Der Fliegenpilz: Die Beschreibung seiner
Art und seine Bedeutung in der Dichtung




Der (Rote) Fliegenpilz gehört zur Gruppe der giftigen Pilze

Volkstümlich: Fliegentod, Muckenschwamm, Mückenkredling (von Kredling = Kröte, eine Anspielung auf die fleckig-warzige Huthaut)

Lateinisch: (Amanita muscaria L.)

Klasse: (Agaricomycetes)

Unterklasse: Hutpilze (Agaricomycetidae)

Ordnung: Blätterpilze (Agaricales)

Familie: Knollenblätterpilzartige (Amanitaceae)

Gattung: Wulstlinge (Amanita)



Foto rechts: Ein noch relativ junger Pilz. Die Flocken, im Volksmund als "Punkte" bezeichnet, sind sehr ausdrucksvoll. Zum Hutrand hin werden sie immer dichter, daran lässt sich erkennen, dass der Hut, ja der gesamte Pilz noch vor kurzem in eine Gesamthülle, das Velum universale, eingeschlossen war.

Korrekt heißt er der Rote Fliegen-Pilz, denn es gibt auch den Braunen oder Königsfliegenpilz - siehe unten beim Thema Verwechslungsmöglichkeit.






Die Heilkraft vom Fliegenpilz: Waffe gegen Pfeiffersches Drüsenfieber, den Krebs oder Rheuma

Kann oder darf man Fliegen-Pilze essen?




Der Fliegenpilz (Amanita muscaria L., früher Agaricus muscarius) ist wohl der bekannteste aller Pilze und für viele Kinder die erste Begegnung mit der Pilzwelt überhaupt. Mit seinen weißen Tupfen auf rotem Grund hebt er sich unvergleichlich von Nadel- oder Grasboden und den dunklen Fichtenzweigen ab und gilt als Schmuck der Wälder.

Als auffallender Großpilz gehört er unverrückbar zum Waldbild in deutschen Märchen und Mythen. "Sag, wer mag das Männlein sein, das da steht im Wald allein mit dem purpurroten Käppelein?" Nur ein Pilz kann damit gemeint sein. Regenwasser, das sich in schalenartig ausgeformten Hüten älterer Pilze gesammelt hat, ist in der Dichtung "Zwergenwein".

Er gilt als Giftpilz und ist damit ein Symbol der Bedrohung und des Todes. Erst viel später erlangte er auch die Bedeutung als Glücksbringer. 

Gerade seine Symbolkraft wird gerne dazu genutzt, ihn in verniedlichendem Sprachgebrauch zu verharmlosen und ihn als halluzinogenen oder psychedelischen Pilz gesellschaftsfähig zu machen. “Zauberpilz” oder “Magic Mushroom” sind solche Schlagwörter, die eine angeblich bewusstseinserweiternde Reise versprechen. Doch die Reise” kann einen ganz anderen Ausgang haben.



Foto: Auch so können sie aussehen: Ein Regenschauer hat die Velumreste vom Hut abgespült. Gänzlich ohne Flocken steht der Pilz nun da. Und zwar in einer Orangefärbung, die ebenfalls nicht selten ist. Dass der Ring hier nicht zu sehen ist, ist nicht untypisch: Oft sitzt er weit oben am Stiel und wird durch den Hut verborgen.



Merkmale

Hut: 8 bis 20cm breit, scharlach- bis karmesinrot, auch gelblichrot, mit mehr oder weniger dicken Hüllrestflocken, die leicht vom Regen abgewaschen werden. Rand schwach gerieft.

Auf der ausgezeichneten Website www.frankies.jimdo.com, die sich mit Pilzen und Flechten befasst, geben Frank Hofmann und Wilhelm Hofmann(†) eine Erklärung für die unterschiedlichen Färbungen der Fliegen-Pilzhüte ab. Mit freundlicher Erlaubnis von Frank Hofmann zitieren wir:

»Die Fliegen-Pilzfarbstoffe sind ein komplexes Gemisch aus Iminen der Betalaminsäure mit verschiedenen Aminen oder Aminosäuren. Der Fliegenpilz enthält- in wechselnden Konzentrationen sowohl gelbe (Muscaflavin), orangerote (Musca-Aurine), rotbraune (Muscarubin) und purpurne (Muscapurpurin) Farbstoffe, die für die unterschiedliche Farbigkeit des Fliegenpilzes sorgen.«


Lamellen: Weiß bis schwach gelblich, gedrängt, freistehend.
 
Stiel: Weiß, anfangs voll, später hohl, mit hängender häutiger Manschette; geht an der Basis in eine kugelige oder eiförmige, ringförmig oder gürtelartig berandete Knolle über.

Geruch: Bedeutungslos bis angenehm.
 
Standort: Bevorzugt Birken; desweiteren auch in Nadelwäldern, häufig in Fichten-Monokultur, wo er nicht selten ein Anzeiger des Steinpilzes ist; auch in Parkanlagen.

Erscheinen: Juli bis November.




Foto links: Bei diesem Pilz wurde die Farbe von Regen und Wind nahezu ganz abgetragen.




Verwechslungsmöglichkeit

Je nach Farbvariation kann er mit dem Braunen oder Königsfliegen-Pilz verwechselt werden.


Foto: Ein stattlicher junger Brauner oder Königsfliegen-Pilz. Seine Caramelfarbe untescheidet ihn von seinem deutlich roten oder rotorangefarbenen Bruder. Helmut Pagler aus Wunsiedel hat dieses schöne Foto im Fichtelgebirge geschossen. Herzlichen Dank, dass er diesen seltenen Pilz im besten Alter so aussagestark für uns eingefangen hat! (Foto © Helmut Pagler)


Im jungen Stadium: Noch gänzlich in der Schutzhülle (Velum), kann der Fliegen-Pilz leicht für einen essbaren Perlpilz (Amanita rubescens) oder einen schmackhaften Bovist gehalten werden kann.




Foto links: Junge Fliegen-Pilze - hier der Braune - zeichnen sich durch eine kräftige, in Zonen gegürtelte und häufig warzige Knolle aus. (Foto © Helmut Pagler)




Denkbar ist in diesem Alter auch eine Verwechslung mit dem giftigen Pantherpilz (Amanita pantherina). Die Heftigkeit einer Pantherpilz-Vergiftung ist größer als die von Fliegenpilzen; der Pantherpilz verursachte die meisten Pilzvergiftungen in der DDR.

Eine ebenfalls mögliche Verwechslung des Fliegen-Pilzes mit dem Kaiserling (Amanita caesarea) würde hingegen zu einem kulinarischen Hochgenuss führen: den alten Römern galt er als der beste Speisepilz überhaupt, noch vor Trüffeln. Lamellen und Ring des Kaiserlings sind stets gelb.

Zuverlässiges Erkennungsmerkmal: Wenn wir den jungen Pilz von oben bis unten halbieren, ist selbst beim kleinsten Fliegenpilz unter der Huthaut eine feine gelbrote Linie zu sehen.


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