bäumen sterben auch die Pilze. Wo früher an Tagen wie gestern bei guter Bodenfeuchte und warmen Temperaturen auf wenigen hundert Metern Dutzende von Krausen Glucken standen, gibt es heute keine einzige mehr.


Lagerplatz toten und kranken Kiefernholzes; Foto Thomas H. 24.9.23

Foto: Lagerplatz von Waldkiefern. Etliche sind sichtlich von der Braunfäule heimgesucht, die die Krause Glucke in Kiefern auslöst. Andere der gesägten Stämme dürften den Vertrocknungstod gestorben sein: der Verlust der Nadeln stoppt die Photosynthese, was den Tod der Bäume bedeutet.


Verendeter Kieferkrüppel; Foto Thomas H. 24.9.23
Gebrochene Kiefer; Foto Thomas H. 24.9.23

Ich hoffe, man kann auf den Fotos die fast dystopische Landschaft (= Horrorlandschaft) erkennen, die das Absterben der Bäume hinterlässt: Am Boden unter den kranken und toten Bäumen wachsen über weite Strecken nur noch die invasiven (= gebietsfremden) Kermesbeeren, unter denen nicht einmal eine Buche keimen kann. Auf den Kiefern wachsen Baumpilze, die wir früher nie gefunden haben.

Unsere gefundenen Krausen Glucken mussten wir lange suchen. Auch wenn das immer noch nach viel aussehen mag: es täuscht. Dafür, dass wir kreuz und quer im Wald suchen und 20 Kilometer laufen, ist es eine schwache Ausbeute. Und die, die wir gefunden haben, wachsen nur in den wenigen Ecken, wo es noch ein paar halbwegs gesunde Kiefern gibt.

Für die nächsten Jahre sehe ich schwarz. Keines unserer ehemals guten Gebiete ist verschont geblieben.

Auch andere Pilze sehen wir nur wenige. Wir führen das auf den katastrophalen Zustand der Wälder in der Hardt zurück.

Viele Grüße

Thomas und Markus"

(5 Fotos © Thomas H.)

Fundbilder hierzu gibt es im Pilzticker BaWue, Tageseintrag 24.9.2023

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Kieferntod im Hardtwald; Foto Thomas H. 24.9.23

Foto: Kieferntod im Hardtwald. Einige liegen bereits verendet da, der halbnackte Baum in der Bildmitte ist gebrochen und auch bereits tot. 





††† Oberfranken: Und auf einmal ist der herrliche Steinpilzwald einfach verschwunden†††


Verschwundener Wald Stephan 2,8,23

Foto: Hier war einmal ein Wald, in dem Stephan viele Steinpilze fand. Jetzt ist er weg, es herrscht nur noch Leere und der Himmel ist groß geworden. Das Foto stammt vom 28. Juli 2023. (2 Fotos © Stephan)

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Stephan schreibt am 2. August 2023:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

ich war letzten Freitag das erste Mal dieses Jahr im Wald. Es hatte geregnet, es war nicht zu kalt, ich hatte Ende Juli schon immer die ersten Steinpilze gefunden.

Also auf in meinen „Hauptwald“ in Oberfranken. Leider fand ich nicht einen einzigen Steinpilz.

Auf dem Rückweg noch schnell in dem Wald gehalten, in den mich vor 40 Jahren schon meine Oma mitgenommen hatte und in den ich vor 9 Jahren erstmals meinem Junior mitgenommen hatte. Zum letzten Mal war ich dort 2017, also vor sechs Jahren, gewesen. 

Und ich traute meinen Augen nicht: Der Wald war zu großen Teilen weg, regelrecht verschwunden. Borkenkäfer, Fichtenmonokultur, heiße trockene Sommer: all das war wohl zu viel für diesen Wald.

Die zwei Fotos, die ich mitgeschickt habe, wurden vom gleichen Standort mit 6 Jahren Abstand aufgenommen, der Focus ist unterschiedlich, aber ich denke, man erkennt es. Das Bild mit dem verschwundenen Wald ist ganz aktuell, das Motiv mit dem von Steinpilzen überfüllten Korb ist von vor sechs Jahren. 

Viele Grüße aus Oberfranken und allen eine gute Pilzsaison! Und vielen Dank für diese wunderbare Seite!

Stephan"

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Steinpilzkorb Waldkulisse Stephan 2.8.23

Foto: Einen Korb voller Steinpilze wird Stephan hier nicht mehr finden, denn den Wald, den wir im Hintergrund noch sehen, gibt es nicht mehr. Alle sichtbaren Bäume - und noch viele, viele mehr - sind verschwunden. Dieses Foto entstand am 28. Juli 2017, also auf den Tag genau sechs Jahre vor dem Foto oben.  


Kronau: Der Vollernter hat die Pfifferlinge gleich mitgeerntet - auf Jahre


Pfifferlinge2_2021 Michael

Foto: Das waren noch Zeiten! Als die Forstwirtschaft hier noch nicht wütete, leuchtete es nur so vor Pfifferlingen. 


Pfifferlinge Michael 2021 2

Foto: Breit gestreut, wuchsen sie überall. Ein Paradies für Pilzfreunde! Es war einmal und ist nicht mehr. 


Michael schreibt am 21. Mai 2023:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

hier wieder ein schöner Vorher-Nachher-Vergleich zum Thema Waldzerstörung.

Heute waren Suri und ich in den Wäldern um Kronau an unseren besten Pilzplätzen. Leider mussten wir feststellen, dass die Vollerntemaschinen sich wieder ordentlich ausgetobt haben. Nicht einen einzigen Pfifferling konnten wir finden, dafür aber tiefe, breite Reifenspuren und ein völlig verwüstetes Waldgebiet.

Die zwei ersten Fotos mit den vielen Pfifferlingen sind von 2021; die beiden anderen zeigen genau dieselben Standorte nach der Verwüstung.

Viele Grüße Michael und Suri"

(4 Fotos © Michael)

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Waldverwüstung Michael 21.5.23

Foto: Wo die Pilze noch vor zwei Jahren wuchsen, hat der Vollernter alles platt gemacht. 


Vollernter Spuren Michael 21.5.23

Foto: Die schweren Maschinen komprimieren den Waldboden und zerstören nicht nur das Myzel und die Fruchtkörper der Pilze, sondern auch unzählige Kleintiere und anderes Wurzelwerk. 





Auch Michaels Morchelplatz bei Kronau hat die Forstwirtschaft "aufgearbeitet"


Morchelgebiet kaputt1 Michael 28.3.23

Foto: Mal ordentlich dazwischen hauen, damit der Chef sieht, dass während des Dienstes nicht nur Kaffee getrunken wurde. Fröhlich lebt die Forstwirtschaft, offenbar frei nach dem Motto: Das Einzige, was im Wald stört, sind die Bäume. (2 Fotos © Michael)

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Michael schreibt am 28. März 2023:

"Hallo Heinz-Wilhelm, 

heute suchte ich voller Vorfreude meine Morchelstellen auf. Gefunden habe ich leider nichts.

Dafür erging es mir wie erst gestern Thomas: die Forstwirtschaft scheint absolut kein Gewissen zu haben. Ebenfalls eines meiner besten Morchelgebiete wurde seit meinem letzten Besuch dort "aufgeforstet" Es ist davon auszugehen, dass dort bis auf Weiteres nichts mehr an Morcheln zu finden sein wird.

Mit betrübten Grüßen Michael"


Morchelgebiet kaputt2 Michael 28.3.23

Foto: Wäre doch gelacht, wenn die Morchelplätze nicht kaputt zu kriegen wären! Die Forstwirtschaft und ihre Auffassung von Naturschutz ist auch an diesem Bild recht gut zu erkennen. Michaels Morchelstelle ist hinüber. 


††† Vernichtung eines Auwaldes bei Karlsruhe ††

Ein Morchel-Auwald, in nur vier Tagen dem Erdboden gleichgemacht


Zerstörter Auwald1 Thomas 27.3.23

Foto: Totaler Kahlschlag und Durchlichtung bewirken eine Trockenlegung des ehemaligen Auwaldes. (7 Fotos © Thomas)

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Zerstörter Auwald2 Thomas 27.3.23

Foto: Hier hat die Forstwirtschaft ganze Arbeit geleistet, ließ nichts mehr stehen. 


Thomas vom Pilz-Ticker BaWue schreibt am 27. März 2023:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

Du glaubst gar nicht, mit welch einem Hals ich heute von meiner Mittagspausen-Morchel-Inspektionsrunde am Rand von Karlsruhe zurückgekommen bin. Ich könnte dermaßen ausrasten!

Es war mal wieder so ein Moment, in dem man sich alle Beteiligten der Forstwirtschaft auf einem Haufen gewünscht hätte und einen übergroßen Baseball-Schläger in der Hand…

Diesmal waren die Augen nicht nur feucht, es floss sogar die ein oder andere Träne. Eines meiner allerbesten Morchel- und Verpelhabitate wurde in nicht einmal vier Tagen nach meiner letzten Inspektion dem Erdboden gleich gemacht.

In einem gänzlich intakten Auwald, in dem man die Idylle und die absolute Ruhe genießen und dem Zwitschern der Vögel, dem Rufen des Kuckucks und des Pirols, dem Klopfen des Spechtes wie auch dem Geschnatter der Gänse und Schwäne lauschen konnte, herrschte heute absolute Totenstille. Nur in der Entfernung waren die Motorsägen von weiteren Baumfällarbeiten zu hören.

Bei dem Anblick und der Tatsache, dass all meine Stellen und alles, was ich in den letzten Tagen noch an kleinen Fruchtkörpern erspähen konnte, nicht mehr existent waren, hört das Auge dann schließlich auch auf zu funktionieren, weil eine weitere Suche auch nicht mehr lohnt, wenn man mit den Schuhen tief in der aufgerissenen Erde versinkt, die die Harvester und die Rückefahrzeuge hinterlassen haben.

Von einem grünen Auwald war weit und breit nichts mehr zu sehen. Das Einzige, was ich noch erblicken konnte, waren ein paar Scharbockskrautbecherlinge, die aber auch schon sichtlich von der Sonne gezeichnet waren. Auch sie werden wohl nicht mehr lange sein…


Zerstörter Auwald3 Thomas 27.3.23

Foto: Was gestern noch lebte, ist heute tot: gefällte aufgestapelte Auwaldbäume und -gesträuch. Vorschlag hierzu: Das Ministerium für Umwelt und Klima Baden-Württemberg erklärt ortsansässigen Schülern anhand dieser Fotos einmal den Umwelt- und Klimaschutz. 


Scharbockskrautbecherlinge Thomas 27.3.23

Foto: Scharbockskrautbecherlinge sind alles, was der Kahlschlag durch die Forstwirtschaft an Frühlingspilzen übrig gelassen hat. Speisemorcheln und Verpeln wird es hier nicht mehr geben. 


Zwei Fragen, die ich meiner Frau als absoluter Laiin stellte, als ich zurückkam, lauteten: Was ist das Wichtigste für einen Auwald oder eine Auenlandschaft, wovon hängt ihr Bestehen ab? Ihre Antwort: Wasser und Feuchtigkeit. Absolut richtig!

Und was bewirkt die pralle Frühjahrssonne, wenn gut sechzig Prozent der riesigen, uralten und waldprägenden Bäumen entfernt werden und die Sonnenstrahlen direkt auf den Boden knallen? Austrocknung. Korrekt!

Das Ganze sieht mir mal wieder nach einer gezielten Trockenlegung des Auwaldes aus. Kleine Zuläufe werden dicht gemacht, weitere Rücklaufgräben angelegt und der Baumbestand um mindestens die Hälfte reduziert. Wie auch in dem Waldgebiet, das ich erst die letzten Jahre (Bericht vom 16. April 2022) an die Forstwirtschaft verloren habe.

Somit wird die diesjährige Morchelsuche mal wieder zu einem sehr anstrengenden Unterfangen, weil ich mir nun in kürzester Zeit weitere neue Habitate erlaufen muss. Ich könnte kot…


Rakete Kita Thomas 27.3.23
Pult Thomas 27.3.23



2 Fotos rechts: Kein Wunder, dass die Kinder lieber in die startklare nagelneue Rakete ihrer Kita steigen und das Steuerungspult (2. Foto) bedienen, um davonzufliegen und vielleicht irgendwo im Weltall Auwälder zu entdecken, die keine Forstwirtschaft mutwillig vernichtet hat. 





Der Tag brachte aber auch etwas Gutes. Wir sind nun endlich fertig mit unserem Kita-Eltern-Bauprojekt, bei dem wir einen Gruppenraum passend zum Thema Weltall umgebaut haben. Nun steht dort eine riesige Rakete mit Spaceshuttle, zugehöriger Luftraumsicherung und passender Weltall-Tapete, das alles von mir persönlich, mit viel Liebe zum Detail entworfen, geplant und mit fünf weiteren Papas eigenhändig erbaut wurde.

Hierzu hatten wir heute Abend die Eröffnungsfeier, die bei allen so toll angekommen ist. Und das Wichtigste: die Kinder waren hellauf begeistert. Da waren die betrüblichen Erlebnisse des Mittags wenigstens wieder halb vergessen. Abschließend noch ein paar schöne Fotos der Rakete und wie es im Inneren aussieht.

Ich wünsche allen Pilzfreunden eine tolle Morchelsaison mit vielen schönen Funden!

Viele liebe Grüße, Thomas"


Weltall Thomas 27.3.23

Foto: Irgendwo da draußen in der Weite des Weltraumes, recht voraus, wird sich doch hoffentlich ein intakter Wald finden lassen, in dem die Forstwirtschaft noch Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Allgemeinheit walten lässt. 


Hannover: Der Mann, der Pilze und Müll sammelt


Gisela aus Hannover schreibt am 26. Oktober 2022:

"Hallo, liebe Pilzfreunde, 

zu Daniels Mail im Pilzticker Niedersachsen bezüglich seiner Erfahrung mit Plastiktüten und Müll im Wald (Tageseintrag vom 25. Oktober 2022) möchte ich Folgendes anmerken:

Vor ein paar Wochen sah ich in einem hiesigen Waldstück einen Mann, der in der einen Hand eine große gefüllte Plastiktüte und in der anderen einen Korb mit etlichen Steinpilzen trug. Auf die Pilze schielte ich zugegeben etwas neidisch: ich hatte nur einen einzigen gefunden. ABER: Der umweltbewusste Mann sammelt grundsätzlich parallel zu Pilzen auch Müll, wie er mir erklärte. Mein neugieriger Blick in die Plastiktüte bestätigte das!

Für dieses vorbildliche Verhalten gönnte ich ihm seine vielen Pilze gerne.

Viele Grüße aus Hannover von Gisela"


††† im Hochschwarzwald

1466 Weißtannen- und Fichtenstämme für ein zerstörtes Pilz- und Waldgebiet


Foto: 1466 Stämme von Weißtannen und Fichten zählten Heiko und Merle auf diesem gewaltigen Holzstoß. Welch schönen Wald müssen sie vor ihrem Ableben gebildet haben. Aber zu Zeiten zweifelhafter Windkraftanlagen und hoher Preise für Wirtschaftsholz spielt das für die Besitzer offenbar keine Rolle. (Foto © Heiko)

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Heiko schreibt am 28. August 2022:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

nach dem Sommerurlaub in Italien ging es für Merle und mich am Donnerstag in den Hochschwarzwald. Es war durchaus kein planloses Vorhaben, dachte ich, hatte es dort vor über einer Woche doch zweimal mit jeweils 30 Litern pro Quadratmeter ordentlich geschüttet.

Angekommen in unserem einst so ertragreichen Pilzgebiet, entwickelte sich die vermeintliche Pilzsuche zur Mathestunde für die bevorstehende 2. Klasse von Merle: wie rechnet man bis 1.000 und darüber? Wir zählten in Summe 1.466 gefällte Fichten und Weißtannen!

Wenn der Anblick nicht so verdammt traurig gewesen wäre, man müsste sich glatt freuen, dass es jetzt mit dem Zählen besser klappt!

Bilanzierend bleibt leider hängen, dass das nächste Pilzgebiet unwiederbringlich platt ist!

Keine Bäume, keine Pilze! So einfach kann Mathematik sein!

Liebe Grüße Merle und Heiko"


†††Sogar dem streng geschützten Ziegenporling droht jetzt der Tod

Darf sich die Holzwirtschaft eigentlich alles erlauben?

Scheinbar grenzenlose Waldzerstörungswut im Nordschwarzwald


Thomas vom Pilzticker BaWue schreibt am 7. Juli 2022:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

diesen Beitrag schreibe ich mit mehr als nur einem weinenden Auge. Es ist immer wieder erstaunlich, was die Forstwirtschaft mit ihren Gerätschaften in kürzester Zeit anrichten kann. Hier wurde nicht nur ein oder mehrere Habitate gestört oder zerstört, sondern es wurden mehrere Biotope komplett ausgelöscht.

Die folgenden vier Fotos zeigen ein Waldgebiet im nördlichen Schwarzwald, in dem ich am 6. Juli war; siehe mein Tageseintrag vom 7. Juli 2022 im Pilzticker BaWue. Gefällt wurde zwar hauptsächlich Bergahorn, aber auch viele junge Fichten und Rotbuchen mit gerade mal 8-15 Zentimeter Durchmesser.

Desgleichen viele Zitterpappeln (Espen), Birken und auch große stämmige Fichten. Amethystschuppige Pfifferlinge, Samtpfifferlinge, Totentrompeten, Birkenpilze, Fichten- und Espenrotkappen sind nur einige der Pilzarten, die ich hier in der Vergangenheit finden konnte. Das hat sich wohl erstmal erledigt.

(Leserpost 2 Naturschutz und Pilze)


Foto: Tod junger Rotbuchen. 

(Leserpost 2 Naturschutz und Pilze)


Foto: Junge geschlagene Fichten. 

(Leserpost 2 Naturschutz und Pilze)


Foto: Kraut & Rüben.

(Leserpost 2 Naturschutz und Pilze)


Foto: Harvester-Rücke-"Gasse"

(Leserpost 2 Naturschutz und Pilze)


Über ein Dutzend Pilzarten sind von der Verwüstung betroffen

Noch viel schlimmer sah aber mein ehemals bestes Waldstück aus. Die besten Stellen waren hier immer die Wald- und Wegränder. Damit ist jetzt aber auch Schluss. Mit Moos und Gras bewachsene Hänge werden nun von der prallen Sonne regelrecht verbrannt und die gefällten Fichten, Weißtannen, Rotbuchen, Lärchen, Edelkastanien und Birken liegen überall, wo man hinsieht. Die nachstehenden 10 Fotos dokumentieren die Verwüstung.

Finden konnte ich hier Jahr für Jahr unter anderem viele, viele Steinpilze, Flockenstielige Hexenröhrlinge, Maronenröhrlinge, Pfefferröhrlinge, Birkenpilze, Vielverfärbende Birkenpilze, Kuhmäuler, Pfifferlinge, Perlpilze, Lachsreizker, Frauentäublinge und Goldröhrlinge, um nur einige der Mykorrhiza-Pilze zu nennen. Auch den streng geschützten Ziegenfußporling konnte ich hier regelmäßig finden.

Die einzige Hoffnung, die jetzt noch bleibt, ist, dass hier vielleicht neue Stellen für Spitzmorcheln entstehen, aber mit Mykorrhiza, also Pilzarten, die eine Baumpartnerschaft benötigen, ist es jetzt vorbei. Warum hier so extrem abgeholzt wurde, kann ich noch nicht sagen. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass hier mal wieder so ein wunderhübscher sonnendurchfluteter Nordschwarzwald-Panoramaweg entstehen soll.

Jetzt verstehst Du sicher auch, warum ich ständig in so vielen Wäldern unterwegs bin: damit ich immer noch einige Habitate in der Hinterhand habe, wenn eines oder mehrere mal wieder vernichtet wurden.

Viele liebe Grüße, Thomas"

(14 Fotos © Thomas)

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10 Fotos dokumentieren die Waldverwüstung












Sehr lesenswert!

Bludenz, Vorarlberg: Wie die Forst-"Wirtschaft" ein Morchelparadies in einem österreichischen Auwald zerstörte


Lukas schreibt am 4. April 2022:

"Hallo Heinz-Wilhelm, 

erst einmal gratuliere ich zu der tollen Homepage! Es muss unglaublich schwer sein, Tipps ins Internet zu stellen für einen der besten Schätze, den wir in der Natur sammeln können. Ich traue mich meine Funde nicht einmal mehr herzuzeigen vor lauter Angst wegen der Konkurrenz. Egal ob Morchel, Steinpilz oder andere Lebensmittel.

Ich möchte dir hier schreiben, weil es mich einfach freut. Ich wohne in Vorarlberg bei Bludenz und sammle seit meiner Kindheit Beeren, Pilze, Knollen und alles, was man essen kann. Die Morcheln sind natürlich das absolute Highlight, obwohl ich persönlich ein Parasolschnitzel gleichwertig finde und besser als jedes noch so zarte Bio-was-weiss-ich-was-Kalbfleisch.

Bei uns hier gab es einen großen Auwald. Vor etwa acht Jahren kam ich auf die Idee, nach Morcheln zu suchen. Der Auwald besteht hauptsächlich aus Eschen und schönem Sandboden. Die einzigen Nährstoffe dort sind Totholz und das abfallende Laub im Herbst.

15 Kilo Speisemorcheln in einer Woche

Kurze Rede langer Sinn - wir fanden auf Anhieb zwei Speise-Morcheln, eine davon etwa faustgroß. In den darauffolgenden Wochen ging ich jeden Tag in den Wald und suchte systematisch das Gebiet ab, das hinsichtlich seiner Flora sehr vielfältig ist.





Foto rechts: Ähnlich prächtig wie der hier gezeigte Korb voll schöner Speisemorcheln dürften die Funde aus einem Auwald bei Bludenz ausgesehen haben, über die sich Lukas Jahr für Jahr freuen durfte. Damit ist es, der Forst-"Wirtschaft" sei Dank, vorbei. Das Archivfoto stammt von Marie, die diese Morcheln am 1. Mai 2018 in den Isarauen bei München gefunden hatte. (Foto © Marie)

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Als es dann wettermäßig passte, ging es erst richtig los und innert einer Woche fanden wir locker mehr als 15 Kilo Speisemorcheln, wobei wir die kleineren bewusst stehen ließen. Bei uns im Wald stehen die Morcheln fast ausschließlich an Eschen. Je größer der Baum, desto mehr Morcheln darunter.

Im darauffolgenden Jahr dann entdeckten wir auch die Spitzmorcheln, welche etwa einen Monat früher vorkommen. Sie wuchsen in demselben Wald, jedoch an nur einem Platz, der etwa 150 Quadratmeter umfasst. Seit damals hatten wir jedes Jahr reichliche Ernte und Familie sowie Freunde erfreuen sich an köstlichen Morchelgerichten.

Die Konkurrenz ist chancenlos, da ich wirklich täglich den Nachwuchs kontrolliere im April und Mai und inzwischen recht gut weiß, wann welches Areal im Wald die Fruchtkörper austreibt. Der Wald ist weglos und somit von Spaziergängern oder Hundekot verschont. Die Tierwelt: einmalig!

Naja, und was die ForstWIRTSCHAFT in ihrer aufgesetzten Panik gegen das Eschensterben unternimmt, ist hier in Vorarlberg leider eine Katastrophe. In den letzten zwei Jahren wurde der Wald dem Erdboden gleichgemacht: Totalrodung, der Boden wurde umgegraben und gefräst und nun mit Fichten neu bepflanzt.

Souvenirs von der Forstwirtschaft: Müll, Ölfilter und verölter Boden

Sämtliche Versuche bei Gemeinde, Forstamt, Umweltschutzverbänden und sogar auf politischer Ebene blieben erfolglos. Sogar von Freunden, die selber Pilze sammeln, wurde ich als Idiot beschimpft, der keine Ahnung habe von Wald und dem angeblich chinesischen Pilzbefall.

An den großen Lagerplätzen der geschnittenen Bäume war ersichtlich, dass von etwa 50 Stämmen nur drei Stück innerhalb faulig waren. Leider muss der Mensch ja immer eingreifen in die Natur weil diese sich (anscheinend) ja nicht selbst nicht helfen kann.

Morcheln finden wir keine mehr, dafür viel Müll von den Forstarbeitern bis hin zu Ölfiltern und veröltem Boden (nach den Forstarbeiten).

Wir haben auch in den letzten Jahren viele andere Gebiete abgesucht, aber niemals auch nur annähernd einen kleinen Teil der Mengen gefunden wie in diesem Wald. Dieses Jahr werde ich noch einige Gebiete bei Dornbirn und Hohenems erkunden, danach werde ich wohl aufgeben müssen.

Es ist schön, ihre Homepage gefunden zu haben und zu sehen: es gibt noch mehr Jäger und Sammler, die die Morchelsuche betreiben wie ein James Bond.

Ich wünsche ihnen viel Erfolg diese Saison.

Liebe Grüße, Lukas"

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Andreas: »Die Breitblättrige Glucke steht unter Naturschutz«

Andreas schreibt am 30. September 2014:

»Meines Wissens steht die Breitblättrige Glucke, die Pilzfreund X am 28. September 2014 gefunden und mitgenommen hat, auf der Roten Liste der gefährdeten Großpilze in Deutschland und wird dort unter 'stark gefährdet' geführt. Ich persönlich hätte da immer Gewissensbisse. Wie passt dieses Verhalten dazu, dass einige Arten geschützt werden müssen?«

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Gertraud: »Bilder mit unverschämten Mengen weglassen«

Gertraud Bränder schreibt am 15. August 2014:

»Hallo,

wer so viele Pilze sammelt wie X. und Co aus Sachsen-Anhalt, muss aufpassen, dass die Strafe nicht auf dem Fuße folgt. Noch immer gibt es festgelegte Höchstmengen für das private Vergnügen, Pilze zu sammeln.«

Hinweis: Auf dieses Schreiben hin habe ich Frau Bränder meinen Kommentar in leicht abgewandelter Form zugesandt.


Gertraud Bränder schreibt am 20. August 2014:

»Hallo Herr Bertram,

vielen Dank für ihre sehr ausführlichen Darlegungen zum Gesamtthema Wald und Naturschutz. Sie haben in vielen Dingen recht. Ich finde nur, dass man als Naturfreund doch nicht so unverschämt sein kann und ungestraft Fotos mit solchen Mengen gesammelter Pilze postet. Ich gehe seit vierzig Jahren in den Wald und erfreue mich an jedem schönen Pilz, den ich finde. Gehe jetzt jeden Morgen in den Wald und bringe immer etwas mit. Freunde freuen sich darüber.

Herzliche Grüße aus Sachsen Anhalt, genau gesagt aus dem Rastenberger Forst.

Gertraud Bränder«

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Foto: Auch sie zählen zu den Pilzen, die nur begrenzt gesammelt werden dürfen: Espenrotkappen. (Foto © Peter Rohland)

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Gertraud Bränder schreibt am 25. August 2014:

»Hallo Herr Bertram,

wie ich an der täglichen Aktualisierung des Pilztickers sehe, sind sie ein sehr fleißiger Mensch. Auch ein Bild von mir haben Sie veröffentlicht. Vielen Dank dafür.

Ich habe zwischenzeitlich mit einigen Pilzsammlern aus dem Harz gesprochen. Sie alle finden die Sammeljagd von Herrn X. genau wie ich sehr gierig und nicht naturverbunden. So viele Pilze kann man nicht als Privatverbraucher verarbeiten oder verzehren.

Noch wichtiger ist es aber, auch gegen die Horden von Pilzjägern, die professionell losgeschickt werden, zu protestieren. Zum Beispiel in Brandenburg, Potsdam oder in der Mittelmark. Da werden Scharen von Polen ausgesetzt und auf Steinpilz- und Pfifferlingsjagd geschickt. Man traut sich nicht mehr, sein Auto unbeaufsichtigt am Waldrand stehen zu lassen. Ich bin nicht ausländerfeindlich, habe aber diesbezüglich schon einiges erlebt: Auto weg, Reifen demontiert usw.

Ich wünsche ihnen weiterhin viel Erfolg! Wenn Sie entscheiden, welche Bilder in den Pilzticker aufgenommen werden, lassen sie solche mit den unverschämten Mengen einfach weg und informieren Sie die "Pilzsammler", dass sie sich strafbar machen. Das wäre ein Beitrag, der sicher bei einigen zum Nachdenken zwingt.

Mir und meiner Freundin macht es immer Spaß, im Pilzticker zu blättern.

Viele Grüße Gertraud Bränder«

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Foto: Prachtvolle Steinpilze aus dem Ostharz. Von ihnen darf man - streng genommen - pro Person nur ein, höchstens zwei Kilo am Tag sammeln. (Foto © Alinchen)


Ruth: »Im Kanton Zürich ist ein Kilo pro Person am Tag erlaubt«

Ruth  aus der Schweiz schreibt am 29. Oktober 2014:

»Hallo Herr Bertram,

ich finde Ihre Seite absolut toll. Nur wundere ich mich, wie wenig einige Leute die Vorschriften kennen. 2-3 Kilo werden da von einer Person täglich gepflückt. Wahnsinn! Laut Vorschrift im Kanton Zürich ist 1 Kilo pro Person und Tag die vorgeschriebene Höchstgrenze.

Und vom 1.-10. des Monats darf überhaupt nicht gesammelt werden. Meine Tochter und ich haben uns schon gewundert, weil es kaum noch Pilze hat.

Dies einmal zu erwähnen, wäre sicher für einige hilfreich.

Freundliche Grüße Ruth«

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