Steinpilze finden: Man muss ihre Lebensräume
kennen lernen, man muss sie sich erlaufen



Liebe Pilzfreunde,

Steinpilze finden - das ist der Wunsch der großen Mehrheit aller Pilzsammler. Immer wieder erhalte ich Zuschriften mit der Bitte, ich möge doch einen pilzreichen Wald vor der Haustüre des Dörfchens X benennen, in dem der Absender wohnt. Wo genau dort die Steinpilze wachsen würden, möchte er gerne wissen.

Nicht selten wird auf meinen Einwand, das könne ich mangels Ortskenntnis nicht beantworten, mit Enttäuschung, Unverständnis und bisweilen auch mit Verärgerung reagiert.


Foto: Steinpilze finden wie diese zwei Prachtexemplare, das wünscht sich wohl jeder Pilzsammler. Gefunden und fotografiert hat die kernigen Gesellen Pilzfreund Klaus unterhalb des Brockens in Sachsen-Anhalt. (Foto © Klaus B.)


Die Antwort auf die gestellte Frage erschließt sich aus einer Pilzmeldung, die ich am 25. September 2015 von Michael erhalten habe.

Michael schreibt seit vier Jahren regelmäßig für den Pilzticker Baden-Württemberg. Er ist ein exzellenter Pilzsammler, Pilzkenner und kreativer Meister der Pilzküche. Er berichtet in seiner Pilzpost vom 25. September, er habe ein neues, ihm unbekanntes Waldstück bei Hambrücken im Landkreis Karlsruhe - mit mehr als gutem Erfolg - erkundet. 

Diese Aussage enthält die Antwort auf die Frage vieler Pilzfreunde, wo sie denn ihre Steinpilze in ihrem Hauswald zuverlässig finden würden.

Speziell Anfänger müssen sich ihre Pilzstellen ALLEINE ERLAUFEN. Das ist GESETZ. Ja, um ein dauerhaft guter Pilzsammler zu werden, ist die AKTIVE SUCHE notwendig, die manchen Kilometer Fußweg und das regelmäßige Wiedervorbeischauen kostet. Pilzsuche fordert.

Wir laufen allerdings nicht planlos durch den Wald. Unser Ziel ist es, möglichst geschlossene LEBENSRÄUME ausfindig zu machen, die bestimmten Pilzarten ihr Wachstum ermöglichen.

(Steinpilze finden)





Systematisch herangehen!

Die Lebensräume der Steinpilze kennenlernen

Im Handbuch für Pilzsammler beschreibt Andreas Gminder solche Lebensräume. Man lernt sie anhand ihrer Baum-, Strauch, Blumen- und Grasarten kennen. Diese Arten geben auch Aufschluss über die Bodenverhältnisse, etwa ob ein Waldboden sauer oder basisch ist.

Fichtensteinpilze (also Gemeine oder Gewöhnliche Steinpilze) benötigen saure Böden, egal ob im Sauren Fichtenwald oder im Sauren Buchenwald. Im Buchenwald lieben sie sonnige Waldränder, Wegränder und Lichtungen. Lehmige und sandige Böden nehmen sie gerne an.

Im Frühjahr und Sommer finden wir sie eher in Laub-, im Herbst eher in Nadelwäldern. Im sandigen Kiefernwald endet in aller Regel das Pilz- und Steinpilzjahr.

Das sollten wir wissen, bevor wir losgehen, um sie zu suchen. Warum nicht im zuständigen Forstamt anrufen, um uns zu erkundigen, wo wir solche Waldabschnitte vorfinden? Das erpart uns unter Umständen weite Wege mit manchem unnötigen Kilometer.






Foto rechts: Ein Korb voller Steinpilze, wie sie schöner kaum sein könnten. Simone hatte sie am 29. September 2013 zusammen mit Pilzfreunden im niedersächsischen Landkreis Hameln-Pyrmont gefunden. Solch ein Korb ist der Traum vieler Pilzfreunde. Doch einen derartigen Fund zu machen, erfordert Einsatz. Es macht kaum Sinn, speziell Anfängern die Stellen zu zeigen, an denen solche Prachtexemplare, oft über Jahre hinweg, wachsen. (Foto © Simone)
(Steinpilze finden)




Regelmäßige Waldgänge sind wichtig

Die besten Pilzsammler sind so oft wie möglich im Wald

Nur wer regelmäßig nach dem Rechten sieht, wird allmählich ein erfolgreicher Pilzsammler. Nur so lernt man langsam, aber sicher, welches der richtige Tag ist, welches Wetter die Tage zuvor nötig war, und, vor allem, welche Pilze bei welchen Baumarten stehen und wie ein Waldstück in seiner Gesamtheit auszusehen hat, um diese oder jene Pilzart hervorzubringen. Das ist nicht schwer, unzählige Pilzsammler haben es gelernt. Aber es erfordert Einsatz.





Zurück zu Michael vom Pilz-Ticker-Baden-Württemberg. Er vermutete, dass in seinem neu entdeckten Pilzwald bald auch Steinpilze wachsen würden. Mit seiner Einschätzung lag er goldrichtig: schon kurz darauf konnte er sich über prächtige Funde freuen. Siehe hierzu seine Nachricht im Pilz-Ticker Baden-Württemberg 46, Tageseintrag vom 2. Oktober 2015.

Während der Pilzsaison ist er, sofern es seine Zeit erlaubt, nahezu jeden Tag in den Wäldern in der Region Bruchsal unterwegs. So ist er zu einem erfahrenen Pilzsammler mit einem herausragenden Einschätzungs- und Urteilsvermögen geworden, der noch Pilze aufspürt, wenn deutschlandweit die große Pilzleere herrscht.  

Michael ist ein Paradebeispiel dafür, dass es keinen Sinn macht, speziell Einsteigern ein Waldstück zu benennen, in dem sie »ihre« Steinpilze »abholen« können. Pilze holt man erst dann ab, wenn man sich die Stelle, an der sie wachsen, mit Neugier, Willen und Leidenschaft ERLAUFEN hat. Und mit regelmäßigen Besuchen gegen Konkurrenten verteidigt.

Ein wahrer Pilzsammler ist der, den man in einem fremden Waldstück »aussetzt« und der nach zwei Stunden mit einem Korb bester Speisepilze zurückkehrt.

In diesem Sinne: Auf geht's!

(hwb)


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