Erntedank: Wie Heike in einem
pilzfreien Jahr ihre Regale auffüllte




Foto zum Erntedanksonntag am heutigen 7. Oktober: Das Pilzjahr fiel aus, da hat sich Heike ihrem Garten und ihrem Spezialgewächshaus zugewandt. Um die 15 Sorten Paprika zieht sie darin seit Jahren. Hier sehen wir gut 5 Kilo einer Ernte. Das aber ist nur ein verschwindend kleiner Teil ihres Gesamtertrages. Unzählige Stunden hat sie in diesem vertrockneten Jahr in und um ihren Garten verbracht. (40 Fotos © Heike/Privat)


Heike (Kleines Foto) schreibt zum Erntedank am 7. Oktober 2018:


»Hallo Heinz-Wilhelm,

wie ich in diesem Jahr schon öfter berichtete, ist das Pilzjahr bei uns im Nördlichen Eichsfeld in Thüringen, das generell unter dauerhafter Trockenheit leidet, ausgefallen. Bodenpilze: Nullkommanull. Sogar die Baumpilze blieben aus. Nicht ein einziger Birkenporling war zu sehen. Nicht mal ein Rotrandiger Baumschwamm (Fichtenporling). Nicht mal das. Im Wald sah es ganz übel aus. Was habe ich gelitten!


Das heißt aber nicht, dass ich untätig war. Im Gegenteil.

So habe ich viele ungezählte Stunden in meinem Garten verbracht, so viele wie noch nie. Dazu schicke ich Dir einen Reigen von Bildern, die veranschaulichen, wie es bei mir draußen und in meinen »Fertigungsräumen« zuging. Die Fotos passen sehr schön zum heutigen Erntedankfest. Sie zeigen eigens aufgezogene Pflanzen, die Ernte ihrer Früchte und ihre Verarbeitung.




Teil 2: Heikes Wildgeschichten. Sie zerlegt alleine ganze Schweine und verwurschtet sie




Meine Definition der Selbstversorgung fängt damit an, Samen keimen zu lassen, Pflanzen beizeiten im Haus zu ziehen, um später die Früchte zu ernten. Schweinchen als Ferkel zu kaufen, schlechtestens, denn in der Regel ziehe ich sie aus eigenem Wurf selbst groß, fütter sie, schlachte sie, zerlege und verwurste sie selbst. Das habe ich gelernt, das kann ich - und das ist für mich Selbstversorgung. Selbstversorgung beginnt für mich ganz unten, beim Ursprung. Also mit dem Ziehen und Setzen eines Samens in die Erde oder der Geburt eines Ferkelchens.

Pilzesammeln, Obst- und Gemüseanbau, Schweineaufzucht

Seit meinem 23. Lebensjahr baue ich Obst und Gemüse an, das ist neben den Pilzen und der Schweineaufzucht meine weitere Leidenschaft. Ich besitze ein mehr als sensationelles Gewächshaus, das mir mein Mann, der handwerklich sehr geschickt ist, mit allerlei Schnickschnack errichtet hat.

Es hat ein hagelsicheres Dach, das es aufgrund der leidlichen Erfahrungen in den vergangenen Jahren bekam. Es verfügt über Heizung und Lüftung und Rollos gegen zu starkes Sonnenlicht. Um nur das Wichtigste unter weiteren Raffinessen zu nennen.

Alles ist Marke Eigenbau, entstanden aus vielen Jahren der Erfahrung, alles ist hoch funktionell - und trotzdem für den kleinen Geldbeutel, was dann aber doch auf eine vierstellige Investition kam. Du ahnst sicher, dass das so eine große Leidenschaft ist wie mein Pilzesammeln.



Vieles, vieles baue ich sehr erfolgreich an, manches minder, weil einfach das Klima nicht passt. Da kann man ein Gewächshaus mit Lüftung, Heizung & Co. haben, das Klima passt einfach nicht. Ich bin inzwischen um die Erfahrung reifer, dass Luftfeuchtigkeit, Tages- und Nachttemperatur, Sonneneinstrahlung, Südausrichtung perfekt aufeinander abgestimmt sein müssen, um einen hochwertigen, wohlschmeckenden Paprika anzubauen.

Meine Spezis sind im Normalfall 15 Tomatensorten pro Jahr, manchmal auch mehr. Das gilt ebenso für Paprikasorten.

Dazu kommen Schlangengurken, Minischlangengurken, Zucchini in allen Farben von gelb, hellgrün, grün bis hin zu gestreift. Im Frühling Salatsorten ohne Ende, das gleiche dann auch noch mal im Herbst. So habe ich unlängst da, wo ich weggeerntet habe, gleich wieder Feldsalat und Eichblattsalat angebaut.

Tomatensoße & Letscho, Cacusca & Honiggurken

Kräuter kaufe ich nicht, auch die gibt es bei mir. Es sind nicht viele, aber die wichtigsten wie  Petersilie, Schnittlauch, Zitronenmelisse, Maggikraut, Oregano, Thymian, Salbei, Rosmarin, Basilikum habe ich, und das auch noch im Kalkbeet - schmunzel. Basilikum säe ich allerdings in normale Pflanzerde ein. Vieles wird eingekübelt und südausgerichtet gestellt, wie z.B. Paprika.

An Melonen habe ich bisher Wassermelonen, Zuckermelonen und Honigmelonen probiert. Man bekommt trotz Gewächshaus und unter Beachtung der Zuchtregeln für Melonen nur kleine Früchte heraus, ungleichmäßig in Form, Farbe und Größe usw. Bei uns erreicht man Früchte in der Größe, die in eine Männerhand passen. Die Früchte sind dann eher kugelig.

Normal koche ich Gurken ein, mache Unmengen an Letscho und Tomatensoße, je nach Erntemenge. Dieses Jahr war enorm viel möglich, weil die Früchte ein Optimum an Sonne und Temperatur hatten. Was fehlte, war das Wasser. Ohne meinen Brunnen wäre diese gute Ernte nicht möglich gewesen. Und selbst bei ihm musste ich schon bangen, dass er mir noch genügend Wasser gibt. Er hat es getan, der Gute.

Liebe Grüße Heike«

(Erntedank)






Paprika


Foto: Heike schreibt zur Aufzucht ihrer Paprikapflanzen: »Seit vielen Jahren wandern zwischen dem 1. und 5. Januar Paprika- und Chilisamen in leere Fleischsalatdosen zum Vorkeimen auf Zewa-Küchenpapier. Die Dosen kommen dann auf eine Heizmatte. Bei exakt 30 Grad keime ich vor. Normalerweise hat Paprika in der Erde eine Keimzeit von vier Wochen. Auf der Heizmatte mit 30 Grad schaffe ich das in 3 bis 7 Tagen, je nach Sorte.«


Foto: »Jede gekeimte Pflanze setze ich dann in einen eigenen bereits größeren Topf, in dem sie bis zur Aussetzung bleibt. Nach diesem Prinzip verfahre ich mit allem Keimgut. Im Februar folgen die Tomaten, im März die Gurken. Paprika muss im April vor dem Aussetzen bereits so groß sein, dass er - mit ersten Fruchtansätzen - bereits reichlich blüht. Ist das nicht der Fall, hast du die Pflanzen bis in den November im Garten, in der Hoffnung, dass die Früchte noch zur Reife gelangen. Sie tun es aber nicht. Es bleiben unreife Paprika, die nicht gut schmecken und häufig schon sichtbare Wetterschäden haben.«

(Erntedank)


Foto: Große gelbe und kleine Rote Paprika in der Schale. Den Gelben verwendet sie überwiegend für die Herstellung von Letscho, ein ungarisches Schmorgericht.


Foto: Paprika, vier Schlangengurken und ein paar Chilis in Reih' und Glied.






Was daraus wurde


Foto: Paprika geröstet und abgezogen

(Erntedank)


Foto: Parika geröstet und abgezogen mit Kräutern und Zwiebeln.


Foto: Gerösteter und abgezogener Paprika in Olivenöl...


Foto: ... und süßsauer eingelegt.

(Erntedank)


Foto: Eine dritte Variante ist Karamellisiertes Paprika-Chutney. Ein Chutney ist eine würzige, teils süß-saure, teils auch scharf-pikante Soße der traditionellen indischen Küche.






Tomaten


Foto: Tomaten nennt Heike ihre »Spezis«. Durchschnittlich 15 Sorten zieht sie jedes Jahr, meist sind es ein paar mehr. 2018 hat sie besonders gute Ernte gemacht.

(Erntedank)


4 Fotos: Tomaten in Hülle und Fülle und in allen Größen und Geschmacksrichtungen wachsen über Monate in Heikes Gewächshaus.

(Erntedank)




Foto: Knapp 10 Kilo Tomaten hat Heike hier an einem Augusttag geerntet. Davon kann sie viel Letscho, Zacusca und Chutney herstellen.








Was daraus wurde


Foto: Tomaten mit Kräutern, Gewürzen und Zwiebeln auf dem Ofenblech 1.


Foto: Tomaten mit Kräutern, Gewürzen und Zwiebeln auf dem Ofenblech 2.


Foto: Die Tomaten sind durch, können beziehungsweise müssen nun aus dem Ofen geholt werden.


Foto: Die Tomaten aus dem Ofen wurden püriert, um sie noch mit Basilikum zu verfeinern.






Ofengeröstete Tomatensoße


Foto: Den Großteil füllt Heike in Gläser ab, die sie das ganze Jahr über sammelt. Am Ende dieser Gartensaison war kein einziges der unzähligen Gläser mehr übrig.


Foto: Die ofengeröstete Tomatensoße Jahrgang 2018 ist in neun Gläser abegfüllt. Ein tolles Ernteresultat, ein toller Vorrat!


Chutneys




Foto rechts: ...und werden dann mit Ananas zu einem Tomaten-Ananas-Chutney verkocht. Dieser Topf fasst sechs Liter.





Foto: Heike hat nun auch das süß-saure Tomaten-Ananas-Chutney in Gläser abgefüllt.




Foto: Auch ein Tomaten-Zucchini-Chutney kam schlussendlich in die Gläser.






Letscho




Foto: Auf dem Ofen unter freiem Himmel kocht das Letscho. Und zwar im großen Topf, der 22 Liter fasst.




Foto: Letscho beim Schmoren. Wir sehen die gelben Paprikastücke. Grüner wäre zu bitter, roter zu süß, deshalb muss es der Gelbe Paprika sein. Es ist ein ursprünglich aus Ungarn stammendes Schmorgericht, zu dem neben Gelbem Spitzpaprika noch Tomaten, Zwiebeln und Speck gehören. Die Ungarn kochen auch gerne eine Spezialwurst, die Lecsókolbász, mit ein. Auch in Österreich und Ostdeutschland ist Letscho sehr beliebt und fast ein Muss zur Grillwurst.


Foto: Eine ganze Batterie Letscho in großen Gläsern - man beachte die kaum sichtbaren gefüllten Gefäße im Hintergrund. Heike ist ein großer Fan von Letscho!







Zacusca


Fotos: Röstung von Paprika im Ofen für Zacusca. Das ist ein in Rumänien sehr beliebter Mus aus Tomaten, Paprika und Auberginen, das als Brotaufstrich und Würzmittel Verwendung findet.


Foto: Ein fertiges Glas mit Zacusca in Großansicht. Erfunden haben dieses delikate Gericht die Siebenbürger Sachsen in Rumänien; heute ist es fast auf dem gesamten Balkan beliebt. Weitere Zutaten für Zacusca sind traditionell Zwiebeln, Olivenöl, Salz, Pfeffer, wenig Zucker und einige Lorbeerblätter. Sehr lecker sind auch Variationen mit Zutaten von Pilzen, Fisch, Bohnen und Sellerie. Das ist so köstlich,...


Foto: ...dass Heike natürlich gleich eine ganze Serie zubereitet hat. Kühle Lagerung über einige Monate soll den Geschmack noch verbessern. 






Gurken




2 Fotos: Dies war für Heike auch das Jahr sowohl der Schlangengurken als auch füreine kleine Art. Sie gediehen in ihrem Gewächshaus überaus prächtig.




Foto: Fast möchte man ein Glas öffnen, so lecker sehen die Honiggurken aus, die Heike eingemacht hat.


Foto: Und bei den süßsauer Eingelegten durften es auch gleich neun Gläser sein.

(Erntedank)


Äpfel


Foto: Apfelleder, das Heike zuvor im Backofen gedörrt hat, gehört grundsätzlich zur Verpflegung bei ihren Pilzgängen. Es ist ein supergesunder Energiespender, der in jede Jackentasche passt.

(Erntedank)




Foto rechts: Die Äpfel erntet Heike bequem auf ihrer Pferdeweide. Es bleibt aber nicht nur bei der Bevorratung von Apfelleder, wie das folgende Foto zeigt:




Foto: Apfelringe zählen ebenso zum festen Sortiment ihrer Vorratskammer. Wir sehen sie hier auf den Auflageflächen ihres Klarstein-Trockenautomaten. Apfelringe eignen sich hervorragend als leichter Snack für unterwegs oder machen sich gut als Deko auf Kuchen und Desserts.

(Ende Erntedank)


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