Pilzticker Sachsen 6
Funde vom 20.05.2013 - 16.06.2013



Pilzticker Sachsen 6




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Übersicht aller bisherigen Sachsen-Pilzticker




Wochenende 15./16. Juni 2013

Pilzexperten erwarten für dieses Wochenende eine Steinpilzschwemme!


Foto: Sie kommen - nach Meinung der Pilzberater und -sachverständigen sogar schon mit einer richtigen Schwemme: Steinpilze, hier in einem Mooshäuschen (Foto © p-p-s.com).


Leipzig, d. 14. Juni 2013

In Sachsen erwarten die Pilzexperten für dieses Wochenende (15./16. Juni 2013) eine Steinpilzschwemme! Über ein bislang schon sehr außergewöhnliches und vermutlich anhaltend grandioses Pilzjahr ist mehr im Großen Pilzticker zu lesen.



Leipziger Umland: Rüblinge & Ritterlinge, Ackerlinge &  Trichterlinge - alles für den Pilzextrakt

Leipzig, d. 12. Juni 2013

Meine Streifzüge dieser Tage führten mich zu einer Reihe interessanter Speisepilze, die teils einen Monat vor ihrer üblichen Zeit wachsen.

In einem feuchten Nadelholzabschnitt überfiel mich ein stattlicher Trupp von Waldfreundrüblingen (Collybia dryophilla). Diese büschelig wachsenden Speisepilze mögen Feuchtigkeit. Ihre Hüte sind zunächst glockenförmig gewölbt, im Alter haben sie unverkennbar stark verbogene Ränder. Die Hutfarbe reicht von Gelbbraun über Kastanienbraun bis hin zur Tonfarbigkeit. Die Blätter sind blass bis gelblich, schmal und stehen gedrängt.

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Foto: Waldfreundrüblinge in voller Pracht. Zu beachten sind die stark verbogenen und aufgeschlagenen Hutränder.




Die Stiele sind zur Basis hin "aufgeblasen". Ihr Geruch ist angenehm frisch, mit einer feinen Prise von Obst, ihr Geschmack mild. Schneidet man den Stiel ab, so sind sie willkommen in Mischpilzgerichten.

Größere Verzehrmengen sollte man vorher abkochen. Das geschieht in diesem Fall ohnehin reichlich, denn bei der Menge Speisepilze, die sich derzeit anbietet, ist meine Küche dieser Tage eine kleine Fabrikation für herrliche Pilzextrakte.


Foto: Die Stiele des Waldfreundrüblings wirken zur Basis hin leicht "aufgeblasen". Bei seinem Doppelgänger, dem ebenfalls essbaren Butterrübling (Collybia butyracea), sind die Stiele zur Basis hin aufgeblasen-keulig, also dicker. Um diese Jahreszeit ist das wichtigste Unterscheidungsmerkmal, dass der Butterrübling ein typischer Pilz des Spätherbstes ist (2 Fotos © p-p-s.com).

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Der Gemeine Erdritterling lief mir buchstäblich über die Füße

Der Gemeine Erdritterling (Tricholoma terreum) wächst gerne gesellig. Typisch für ihn ist sein charakteristischer spitzer Buckel. Seine Hutfarbe ist dunkelgrau bis graubräunlich, seine radial verlaufenden schwärzlichen Fasern sind gut sichtbar. Er ist ein brauchbarer Speisepilz.

Man sollte ihn vor allem von dem giftigen Weißbraunen Ritterling (Tricholoma albobrunneum) unterscheiden können, der an Fichten gebunden ist. Hingegen hat es unser Gemeine Erdritterling streng mit der Kiefer.

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Foto: Gemeine Erdritterlinge in der Nähe einer Kiefer am Rande des Leipziger Südfriedhofes. Ihr Geruch und Geschmack sind nicht mehlartig und mild (Foto © p-p-s.com)


Foto: Auch essbare Ockerbraune Trichterlinge (Clitocybe gibba) gehörten in den vergangenen Tagen immer wieder zu meinen Funden. Gut sind sie an ihren herablaufenden Lamellen zu erkennen (Foto © p-p-s.com).


Foto: Auch Frühe oder Voreilende Ackerlinge (Agrocybe praecox) machten mir ihre Aufwartung. Sie empfehlen sich ebenfalls, um einen delikaten Pilzextrakt für Pilzsuppen und -soßen herzustellen, zumal sie meist massenhaft auftreten (Foto © p-p-s.com).

Pilzticker Sachsen 6 (hwb)


Perlpilze am Völkerschlachtdenkmal: Erst kamen die Maden, dann der Rasenmäher

Sarah schreibt am 11. Juni 2013:

"Leipzig: Park am Völkerschlachtdenkmal: Perpilze! Leider kein Foto, aber im Ring um eine Linde, mehrere Exemplare, etwa fünf bis acht, leider alle madig und schön rotgefärbt die Fraßgänge. Gefunden heute, unmittelbar, bevor die Wiese gemäht wurde..."


Michael findet Steinpilze in Leipzigs Süden


Michael schreibt am 10. Juni 2013:

"War am Wochenende wieder im Südraum Leipzig unterwegs. Kaum zu glauben aber die ersten Steinpilze standen da. Leider sehr madig. Für eine Mahlzeit reichten sie dennoch" (Foto © Michael N.).

Hallo Michael,

toll, dass Du den Beweis mit der tagesaktuellen Leipziger Volkszeitung im Hintergrund gleich mitgeliefert hast!

Viele Grüße von Heinz-Wilhelm

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Leipzig: Immer wieder üppige Frühlingspilze - und Rehbraune Dachpilze

Leipzig, d. 30. Mai 2013

Ich habe gestern reichlich Maipilze gefunden, mit denen es deutlich zu Ende geht. Dazu Nelkenschwindlinge in großen Reihen und Nestern, einige gute junge Stadtchampignons sowie einen Kraftprotz von jungem Birkenpilz und einen Riesen von Netzstieligem Hexenröhrling im Bestzustand.


Nach längerer Pause auch einmal wieder Rehbraune Dachpilze - siehe die zwei nachstehenden Fotos. Sie sind zwar essbar, eignen sich aufgrund ihres leicht rettich- und kohlartigen Geschmacks aber nicht fürs Sologericht. Für einen Pilzextrakt, den ich wieder einmal ansetzte, sind sie aber prima. (hwb)

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Foto: Rehbraune Dachpilze. Hier ist gut zu erkennen, dass sie auf Substrat wachsen, also auf totem Holz, egal ob vergehende Zweige, Äste, Rinde oder auch Sägemehl. Die seidig glänzenden, 4 bis 12cm breiten Hüte sind anfangs kegelig bis glockenförmig, später flach gewölbt bis ausgebreitet.


Foto: Die zunächst hellcremeweißen Lamellen sind angewachsen oder, wie hier, frei, und nehmen später eine lachsrosa bis rötliche Farbe an, ähnlich den Rötlingen. Der faserige und brüchige Stiel ist mit bräunlichen Längsfasern besetzt.


Leipziger Süden: Nach den Birkenpilzen flammen nun auch die ersten Rotkappen auf

Michael schreibt am 21. Mai 2013:

"Es geht los! Am Pfingstwochenende im Südraum von Leipzig Birkenpilze und Rotkappen gefunden. Etwa 2 Kilo. Die Stiele waren sehr madig, aber die Hüte 1A . Dazu noch zwei prächtige Schuppige Porlinge. So zeitig im Jahr war es schon überraschend. So kann es weitergehen..."

Hallo Michael,

Rotkappen um diese Zeit sind schon Klasse! Glückwunsch!

Viele Grüße, Heinz-Wilhelm

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Foto links: Da sind sie, die ersten uns gemeldeten Rotkappen des Jahres! Michael hat sie südlich Leipzig gefunden. Ein weiterer Beleg dafür, dass im Großraum Leipzig das Pilzjahr fulminant begonnen hat (Foto © Villa/Jenalebt).





Interview mit Peter Rohland, Leipzig, Pilzsachverständiger in der DGfM (Deutsche Gesellschaft für Mykologie) über das starke Aufkommen von Frühlingspilzen 2013

"Wir haben einen Pilzfrühling wie lange nicht mehr"


Leipzig, d. 20. Mai 2013

Herr Rohland, die Frühlingspilze sind in diesem Jahr mit ihrem Artenreichtum und ihrer Menge außergewöhnlich stark.

Wegen des langen Winters kamen sie zwar spät. Aber nachhaltige Regenschauer ab Anfang Mai und anschließende Wärme und Schwüle waren ideal. Diese Wetterintervalle wiederholten sich. Nur während der Kamillenblüte legten die Pilze für knapp drei Wochen eine Pause ein. Das ist immer so. Aber jetzt geht es wieder los. Es ist bislang ein Pilzfrühling wie lange nicht mehr - und es wird so weitergehen!

Was haben Sie persönlich bislang gefunden?

Höhepunkt war der Zinnoberrote Kelchbecherling, auch Österreichischer Prachtbecherling genannt, auf Kohleabraum bei Borna. Diese Pilze sind sehr seltene Schönheiten, absolut schützenswert und gottlob ungenießbar. Bei Borna gab es auch viele Böhmische Verpeln und Morcheln. In Leipzig selbst weniger. Auf dem Gelände meines Arbeitsgebers fand ich vier Käppchenmorcheln, dazu massenhaft köstliche Blassbraune Schlehen- und Schildrötlinge.

Deren Aufkommen in diesem Frühling regelrecht 'explodierte'.

Absolut! Das haben mir auch die Unmengen an Rötlingen gezeigt, die die Leute in die Städtische Pilzberatung mitgebracht haben. Ebenso die Maipilze: Massen! Die Anzahl der Besuche in der Pilzberatung spricht für sich: Wir haben bis zur Vorpfingstwoche bereits so viele Besucher gehabt wie 2012 Mitte Juli!


Foto: Kommen in diesem Jahr in Massen vor: Schildrötlinge (Entoloma clypeatum) in der Nähe einer gefällten Eberesche im Stadtteil Lößnig. Sie sind gute Speisepilze.


Was gab es sonst noch, was es üblicherweise wenig oder selten gibt?

Auffallend waren auch die vielen Erdritterlinge. Auch Birkenpilze, Netzstielige Hexenröhrlinge, Riesenboviste, Speisetäublinge und Schopftintlinge, alles gute Speisepilze, sind relativ früh dran. Relativ deshalb, weil ich einige von ihnen auch schon mal an einem 8. Mai gefunden habe.

Was dürfen wir für die nächste Zeit noch erwarten?

Zur Zeit betreten die essbaren Frühlingsackerlinge die Szene, in drei Wochen wird der Sommersteinpilz sein Stelldichein geben. Es ist insgesamt ein dichter und kraftvoller Ablauf, und ich hoffe, dass ich eine sehr seltene Rötlingsart im südlichen Auenwald von Leipzig erstmals seit 15 Jahren wieder vor die Linse bekomme.

Und Ihre Jahresprognose?

Es wird ein gutes, vielleicht sogar ein sehr gutes Pilzjahr.

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Allen Pilz- und Naturfreunden eine schöne Adventszeit

(Foto © Fotolia)

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