Die Mykorrhiza - Schlüssel zum
Erfolg für den guten Pilzsammler



Die Mykorrhiza ist ein Begriff, den du als Pilzfreund kennen solltest. Wenn du erst einmal weißt, was das ist, hilft es dir beim Suchen bestimmter Pilzarten und bei deren Bestimmung. Es ist ein bedeutsamer Schlüssel für die erfolgreiche Pilzsuche. Denn viele Pilze haben eine enge Bindung an bestimmte Baumarten.

Rund 6000 Pilzarten auf der Erde gehen mit ganz bestimmten Bäumen, Sträuchern und anderen Pflanzen eine Lebensgemeinschaft ein. Wenn das kein Geschenk an uns Pilzsammler ist: So können wir Pilze finden, indem wir zunächst einmal ihre Baumpartner suchen. Das macht es uns deutlich leichter.

Diese Pilze stehen allesamt mit den feinsten, also äußersten Wurzeln ihrer „Lieblings“-Bäume und -pflanzen in Kontakt, um mit ihnen Nährstoffe auszutauschen. Sie beschenken sich gegenseitig: Die Pilze liefern den Wurzeln Wasser und Nährsalze (z. B. Phosphor und Eisen), die Wurzeln bedanken sich mit Gaben von Kohlenhydraten (Zuckern) und Vitaminen an die Pilze.


Foto: Der Blick nach oben zeichnet einen erfahrenen Pilzsammler aus. Karl Berchtold (Gauting/Obb.) mustert aufmerksam, mit welchen Baumarten er es hier zu tun hat. Sie geben ihm Aufschluss darüber, auf welche Pilzarten er hoffen darf. Hinter ihm, soviel steht fest, streckt eine gestandene Rotbuche protzig ihre Krakenwurzeln aus. Und vor ihm, auch das ist gewiss, posieren Nebelgraue Trichterlinge stramm in Reihe. Von ihrem Verzehr ist eher abzuraten.


Die Vergesellschaftung zweier Arten, bei der beide Partner einen Nutzen erzielen, heißt in der Biologie allgemein Symbiose. Es gibt sehr viele Formen symbiotischen Zusammenlebens. So schützen zum Beispiel Ameisen Blattläuse und erhalten dafür von ihnen Zuckerwasser.

Eine Vergesellschaftung speziell zwischen Pilz und Pflanze bezeichnet man als Mykorrhiza, was aus dem Griechischen übersetzt „Pilzwurzel“ oder „verpilzte Wurzel“ heißt. Eine Mykorrhiza ist also eine Wurzel, die von einem Pilz besiedelt wird.


Hier liest Du, welche Pilze mit welchen Baumpartnern zusammenleben


Ein Baum kann sich bis zu 30 verschiedene Partnerpilze halten. Dank dieser Partnerpilze kann er seine Nährstoffaufnahme auf bis zum Tausendfachen(!) steigern.

Da erklärt sich fast von alleine, dass mykorrhizierte Bäume eine deutlich größere Stressresistenz besitzen als jene Bäume, die auf die Zusammenarbeit mit Pilzen verzichten. Bäume in Lebensgemeinschaft mit Pilzen sind weniger anfällig gegenüber Frost, Trockenheit, Krankheitserregern und Umweltgiften.

Eine von Pilzen besetzte Feinwurzel übernimmt zum Beispiel eine Filterfunktion und verhindert, dass etwa Schwermetalle in die Bäume gelangen. Das könnte die Photosynthese beeinträchtigen. Eine besondere Intelligenz der Baumwurzeln besteht im übrigen darin, dass sie dem ansiedelnden Pilz zwar eine winzige Tür öffnen, ihn aber nicht "reinlassen". Damit schützt sich der Baum vor gefährlichen Pilzeindringlingen, die ihn zersetzen könnten.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass einzelne Bäume manchmal versuchen, ohne Mykorrhiza auszukommen, obwohl ihre Art seit tausenden Jahren erprobt mit Pilzen zusammenlebt. Dieser voreilige Verzicht wird, wie Studien gezeigt haben, für die betroffenen Bäume lebensgefährlich! Sie brauchen die Partnerschaft mit Pilzen.



Gefahr durch Holzerntemaschinen

Gefährliche Feinde dieses profitablen Zusammenlebens sind die von der Forstwirtschaft eingesetzten tonnenschweren Vollerntemaschinen (Harvester). Sie drücken, stauchen und quetschen in ihren Rückewegen den Waldboden derart, dass der gesamte hoch komplexe Mikrokosmos an Kleinstlebenwesen inklusive der Wurzelgeflechte von Pilzen nicht selten rettungslos zerstört wird.

Hinzu kommt, dass moderne Vollernter sämtliche Teile des Baumes - Rinde, Äste, Blattwerk, Nadeln - zu 100 Prozent kassieren, also komplett aus dem Wald entfernen. Dem Waldboden fehlen damit substanzielle Nährstoffe, die im Zyklus von Vergehen und Wiederentstehen unerlässlich sind.

Mykorrhizapilze sind aus diesem Grund klar erkennbar auf dem Rückmarsch und etliche Arten von ihnen gefährdet.

Wie wichtig die Kenntnis der Bäume für Pilzsammler ist, beschreibt der Schweizer Pilzkenner Armando Hübscher so: „Da wir direkt am Walde aufwuchsen und oft von klein auf mit Forstarbeitern Kontakt hatten, lernten wir auch die verschiedenen Bäume und Sträucher kennen. Erst später wurde mir klar, wie hilfreich das für meine Pilzsuche war."

Ein guter Pilzsammler kommt also kaum drum herum, die Bäume, Sträucher oder den Waldwuchs im allgemeinen zu kennen.

Wie oft schon sei er, Armando Hübscher, zielstrebig auf eine Eiche (Steinpilze), Lärche (Goldröhrlinge) oder eine Silberpappel (Espenrotkappe) zugegangen – und hatte prompt Erfolg.



Foto rechts: Typischer Fall einer Pilz- und Baum-Partnerschaft: Ein Trupp Goldröhrlinge (Suillus grevillei) vor einer Europäischen Lärche. Sie wachsen nahezu ausschließlich bei diesen Bäumen, kommen nur in sehr seltenen Fällen unter anderen Lärchen oder bei Douglasien vor. Und schmecken prima.






Hübscher legt allen, die in die Pilze und die Kenntnisse der Mykorrhiza hineinwachsen möchten, die von ihm selbst durchlaufene Schule ans Herz: „Du solltest nach den ersten erfolgreichen Schritten lernen, deine Wälder in „Bezirke“ einzuteilen, je nach Baumbestand und davon abhängigem Pilzvorkommen.“

Welche Pilze kann ich in diesem oder jenem Teil des Waldes zu welcher Jahreszeit bei welcher Witterung finden? Nach diesem Frageansatz geht der reife Pilzsammler, der Meister, vor. Wer solide Antwort auf diese Frage weiß und sie praktisch umsetzen kann, ist wahrhaftig weit gekommen.


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