Reiks Pilzpost: »In meiner Pilztrocknerei
dörren Pilze für 50 Mahlzeiten im Jahr«



Reiks Pilzpost vom 19. Oktober 2014 (Nachtrag)

»Liebe Pilzfreunde,

habt Ihr Euch auch schon über die eigenen Schnittstellen und Pilzreste geärgert? Darum soll es hier unter anderem gehen.

Ich bin in Brandenburg groß geworden. Als ich fünf Jahre alt war, sammelte ich bereits Maronen und Pfifferlinge mit meinen Eltern. Später hatten sie dazu leider keine Zeit mehr, wegen des Hausbaus und anderer Verpflichtungen.

Als ich etwa zehn Jahre alt war, hat mich der Pilzexperte der Sammelstelle aus unserem Dorf ein paar Mal mit in den Wald genommen und meine Grundlagen gelegt. So lernte ich, Knollenblätterpilze zu bestimmen und er führte mich in die Täublinge und Milchlinge ein. Vor allem aber lernte ich durch ihn, Stellen ausfindig zu machen, in denen man bestimmte Pilzarten vermuten durfte.


Dann bin ich lieber Segeln gegangen als in den Wald, und während meiner Ausbildung in einer großen Stadt geriet das Pilze sammeln in Vergessenheit. Die Jahre vergingen. 25 Jahre später zog ich nach Niedersachsen. Dort wohnte ich direkt am Waldrand. Ich war arbeitslos.

Während dieser Zeit entdeckte ich das Pilzesammeln wieder. Gleich im ersten Jahr konnte ich fünf gut tragende Pilzstellen ausfindig machen. Sie trugen mir etwa 30 Kilo ein.

Es folgte, der Arbeit wegen, erneut ein Umzug, dieses Mal nach Ostholstein. Und ich hatte das Glück, erneut eine Wohnung am Waldrand zu finden. So konnte die Passion ungebrochen weitergehen.

(Reiks Pilzpost)


Wie gehe ich vor, wenn ich ein neues Pilzgebiet suche? Nun, es beginnt aus praktischen Gründen immer zu Fuß oder mit dem Fahrrad. Schon im Frühling und im Frühsommer gehe ich los, um Gebiete zu suchen, die Pilze versprechen. Außerdem findet man im Frühling Judasohren. Lichtungen sind vielversprechend. Dort haben die Pilze viel Sonne und der Regen kann gut in den Boden eindringen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die ersten Pilze entlang von Wegen fast immer erst im Juli kommen, wenn es feucht ist. Das sind in aller Regel Rotfußröhrlinge und Ziegenlippen, meine Lieblingspilze. Oft ist das ein Wettlauf mit den Maden und dem Schimmel, denn beide sind, wie Ihr sicher bestätigen könnt, ganz verrückt auf diese zwei Pilzarten.

Ich brate sie, natürlich mit ganzem Hut, wie einen Burger-Patty, also wie das Burger-Fleisch, schmecke sie lediglich mit Pfeffer und Salz ab – ein Genuss!

(Reiks Pilzpost)


Es folgt der Hochsommer. Wenn dann im Pilzticker gute Funde in Süddeutschland gemeldet werden und wir finden hier oben im Norden nichts, es das eine harte Bewährungsprobe. Ich lasse mich aber nicht entmutigen. Ich besuche trotzdem meine bekannten Pilzstellen und suche weiterhin mögliche neue.

Wenn im September das Rispengras verwelkt und auf den Waldwegen das Wasser steht, geht in Ostholstein die kurze, aber intensive Hauptsaison mit Maronen, Steinpilzen, Flockenstieligen Hexenröhrlingen, Semmelstoppelpilzen,Goldröhrlingen und anderen los. Nun bin ich jeden zweiten Tag an meinen Stellen und nehme dankbar, was mir die Natur bietet. Von den Goldröhrlingen nehme ich übrigens nur die noch geschlossenen Exemplare mit, vorzugsweise, wenn es trocken ist. Sie schleimen sonst zu sehr.


Zu dieser Zeit riecht die ganze Wohnung nach trocknenden Pilzen. Sie trocknen über der Heizung, auf dem Schreibtisch, in der Küche, in der Fensterbank. Überall Pilze. Viele davon verschenke ich innerhalb der Familie. Der Rest landet im Winter in Pilzsuppen, die ich sehr gerne esse, oder in der Pfanne.

Im Wald geht es währenddessen bereits dem Ende entgegen. Meine letzten Pilze finde ich gewöhnlich Anfang November. Das ist dann allerdings auch schon das Startzeichen für die Kälteliebhaber wie Austernpilze und Judasohren.

(Reiks Pilzpost)


Aufgrund von Pilzresten und Schnittstellen muss ich davon ausgehen, dass Konkurrenten dieselben Stellen kennen wie ich. Deshalb habe ich auch öfter die Babypilze mitgenommen. Erst hinterher kam ich darauf, dass es meine eigenen Schnittreste gewesen waren. Meine Leidenschaft war so groß gewesen, dass ich mich vor mir selbst verrückt gemacht habe.

Meiner Meinung nach ist es wichtig, vor dem Freitag in die Pilze zu gehen, weil ab Freitag deutlich mehr Konkurrenz unterwegs ist. Am Wochenende suche ich deshalb Stellen auf, die tiefer versteckt im Wald liegen. Einige dieser Flecken erreiche ich nur, indem ich durch das Unterholz krauche.

Ich esse ungefähr 50 Pilzgerichte im Jahr, Tendenz steigend. Ja, Pilze sind wirklich etwas Schönes. Ich bin dankbar für die vielen schönen Stunden, die ich ihnen widme, im Wald, in der Küche – und schließlich am Tisch mit meiner Familie.

Viele Grüße Reik«

(Reiks Pilzpost)


Hallo Reik,

eine schöne Darstellung Deiner Pilzpassion! Vor allem Deine Art, mit getrockneten Pilzen Wintervorräte anzulegen, imponiert. Man ahnt, dass Pilze für Dich fast eine Weltanschauung sind.

Weiterhin so viel Spaß und viel Erfolg in Deinen neuen ostholsteinischen Wäldern wünscht Dir,

mit besten Grüßen, Heinz-Wilhelm




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