Pilzticker Thueringen 30:
Funde vom 04.11.2016 - 07.11.2016



Pilzticker Thueringen 30




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Übersicht aller bisherigen Pilzticker Thüringens




Eine Parade später Speisepilze und verheerender Giftzwerge im Nördlichen Eichsfeld


Heike schreibt am 7. November 2016:

»Hallo lieber Heinz-Wilhelm,

heute habe ich einige erste Birkenporlinge geholt. Wie erwartet, war die Ausbeute gering, da im September kaum was zu sehen war. Aber ich habe einige Birkenwälder zur Auswahl. Oder auch Laubmischwälder mit eingen Birken. Im ersten Birkenwäldchen fand ich die wenigen, die auf dem Teller (rechts) zu sehen sind.

Dann bin ich in meinen Hauswald, den Buchenmischwald, in dem ich viele Sommersteinpilze und Unmengen an Goldröhrlingen gefunden hatte. Ich bin erst gar nicht bis zu den Birken gekommen.

Denn schon auf dem Weg dorthin gab es eine wahre Parade der Speisepilze und der Giftzwerge.Alle paar Meter quirlten aus Buchenstubben die Stockschwämmchen in bester Qualität (Foto rechts), allerdings im lebhaften Wechsel mit Grünblättrigen Schwefelköpfen. Die Stockschwämmchen hätten mit Sicherheit einen ganz großen Korb gefüllt.

Zwischen den besiedelten Stümpfen war der Waldboden weiß getupft. Das waren die essbaren, an Hut und Stiel schleimigen Elfenbeinschnecklinge, die wuchsen wie verrückt. Dazwischen mischten sich Honiggelbe Hallimasch, noch klein und jung, immer noch viele Pantherpilze und Schwarzschuppige (Erd-)Ritterlinge. So viel Giftpilze auf so wenigen Metern bekommt man selten zu Gesicht.

Herzliche Grüße Heike«

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2 Fotos: Beide Fotos zeigen Schwarzschuppige Erdritterlinge. Vor Erdritterlingen wird heute gewarnt: Sie können, wie die Grünlinge, Muskelzersetzung (Rhabdomyolyse) hervorrufen, also eine Auflösung der quergestreiften Muskelfasern, die wiederum zu Nierenversagen führen kann. Das Tückische: Man verträgt diese Pilzarten über Jahre mühelos, ehe sie plötzlich, wie aus heiterem Himmel, ihre verheerende Wirkung zeigen. (4 Fotos © Heike)

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Ilm-Kreis: Eine letzte(?) bunte Herbstmischung, die Simone gerne mitnahm


Foto: Der Herbst bot Simone diese bunte Pilzmischung an. Nur zu gerne hat sie sie mit nach Hause genommen.

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Simone schreibt am 7. November 2016:

»Lieber Heinz-Wilhelm,

nun endlich mal wieder eine Pilzmeldung aus Erfurt.

Gestern begab ich mich noch einmal auf Pilzsuche in der Nähe von Riechheim im Ilm-Kreis in Thüringen.

Der Wald bot noch eine bunte Herbstmischung für meinen Pilzkorb an: Maronen, ein paar kleine Steinpilze, Hallimasch, Graublättrige Schwefelköpfe, Fichtenreizker, Violetter Rötelritterlinge, Grünspan-Träuschlinge sowie einen Hexenröhrling und zwei Safranschirmpilze (nicht im Bild).

Neben den Sparrigen Schüpplingen* gab es noch viele weitere Pilze. Einige, die ich benennen kann, waren Täublinge, Grünblättrige Schwefelköpfe, Fliegenpilze, Nebelkappen*, Narzissengelbe Wulstlinge und Flaschenstäublinge.

Die Pilzsammlungen von Heike sind ja wirklich beeindruckend. Allerdings sieht das auch nach sehr viel Arbeit aus.

Viele Grüße aus Erfurt, Simone«

* Weil sich Beschwerden über Magen- und Darmunverträglichkeiten, besonders im Zusammenspiel mit Alkohol, gehäuft haben, wird dieser einstmals als ungenießbar eingestufte Pilz heute tendenziell als Giftpilz klassifiziert. Ähnliche Symptome zeigen bei individueller Unverträglichkeit die Nebelkappen.

Blau = ungenießbar

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Foto: Diese Sparrigen Schüpplinge erreichen bereits das Rentenalter. Kein Wunder, so spät in der Pilzsaison. Und schlimm ist es auch nicht, denn sie werden heute von vielen Pilzberatern als giftig eingeordnet. (2 Fotos © Simone)

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Leinefelde: Maronen im Topzustand ohne Ende

Klaus schreibt am 6. November 2016:

»Wirklich schon Finale im Eichsfeld? Das kann ich noch gar nicht glauben, denn heute hat es sich bei Leinefelde wieder richtig gelohnt: Maronen im Topzustand ohne Ende, auch noch prima Steinpilze, Parasole, Hallimasch, Rötelritterlinge.

Aber so langsam geht der Platz in der Kühltruhe zur Neige, getrocknet sind auch genug für das ganze Jahr, und alle essen geht auch nicht mehr.«

Anmerkung: Heike bezieht ihr »Saisonfinale« lediglich auf ihre Steilhänge


Unvergessliches Saisonfinale in den Steilhängen

 »Maroneninferno« in den steilen Hängen des Nördlichen Eichsfeldes


Foto: »Maroneninferno« nennt Heike irgendwie zu Recht ihr neuerliches Motiv von den sorgsam geputzten und zuhause dekorativ ausgebreiteten Maronenröhrlingen. Das Inferno begann allerdings schon im Wald, wo sie nämlich alle Pilze generell säubert, damit sie zuhause keinen Schmutz und kaum noch Arbeit hat. So soll es sein! Zwei vielleicht letzte Steinpilze fürs Jahr haben sich mit aufs Bild geschmuggelt.







Heike schreibt am 4. November 2016:

»Hallo lieber Heinz-Wilhelm,

wir haben heute so getan, als ob es Samstag ist und den Versand aller Pakete um 10 Uhr fertig gehabt statt wie üblich um 12 Uhr.

Um 10.30 Uhr ging es in die Hänge zum letzten Gang für dieses Jahr. Morgen soll es schütten und danach sind bis zu drei Grad minus für die nächsten Tage angesagt. So hieß das Kommando: »Rettet die Maronen vor dem Gefriertod«.


Dabei kommt es mir vor, als ob der Wald gerade erst damit anfängt, alle Herbstpilze hervorzubringen. Letzte Woche waren die ersten Hallimasch gerade so zu sehen, heute hätten wir sie mit dem LKW abtransportieren können. Die ganzen Schneisen standen voll, wie gesät mit Hallimasch. Sie hatten die Köpfe noch geschlossen, schöne dunkelbraune Hüte hatten sie. Beste Qualität, ein Wahnsinn.

Ich habe über das Handy meinen Vater angerufen, ob er Hallimasch möchte. Nichts, gar nichts möchte er mehr. Der Bauch ist voll, der Gefrierschrank ist voll, der Hunger auf Pilze für die nächsten zwei Wochen gestillt. Natürlich hat er das bedauert. Die vielen schönen Hallimasche. So lecker. Wie schade.

Auch haben wir heute wieder Fliegenpilze zu hunderten gesehen. Und immer wieder dutzende, die erst raustreiben. Es ist der Wahnsinn.

Und dann erst die Maronen. Maronen ohne Ende! Was soll ich dazu noch schreiben? Die Rotfüße gibt es wie beim Plantagenanbau, sie sind nicht zu zählen und zu schätzen, sie erleben gerade ihr absolutes Jahreshoch. Und das in sagenhaft guter Qualität, was auf dem Foto mit Korb gut zu erkennen ist. Auch weit ausgebreitet auf großen Flecken der Lila Lacktrichterling. Und zwischen allen immer wieder Violette Rötelritterlinge.







2 Fotos: Links ein Maronendrilling am morschen Baumstuken, rechts junge Hallimasche in Topqualität. Letztere blieben zu tausenden in den Schneisen zurück: Vaters Bauch ist voll, Vaters Gefriertruhe ebenso.

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Auch entdeckten wir die ersten Schwarzfaserigen Ritterlinge, drei Stück. Sie sind was Besonderes, wow. Die Gelben Knollenblätterpilze nehmen zu, die Täublinge stehen sehr, sehr gehäuft.

Was ich bestätigen möchte aus einem Eintrag der letzten zwei Tage im Pilzticker ist, dass ab Frühsommer keine Perlpilze mehr zu finden waren. Sie sind sonst bei uns von Juni bis zum Frost zuverlässige Pilze. Mit ihnen fehlen auch die Leistlinge wie Herbsttrompeten, Graue Kraterellen und so weiter. Schon vergangenes Jahr sah man sie nicht. Sie hatten hier 2014 ein Massenauftreten. Seitdem befinden sie sich offenbar in einer regenerativen Pause.





Foto rechts: Maronen (hinten) ohne Ende, eine Straße der Violetten Rötelritterlinge als Pilzgrenze und eine Parade schönster Rotfußröhrlinge (vorne) begegnen uns auf diesem Foto. Es ist kaum noch zu zählen, wieviele Bilder dieser Art Heike dieses Jahr geknipst hat. (5 Fotos © Heike)

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Der Gang in den Hang war heute unser letzter für dieses Jahr, jedenfalls was das Pilze sammeln betrifft. In zwei Wochen wollen wir aber noch einmal hin, um für nächstes Jahr neue, Erfolg versprechende Gebiete zu erschließen.

Meinem Mann muss ich ein Kompliment machen, er hat dann wohl in diesem Jahr seine Sherpa-Prüfung bestanden. So oft wie dieses Jahr war er noch nicht mit. Und er musste schleppen ohne Ende. :)) Als Ausgleich bin ich die Hänge hoch und runter gelaufen wie ein Wiesel.

Allen Pilzsammlern wünsche ich viel Glück und Spaß für die Winterpilzsuche!

Herzliche Grüße aus dem Maronenschlaraffeninfernoland, Heike
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