Pilzticker Schweiz 1:
Funde vom 15.08.2011 - 17.11.2012



Pilzticker Schweiz 1


Exkurs Herbstlorchel: Ein gefährlicher Pilz?

*Matthias nimmt am 17. November 2012 Bezug auf Christinas Schreiben:

"Hallo zusammen,

die Herbstlorchel zu essen ist Ansichtssache. Der Geschmack ist aus meiner Sicht eh unangenehm - erdig, metallisch und wenig genussreich - und: sie gilt, wie alle Lorchelarten, als giftig. In der CH werden alle Lorcheln bei den Kontrollstellen nicht zu Speisezwecken freigegeben. Nach der neueren Pilzliterartur gilt eigentlich: Hände weg auch von Herbstlorcheln. Auch sie enthält Gyromitrin.

Grüsse aus der CH :-)

Maettel"

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Hallo Matthias,

vielen Dank für Deinen interessanten und wichtigen Hinweis!

Dass die Herbstlorchel (Foto re., © Ernst) nicht unproblematisch ist, ist bekannt. In den meisten Pilzbüchern gibt es daher den Hinweis auf "individuelle Unverträglichkeit" und den Rat, sie in kleinerer Menge zu essen. Todesfälle gibt es nach meinem Überblick nicht.

Ich persönlich koche sie nicht ab, brate sie aber sehr gut durch. Mir ist auch das Thema ihres metallischen Geschmacks bekannt, jedoch habe ich dies bislang nicht andeutungsweise feststellen können.

Interessant hierzu ist die Schilderung von Pilzfreund Ernst, der sie aus genau diesem Grund in einem Fall unangetastet im Wald zurückließ, sie aber in einem anderen Fall mitnahm, briet, aß - und sehr genoss. Mehr dazu im Pilz-Ticker Baden-Württemberg. Ich persönlich esse sie seit 15 Jahren ohne irgendeine Beanstandung. Sie zählt für mich zu den besten Speisepilzen.

Für ihren vorzüglichen Geschmack scheint die chemische Verbindung Octen-1-ol-3 verantwortlich zu sein, allerdings in deutlich geringerer Dosis als in der Frühjahrslorchel (Gyromitra esculenta). An sie wage ich mich nicht heran, obwohl ich sie schon einige Male fand. Bei ihr gilt als sicher, dass entweder erhebliche Verzehrmengen oder grundsätzliche genetische Veranlagung zum Tode führten.

Trotz meiner (vorwitzigen?) kulinarischen Neigung zu Helvella crispa (Herbstlorchel) gebe ich Dir völlig Recht: mit Gyromitrin ist nicht zu spaßen! Auch wenn man es durch zweimaliges intensives Abkochen oder sorgfältiges Trocknen auf kleinste Mengen reduziert. Es bleibt ein individuelles, genetisch bedingtes Restrisiko. Wer auf der sicheren Seite sein möchte, verzichtet ohne Wenn und Aber auf sie! Deshalb vielen Dank für Deinen Hinweis!

Viele Grüße von Heinz-Wilhelm

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Rohdersdorf, Kanton Rolothurn

Christina schreibt am 26. Oktober 2012:

"Wir haben in der Gegend Rohdersdorf (Kanton Solothurn) an der Grenze zu Frankreich am 13.10.12 reichlich Totentrompeten, Lachsreizker, Semmelstoppelpilze und noch einige junge Boviste und Hallimasch und Herbstlorcheln* gefunden.

Am 20.10.12 waren an der gleichen Stelle noch mehr Totentrompeten und Semmelstoppelpilze sowie einige Lachreizker und Leistlinge zu finden"


Foto rechts: In diesem Korb finden wir - neben Parasolen und Herbstlorcheln - Fichtenreizker (Lactarius deterrimus). Lachsreizker (Lactarius salmonicolor), wie Christina sie fand, haben keine Grüntöne. Sie sind durchweg lachsfarben gefärbt. In Norddeutschland sind Lachsreizker wegen der fehlenden Weißtannen sehr selten. Man findet sie fast nie an jungen Bäumen, beinahe ausschließlich an mindestens mittelalten, eher an alten Weißtannen. Die Milch von Lachsreizkern ist bräunlich gefärbt.


Hallo Christina,

vielen Dank für diese farbenprächtige Meldung! Wenn ich mir im Pilzkorb allein Totentrompeten, Lachsreizker und Herbstlorcheln vorstelle - welch ein wunderbares Herbstgemälde! Vielleicht gibst Du ja im kommenden Jahr wieder die eine oder andere Meldung durch? Ich würde mich freuen!

Viele Grüße von

Heinz-Wilhelm

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Waldgegend rund um Bern

Marianne schreibt am 11. September 2012:

"In der Region Bern habe ich am Sonntag, 10.9.2012, Steinpilze und Flockenstielige Hexenröhrlinge gefunden, 550 Meter üNN."


Hallo Marianne,

vielen Dank! Schön zu lesen, dass sich endlich auch in der Schweiz wieder was rührt in den Wäldern. Schaut so aus, als sei es bei Euch in den vergangenen Wochen ähnlich trocken und pilzarm gewesen wie in weiten Teilen Deutschlands.

Weiterhin gute Funde und viele Grüße von

Heinz-Wilhelm


Waldgegend rund um Bern


Rolf schreibt am 12. Juni 2012:

"Hallo zusammen!

Uns hat letztes Jahr das Pilzfieber erwischt. Möchte euch sagen, dass eure Seite absolut prima ist.

Gruss an alle Hütchenliebhaber aus der Region Bern."

Lieber Rolf,

vielen Dank für Deine netten Worte. Darüber freuen wir uns sehr und es ist Ansporn, diese Website weiter auszubauen. Es wird auch dieses Jahr wieder viel Neues geben!

Viel Erfolg und Freude bei Euren Pilzgängen, verbunden mit besten Grüßen, von

Heinz-Wilhelm







Waldgegend rund um Bern

Marianne schreibt am 8. November 2011:

"Hallo,

heute fand ich folgende Pilze: Zwei Steinpilze, einen Flockenstieligen Hexenröhrling, Rotfußröhrlinge (Herbstversion), Kaffeebraune Gabeltrichterlinge, Schwarzpunktierte Schnecklinge, Mehlräslinge, Edelreizker

Liebe Grüße,

Marianne"


Mehlräslinge im Gras unter einer Linde. Sie sind feine Pilze, eignen sich ausgezeichnet für (helle) Suppen oder Soßen. Sie sind von mildem, fast elegantem Geschmack. Charakteristisch sind ihre hellrosa Blätter.

Hallo Marianne,

alle Achtung, um die Steinpilze wird Dich sicher manch einer beneiden. Am 8. November, nicht schlecht...

Viele Grüße,

Heinz-Wilhelm


Gebiet Seeland

Patricia schreibt am 4. Oktober 2011:

"Ein ganzer Korb voller Steinpilze, Flockenstielige Hexenröhrlinge, Edelreizker und Schopftintlinge ... was für ein Tag!"

Hallo Patricia,

vielen Dank! Ich beneide Dich um Deine Schopftintlinge! Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.

Viele Grüße und weiterhin guten Erfog,

Heinz-Wilhelm

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Region Bern: Es geht wieder los!

 Marianne schreibt am 11. September 2011:


"In der Region Bern habe ich heute, 10.9.2011, Steinpilze und Wiesenchampignons gefunden, 550 Meter üNN."

Prima, Marianne!

Auch bei uns in Deutschland zieht das Pilzaufkommen wieder stark an. Es ist der letzte starke Sommerschub. Danach werden die Herbstpilze kommen. Weiterhin viel Erfolg!

Viele Grüße,

Heinz-Wilhelm


Thema Milchbrätlinge in der Region Bern

Marianne am 27. August 2011 zum gestrigen Schreiben von Bruna:

"Hallo,

in der Region Bern haben sich die Milchbrätlinge auch rar gemacht. Mir fällt auf, dass dieses Jahr auch die Flockenstieligen Hexenröhrlinge selten sind. In meinem Pilzgebiet finde ich die seit Jahren sonst massenhaft."

Hallo Marianne,

vielen Dank für die rasche Antwort! Sie bestätigt den Trend des Milchbrätlings, seltener zu werden.

Foto: Herrliche Milchbrätlinge! Der tschechische Pilz- und Naturfotograf Jaroslav Maly hat sie vollendet, das heißt in ihrer ganzen Charakteristik, fotografiert (Foto © Jaroslav Malý)


Thema Milchbrätlinge in der Nordost-Schweiz

Leipzig, d. 26. August 2011

Liebe Schweizer Pilzfreunde,

Bruna stellt am heutigen Tage folgende interessante Frage:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

ich würde gerne wissen, ob Pilzsammler in der Schweiz in diesem Jahr schon Milchbrätlinge gefunden haben. Nach meinen Erfahrungen macht sich dieser Pilz immer rarer. Leider, denn ich suche ihn seit Jahren vergeblich in den Wäldern der Nordost-Schweiz. Mache mich jetzt aber gerade wieder auf die Suche."

Hallo Bruna,

vielen Dank für die sehr interessante Frage!

Liebe Schweizer Pilzfreunde, es wäre schön, wenn Ihr dazu (aktuelle) Erfahrungen habt und mitteilt. Ich kann hier nur für Bayern sprechen, und da ist es leider genau so, wie Bruna beobachtet:

Der herrliche Milchbrätling zieht sich auch in seinen angestammten Gebieten im Bayerischen Wald - anderswo gibt es ihn beinahe nur noch selten - immer mehr zurück. Im Voralpenland (Oberbayern) kenne ich zwei ergiebige Stellen, die vor etwa zehn Jahren noch gut trugen, wo jedoch heute nicht einer dieser Pilze noch zu finden ist.

Heinrich Holzer, der Regionalbeauftragte Bayerischer Wald für die Bayerische Mykologische Gesellschaft, sieht den Rückgang von Milchbrätlingen fast dramatisch: "Es gibt ihn fast schon gar nicht mehr." Zu den Ursachen mehr in meinem Kapitel "Für den herrlichen Brätling danke ich dem Herrn Gott."

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Gebiet Appenzell

Silvia freut sich am 17. August 2011 über

Steinpilze, Flockenstielige Hexenröhrlinge, Birkenpilze, Maronenröhrlinge, Goldröhrlinge, Ziegenlippe und Perlpilze,

die sie gestern, am 16. August 2011, im Appenzell gefunden hat. Und schreibt begeistert: "Hurra!"

Wir freuen uns mit ihr - und über die erste Pilzmeldung aus der Schweiz!

Vielen Dank und viele Grüße,

Heinz-Wilhelm

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Foto: In dieser majestätischen Haltung lässt wohl jeder Steinpilz unser Herz höher schlagen. Ob Silvia solch einen Paradepilz im Korb hatte?

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Pilz-Ticker-Schweiz?

Marianne schrieb am 15. August 2011 Folgendes an www.passion-pilze-sammeln.com:

"Hallo Heinz-Wilhelm,

vielleicht könntest du einen Schweiz-Ticker einbauen? Das wäre super.

Ich finde deine Home-Page super, habe schon viel Interessantes gelesen, werde sicher immer wieder dorthin finden.

Dir auch eine gute "Pilzjagd" und viele schöne und erholsame Stunden im Wald.

Freundliche Grüsse

Marianne"

Hallo Marianne,

das ist eine schöne Idee, auf die ich in dem Moment kam, als ich in Deiner E-Mail-Adresse die Schweizer Herkunft entdeckte. Wie Du siehst, habe ich sie bereits heute umgesetzt - und freue mich nun auf die ersten Meldungen aus Eurer Schweizer Pilzheimat.

Da ich hier gerade "in der Schweiz" bin, möchte ich einmal auf das bemerkenswerte Ergebnis einer Studie von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) zur angeblichen Bestandsgefährdung von Pilzen durch uns Pilzsammler hinweisen.

Das überraschende und erfreuliche Ergebnis findet Ihr hier.

Viele Grüße an Dich und alle eidgenössischen Pilzfreunde von

Heinz-Wilhelm

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Allen Pilz- und Naturfreunden eine schöne Adventszeit

(Foto © Fotolia)

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